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Wohnen in Corona-Zeiten: Lust aufs Land | BR24

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Corona-Trend: Wohnen auf dem Land

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Wohnen in Corona-Zeiten: Lust aufs Land

Die Nachfrage nach Homeoffice-fähigen Immobilien auf dem Land ist seit März stark gestiegen. Es scheint, als würde das Thema "Arbeiten zu Hause" jetzt auch darüber entscheiden, wie und wo wir in Zukunft wohnen. Deutet sich eine Stadtflucht an?

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Die neue Lust aufs Land macht sich auch in Murnau bemerkbar. Hier im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat die Nachfrage nach Immobilien in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Laut dem Internetportal Immobilienscout24 sind die Kontaktanfragen auf Inserate im Zeitraum Mitte März bis Mitte Juni um 25 bis 50 Prozent gestiegen - und zwar sowohl bei Kauf- als auch bei Miet-Objekten. Immobilien-Experten sind der Meinung: Die Ursache hierfür sei die Corona-Pandemie.

Maklerin Kathrin Heimstädt vermittelt seit zwölf Jahren Immobilien in und um Murnau. Auch sie stellt fest: der Immobilienmarkt hat sich seit März verändert.

"Es ist ganz klar zu erkennen, dass seit Corona die Anfragen - auch tatsächlich gerade, was die Häuser-Immobilien angeht, und auch ganz speziell die Anfragen aus München - einfach so extrem zugenommen haben." Kathrin Heimstädt, Immobilienmaklerin

Dieser Trend lässt sich nach Ansicht von Kathrin Heimstädt nicht leugnen. Viele Familien würden jetzt die Einschränkungen zu spüren bekommen und merken, "dass das hier draußen alles ein bisschen entspannter ist".

Arbeitszimmer als Auswahlkriterium

Und der Maklerin fällt auf: Vielen Interessenten aus der Stadt ist ein Arbeitszimmer in der neuen Immobilie wichtig.

"Früher war es wahrscheinlich so, dass man sich seinen Wohnort einfach nach dem Arbeitsort ausgesucht hat. Durch die Homeoffice-Option wird das jetzt auf einmal obsolet." Kathrin Heimstädt, Immobilienmaklerin

Wenn Menschen zu Hause arbeiten können, so Heimstädt, "möchten sie vielleicht da wohnen, wo sie es schön finden - unabhängig vom Ort des Arbeitgebers". Viele Interessenten hätten in den vergangenen Monaten nach einem Arbeitszimmer nachgefragt und danach, wie die Internetverbindung ist. In den vergangenen Monaten sei das "ganz extrem" gewesen.

Kann man schon von Stadtflucht sprechen?

Stärker nachgefragt seien seit der Corona-Pandemie auch Immobilien mit Balkon, Terrasse und Garten, bestätigt Stephan Kippes, der das Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes Deutschland (ivd) leitet. Ob es seiner Ansicht nach schon eine Stadt-Flucht gibt?

"Von einer Stadtflucht zu sprechen, das wäre mir ein Tick zu deutlich, sondern was man sagen kann, es ist eine gewisse Verlagerung. Die Leute suchen speziell draußen, das kann man unterschreiben. Allerdings geht es erst allmählich los. Der Immobilienmarkt ist träge." Stephan Kippes, ivd Immobilienverband Deutschland

Schnelles Internet als Bedingung

Regionen, in denen Mieten und Kaufpreise teilweise niedriger sind als in Ballungsräumen, könnten vom Trend sogar profitieren, sagt Stephan Kippes. Allerdings:

"Das Homeoffice funktioniert nur, wenn letztendlich auch die Internetverbindung schnell genug sind. Und da muss man sagen, schaut es in einigen ländlichen Bereichen schaurig aus." Stephan Kippes, Leiter Marktforschungsinstitut ivd

Kippes kritisiert, dass gerade in vielen ländlichen Regionen, die es eigentlich dringend brauchen würden, die Minimalversorgung mit einem schnellen Internet nicht gegeben sei.

Nachfrage in ohnehin schon nachgefragten Gegenden

Hingegen in sowieso schon stark nachgefragten Regionen wie dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen verknappt sich der Wohnraum durch die gestiegene Nachfrage weiter, sagt Kathrin Heimstädt.

Die neue Lust aufs Land. Derzeit strapaziert sie den Wohnungsmarkt weiter. Eine Lösung wäre sie hingegen nur, wenn ganz Bayern strukturell gleich attraktiv wäre.

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Die neuen Möglichkeiten der Heim-Arbeit bestimmen schon die Arbeitswelt vieler Menschen. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Denn die Nachfrage nach Homeoffice-fähigen Immobilien auf dem Land ist gewachsen.

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