BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Michael Wagner
Bildrechte: BR

Während das Hotel- und Gaststättengewerbe stark unter dem monatelangen Lockdown gelitten hat, hat die Wohnmobil-Branche von der Corona-Krise sogar profitiert.

89
Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wohnmobil-Boom in Corona-Zeiten: Was ist dran am Camping-Hype?

Während das Hotel- und Gaststättengewerbe stark unter dem monatelangen Lockdown gelitten hat, hat die Wohnmobil-Branche von der Corona-Krise sogar profitiert. Warum ist Camping so beliebt? Zu Besuch auf Campingplätzen.

89
Per Mail sharen
Von
  • Michael Wagner
  • BR24 Redaktion

Der Campingplatz "Freizeitinsel" in Bad Abbach im Kreis Kelheim: Saftig grün sprießt das Gras aus dem Boden, in Terrassen folgt Grünfläche auf Grünfläche. Darauf stehen, fein säuberlich aneinandergereiht, die Wohnmobile der Camper und Camperinnen, die hier mal länger, mal nur übers Wochenende Urlaub machen.

Urlaub mit dem Wohnmobil – der Traum von Freiheit

Dieter Schulten sitzt gemeinsam mit seiner Frau Petra im Schatten der Markise seines Wohnmobils und schlürft eine Tasse Kaffee. Zu seinen Füßen hat es sich Labrador Paul auf seinem Kissen bequem gemacht, hebt ab und zu verschlafen den Kopf, döst dann weiter. Bereits um elf Uhr am Vormittag ist es sehr warm. "Das Faszinierende ist, man hat die Freiheit", lächelt Dieter Schulten. "Ich kann entscheiden, wann ich aufstehe, ich kann entscheiden, wann ich frühstücke. Und wenn es mal anfängt zu regnen, dann sag ich 'weißt du was, wir packen wieder ein und fahren dahin, wo schönes Wetter ist'."

Glamping: Das Wohnmobil als zweites Zuhause

Die Schultens sind aus Mettmann bei Düsseldorf angereist – mit einem stattlichen Gefährt: Fast acht Meter lang und - im geparkten Zustand - über drei Meter breit ist ihr Wohnmobil, fünf Tonnen Luxus, verteilt auf drei Achsen. Auf den Geschmack eines Wohnmobils sind die Schultens vor sieben Jahren gekommen. Mit einem kleinen Wohnmobil haben sie angefangen, mittlerweile sind sie zum "Glamping" avanciert. Vor drei Jahren wagten sie die große Investition in den Luxus-Camper: "Das ist ein Traum von uns", sagt Dieter Schulten, "und diesen Traum haben wir uns erfüllt. Wir legen keinen Wert auf dicke Pkws, da haben wir gesagt, kaufen wir uns lieber ein schickes Wohnmobil."

Sich unterwegs wie zu Hause fühlen, das ist beim "Glamping" die Devise. Fernseher, Kaffeemaschine, Kühlschrank und Gefrierschrank, ein abgesetzter Schlafbereich, eine bequeme Sitzecke und vor allem – viel Platz. Rund 150.000 bis 200.000 Euro kosten Luxus-Camper in dieser Größenordnung. Nach oben ist die Luft je nach Ausstattung offen.

Wohnmobil-Boom in der Corona-Pandemie

Nicht immer investieren Camper ein kleines Vermögen, doch Wohnmobile liegen im Trend. Das spürt auch der Wohnmobilhändler Christoph Handke in Sinzing im Kreis Regensburg. Für die laufende Saison sind bereits alle Modelle verkauft, die Bestellungen für die kommende Saison häufen sich.

Bei Neueinsteigern sind auch kleinere Wohnmobile unter 3,5 Tonnen Gewicht beliebt. Für sie braucht es in der Regel keinen extra Führerschein, sagt Christoph Handke – im Gegensatz zu Wohnwagen-Anhängern, für die eine normale Pkw-Führerscheinklasse oft nicht mehr reicht.

© BR

Camping mit dem Wohnmobil: Auch jüngere Menschen setzen vermehrt auf den Urlaub im mobilen Eigenheim.

© BR

Auch bei jüngeren Generationen wird der Urlaub mit dem Wohnmobil immer beliebter.

© BR

Rund 150.000 bis 200.000 Euro kosten Luxus-Camper in dieser Größenordnung.

© BR

Vor drei Jahren haben sich Dieter und Petra Schulten damit ihren großen Traum erfüllt.

Camping-Komfort im Kastenwagen

Christoph Handke zeigt eines der letzten Modelle, die er noch auf dem Hof hat. Es ist ein Kastenwagen, sechs Meter lang, ein sogenannter "Querschläfer" für zwei Personen. "Schön handlich zu fahren, wenn man zu zweit unterwegs ist", sagt Handke. Zwar kein extravaganter Luxus, aber mit Dusche, mit Warmwasseraufbereitung, Toilette, Herd und Sitzecke ist trotzdem für Camping-Komfort gesorgt: "Es ist sozusagen das Haus auf Rädern", bemerkt Handke.

Um die 50.000 Euro kostet so ein Kastenwagen normalerweise. Wer sich langsam ans Camping mit dem Wohnmobil herantasten möchte, kann den Camper-Van auch tageweise für rund 100 Euro mieten. Wohnmobile sind längst nichts mehr nur für die ältere Generation. Auch jüngere Menschen setzen vermehrt auf den Urlaub im mobilen Eigenheim.

© BR
Bildrechte: BR

Während das Hotel- und Gaststättengewerbe stark unter dem monatelangen Lockdown gelitten hat, hat die Wohnmobil-Branche von der Corona-Krise sogar profitiert. Warum ist Camping so beliebt? Zu Besuch auf Campingplätzen.

Wohnmobile auch bei Jüngeren beliebt

Familienvater Alexander Fischer probiert es diesen Sommer mal aus und ist mit seiner Frau Petra Fischer und den beiden Kindern, zwei und sechs Jahre alt, zum ersten Mal mit dem Wohnmobil, einem Mietwagen, unterwegs. Sie machen Rast auf einem Campingplatz in Regensburg, direkt an der Donau.

Mit der Familie im Gepäck kann das schon mal zur Herausforderung werden. "Es macht Spaß, aber man kommt streckenweise an seine Grenzen. Die weiten Strecken, die Kinder quengeln. Aber das Ergebnis, das entschädigt dann", findet Alexander Fischer. "Dass man in der freien Natur überall seinen Camper einfach hinstellt und sofort da ist. Und das ist schön."

Augen auf bei der Wohnmobil-Buchung

Zelt und Isomatte kommen beim Urlaub mit dem Wohnmobil nur noch im Notfall zum Einsatz, zum Beispiel, wenn bei der Buchung des Miet-Campers mal nicht alles glatt läuft.

"Es fehlte ein Schlafplatz", beschreibt Alexander Fischer das Missgeschick. "Im Internet war dieses Wohnmobil mit vier Schlafplätzen angepriesen. Und schlussendlich war es aber ein etwas anderes Modell. Jetzt muss einer immer im Zelt schlafen und der andere mit den Kindern im schönen, warmen Wohnmobil."

💡 Urlaub mit dem Wohnmobil - das müssen Sie beachten

Wer welches Wohnmobil fahren darf, hängt von der Führerscheinklasse und dem jeweiligen Gewicht des Wohnmobils ab. Zunächst reicht dafür ein Pkw-Führerschein der Klasse B aus. Übersteigt die Gesamtmasse des Wohnmobils 3,5 Tonnen, brauchen Camper in der Regel einen Lkw-Führerschein der Klasse C1 und dürfen damit Wohnmobile bis zu einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen fahren. Die Gesamtmasse errechnet sich aus dem Leergewicht des Fahrzeugs und der Ladung. Ähnlich sieht es aus mit Wohnanhängern. Zugfahrzeug und Wohnanhänger dürfen eine Gesamtmasse von 3,5 Tonnen nicht überschreiten, sonst reicht ein normaler Pkw-Führerschein nicht mehr und ein Anhängerführerschein (BE) ist notwendig. Zu beachten gilt außerdem, dass das Zugfahrzeug immer schwerer sein muss als der Wohnanhänger. Wer mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen unterwegs ist, darf sein Gespann in Deutschland nur an ausgewiesenen Stellplätzen, meist auf Campingplätzen, abstellen. Eine Übernachtung auf einem Parkplatz ist in der Regel jedoch in Ordnung. Zu beachten gilt hier, dass aber weder Stühle noch die Markise des Gefährts benutzt werden dürfen, also kein "Camping“ betrieben werden darf.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!