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Wohin mit den Rindern, wenn der Schlachthof wegen Corona zu hat? | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/agrar-press

Viele Schlachthöfe müssen wegen Corona-Ausbrüchen zeitweilig schließen - die Bauern können ihre Tiere dadurch nur noch schlecht verkaufen. Zudem verfallen die Preise wegen geschlossener Restaurants.

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Wohin mit den Rindern, wenn der Schlachthof wegen Corona zu hat?

Immer wieder kommt es zu Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen. Erst wurden deshalb weniger Schweine geschlachtet - nun scheint es, als ob die Bauern auch ihre Rinder kaum mehr verkaufen können. Preisverfall und Platzprobleme machen ihnen zu schaffen.

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Von
  • Barbara Fuß

Milchbäuerin Marianne Stelzle aus Günzburg füttert mit ihrem vierjährigen Enkel die Kühe im Stall. Sie macht sich Sorgen, ob nach dem "Schweine-Stau" jetzt auch noch ein "Rinder-Stau" kommt: "Wir haben jetzt auf unserem Hof erlebt, dass wir das erste Mal Kühe nicht so vermarkten konnten, coronabedingt mit dem Ulmer Schlachthof, wie wir eigentlich wollten."

Viele Schlachthöfe müssen wegen Corona-Ausbrüchen schließen

70 Milchkühe stehen in ihrem Stall. Um Platz für den Nachwuchs zu schaffen, wollte sie zwei ihrer älteren Tiere verkaufen. Doch sie bekam die Tiere nicht los. Geschäftsführer Stephan Lange vom "Ulmer Fleisch", einem der größten Rinderschlachthöfe der Region, hatte kurzzeitig wegen Corona schließen müssen: "Wir hatten ein Infektionsgeschehen in der Rinderschlachtung und da haben wir die Arbeit für zehn Tage kurzfristig ruhen lassen, damit die Leute, die infiziert waren, wieder gesund zur Arbeit kommen konnten".

Umverteilung der Tiere klappt nur bedingt

Anton Mändle, der die Schlachttiere von Marianne Stelzle vermarktet, will sie zum Schlachthof in Kempten bringen; doch auch hier geht nichts. Durch die Schließung in Ulm müssen kurzfristig Tausende Tiere umverteilt werden auf andere Schlachtbetriebe. Nur: Auch die seien bereits voll ausgelastet, so Mändle, und "warteten jetzt nicht, weil der Ulmer jetzt 3.000 übrig hat, dass sie 3.000 mehr schlachten können".

Nach Ulm musste auch der Schlachthof Furth im Wald des Vion-Konzerns zeitweise wegen Corona schließen. Sowohl dort als auch in Ulm laufe der Betrieb wieder, sagt Stephan Lange von "Ulmer Fleisch". Es sei schon so, dass Marktpartner mit der gleichen Situation zu kämpfen hätten. Bei mehreren Stilllegungen könne das auch überregionale Folgen haben, räumt er ein. Dennoch sei das kein Grund zur Panik; es gehe nur um einen bestimmten Zeitraum.

Ältere Rinder bringen weniger Geld

Doch für Bullenmäster, die ihre Rinder sozusagen mit einem Idealgewicht zur Schlachtung bringen müssen, könnten bereits einige Wochen mehr im Stall Folgen haben, mahnt Anton Mändle aus Sicht der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben. Bei Tieren, die mit 18 oder 20 Monaten zum Absatz kämen, könnten zwei Wochen mehr schon bedeuten, dass sie über der Altersgrenze sind und weniger Geld bringen. "Die Tiere die wachsen, die werden schwerer. Die sind dann eigentlich auch nicht mehr zu vermarkten".

In der Nacht kam auf Marianne Stelzles Hof ein neues Kälbchen zur Welt. Alle Boxen sind belegt. Könnten die Bullenmäster nicht bald ihre Bullen schlachten, könnten sie auch keine Kälber einstallen - die Kälber blieben dann bei ihnen stehen, erklärt Marianne Stelzle.

Geschlossene Restaurants lassen Preise in den Keller fallen

Und neben dem Platzproblem kommt dann noch hinzu, dass Rindfleisch wegen der Schließung der Gastronomie derzeit ohnehin weniger gefragt ist. Der Preis für Kälber sinkt. Rund ein Viertel weniger bekommt Marianne Stelzle fürs Kilo Lebendgewicht: "Letztes Jahr waren wir so bei 5,20 Euro bei einem 80 Kilo Kalb und letzte Woche waren wir bei 3,80 Euro. Da musst Du dich dann eigentlich fragen, ob es das Kalb eigentlich wert ist."

Wie die Gastronomen hofft die Milchbäuerin jetzt auf ein schnelles Ende des Teil-Lockdowns.

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