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Nach dem Thementag: Was BR-Nutzer zum Thema Wohnen sagen | BR24

© dpa

Symbolbild: Wohnsiedlung "Habität 67" in Montreal, Kanada

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    Nach dem Thementag: Was BR-Nutzer zum Thema Wohnen sagen

    Muss der Staat mehr bauen? Wohneigentum fördern? Macht Aufstockung die Mieten in Ballungsräumen bezahlbarer - oder hilft am Ende nur die Angleichung der Lebensverhältnisse in Stadt und Land? Die Bilanz der Debatte zum BR-Thementag "Luxus 4 Wände".

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    >>> Die Diskussion geht weiter: Auf Facebook, Twitter oder hier in den Kommentaren.

    Für Klaus Dörr ist das Thema Wohnen längst "geklärt". Er hat sich - schreibt er auf Facebook - schon in jungen Jahren Gedanken gemacht und wohnt heute komfortabel in seinem Einfamilienhaus auf dem Land. Und das soll so bleiben, auch im Alter: "Den Rasen mäht bis dahin ein Rasenroboter und den Rest bewässert ein automatisches Bewässerungssystem."

    Für andere, die sich heute "in jungen Jahren" Gedanken machen, gilt das nicht. Nutzer Alexander K. schreibt ironisch, er hätte auch gern ein Haus mit Garten und Garage und noch manches andere, jedoch:

    "Hinauslaufen wird es auf eine Hochhauswohnung in einem Vorstadtwohnblock - so viele Gartengrundstücke gibt es nun auch wieder nicht." Alexander K. im Forum

    Auch in die Wartelisten für einen Platz in den kommunalen Not- und Zwischenunterkünften tragen sich inzwischen nicht mehr nur die Ärmsten der Gesellschaft ein.

    © Facebook-Screenshot: BR

    Facebook-Screenshot: BR

    Ein privates Problem Einzelner - da sind sich die meisten Nutzer einig - ist die Wohnungsfrage längst nicht mehr - eher eine von der Politik noch nicht entschärfte Zeitbombe für den sozialen Zusammenhalt.

    "Wenn das Wohnen in Zukunft zum Luxus wird, zerfällt zwangsläufig unsere Gesellschaft und unser gesamtes System. Erste Anzeichen haben wir heute schon. Sollte jetzt gegengesteuert werden..." Horsti im Forum

    Sorgenkind öffentlicher Wohnungsbau

    Als Hauptproblem machen viele Nutzer den Mangel an gefördertem Wohnraum aus, etwa den anhaltenden Stillstand beim Bau von Sozialwohnungen. Nutzer Argus A. rechnet im Forum vor, die Mieter von Sozialwohnungen hätten nach 20 Jahren oft mehr Miete bezahlt, als die Wohnung den Investor seinerzeit gekostet habe. Und dann ...

    "... ist die Sozialbindung ausgelaufen, der Mieter zahlt ab da Marktpreis. Ein kleverer Vermieter saniert ihn raus oder verkauft die Wohnung. Hätte der Staat das Darlehen, statt an den Investor an die junge Familie vergeben, säße sie längst in einer Eigentumswohnung, deren Marktwert sich zudem vervielfacht hat." Argus A im Forum

    Seine Forderung: der Staat solle das Geld statt an Investoren lieber direkt an die Bürger zahlen.

    Rico Loos sieht auf Twitter das gleiche Problem, zieht aber den gegenteiligen Schluss: Wäre der Staat, statt nur auf einen ausgeglichenen Haushalt zu achten, selbst aktiv geworden und hätte mehr Wohnungen mit nachhaltig fairen Mietpreisen gebaut, "wäre das Auskommen der Menschen auch besser."

    "Ein Haus muss nicht für die Ewigkeit halten"

    Viele NutzerInnen auf BR24, Facebook und Twitter kommen zum Ergebnis, dass das Baurecht vereinfacht, reformiert oder auch nur kreativer angewandt werden sollte.

    © Screenshot: BR

    Screenshot: BR

    Mehrere Beiträge stören sich an der restriktiven Handhabung neuer Wohnformen wie etwa Tiny Houses. Bei diesen kann sich Thorsten_Thane bei entsprechenden Voraussetzungen (Anschlüsse für Wasser/Abwasser und Strom) ein Stellrecht auch auf "Nicht-Bauland" vorstellen.

    "Somit kann Wohnraum, sogar Wohneigentum geschaffen werden, ohne weiteren Boden zu versiegeln. Mögliche Flächen wären Kleingärten, Siedlungsrandgebiete, private Gärten, Campingplätze, Brachen in der Landwirtschaft. Zudem können innerstädtische Brachflächen, die teilweise jahrelang leer stehen, sinnvoll zwischengenutzt werden. " Thorsten_Thane im Forum

    Wird zuviel reguliert?

    Rainer Hausler thematisiert auf Facebook die vielen Auflagen für Bauherren etwa für Wärmedämmung, die nur der Industrie etwas brächten, das Bauen aber unmäßig verteuern würden.

    Andere Nutzer verteidigen die staatlichen Vorgaben.

    © Facebook-Screenshot: BR

    Facebook-Screenshot: BR

    Hoch hinaus, wenn's unten eng wird?

    Alexander Schwab, Landesgeschäftsführer der Vereinigung freischaffender Architekten Bayern, plädiert hingegen dafür, größere Dichte in den Städten zuzulassen und zu fördern. In seiner Zuschrift bezieht er sich auf unser Interview mit dem bayerischen Wohnungsbauminister Hans Reichhart (CSU) zum Thema Dachausbau und berichtet über die restriktive Haltung vieler Kommunen, die das Bauen in die Höhe mithilfe von Regelungen des Abstandsflächenrechts und KfZ-Stellplatzsatzung erschweren.

    "Kommunalpolitiker werden nun einmal nicht von denen gewählt, die zuziehen wollen, sondern von denen, die schon da sind – und die wollen keine Nachverdichtung! Deshalb stellt sich die grundsätzliche Frage, ob der Planungshoheit der Gemeinden, die nach wie vor eine „heilige Kuh“ zu sein scheint, nicht gewisse Grenzen im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gesetzt werden müsste." Alexander Schwab, Mailzuschrift

    "Je mehr Menschen, desto knapper der Boden"

    Einigen Diskutanten ist die Debatte um Wohnungsbauförderung und Baurecht zu kleinteilig. Sie sehen die Hauptaufgabe der Politik darin, für einen Ausgleich der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land zu sorgen, um den Zuzug in die Ballungsräume zu reduzieren.

    © Screenshot: BR

    Screenshot: BR

    "Je mehr Zuzug, desto mehr Menschen pro Quadratkilometer, desto knapper der Boden, desto knapper der Wohnraum, desto höher der Preis. München ist mit 4700 Einwohner pro Quadratkilometer die am dichtesten besiedelte Stadt Deutschlands. Jetzt schon." Rispetto im Forum

    Der Markt alleine, ist nicht nur Nutzer Farbenblind überzeugt, wird das nicht richten.

    "Man lernt schon im Grundkurs VWL/BWL, dass die Gesetze des Marktes für limitierte Güter (dazu gehört nunmal auch Grund und Boden) langfristig nicht funktionieren können. "

    Farbenblind schlägt Anreizprogramme für Rentner vor, um aus der Stadt aufs Land zu ziehen. Klenze fordert die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus den Ballungsräumen. Und Nutzer fraenki fordert, dass Firmen, die sich im Ballungsraum ansiedeln wollen, ihren Beschäftigten angemessenen Wohnraum zur Verfügung stellen sollten.

    "Früher wurden da Werkswohnungen gebaut - Krupp, Siemens, Bosch, etc." Schorsch Hh

    Nach BR-Bericht: Neues Gesetz für günstigere Werkswohnungen

    Das könnte sich demnächst steuerlich wieder besser rechnen. Der Bayerische Rundfunk hatte im November vergangenen Jahres über den Fall der Barmherzigen Schwestern berichtet, die die Mieten für ihre Münchner Mitarbeiterwohnungen erhöhten, weil diese unter dem Mietspiegel lagen und das Finanzamt darin einen "geldwerten Vorteil" sahen.

    Jetzt bessert der Gesetzgeber nach: Ab 2020 ist bei Mitarbeiterwohnungen ein Bewertungsabschlag von einem Drittel auf die ortsübliche Miete zulässig. Der Vermieter könnte den Quadratmeterpreis bei einem Mietspiegel-Wert von 12 Euro also auf acht Euro absenken, ohne dass dabei ein geldwerter Vorteil geltend gemacht wird.

    Die große Lösung ist das allerdings noch nicht: Private Vermieter, die ihren Mietern ein günstiges Wohnen unterhalb des ortsüblichen Durchschnitts ermöglichen wollen, haben auch weiterhin das Nachsehen.