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Wohin mit den Kampfhunden in Bayerns Tierheimen? | BR24

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In denTierheimen werden immer mehr Kampfhunde abgegeben, sie machen bereits zehn Prozent der Tiere aus. Ein Grund: Bayern hat Deutschlands strengste Kampfhundeverordnung mit der umstrittenen Liste 1,die das Halten einiger Rassen quasi verbietet.

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Wohin mit den Kampfhunden in Bayerns Tierheimen?

Bayerische Tierheime klagen darüber, dass sie immer mehr Kampfhunde aufnehmen müssen. Sie fordern das Innenministerium auf, das De-facto-Verbot von Kampfhunden zu lockern. Doch das Ministerium zeigt sich unnachgiebig.

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Der Gedanke an Kampfhunde löst bei vielen Angst und Schrecken aus. Denn immer wieder fallen Hunde Menschen an. Nach mehreren tödlichen Angriffen hat Bayern 1992 eine Kampfhundeverordnung eingeführt, in der 19 Hunderassen aufgelistet sind. Fünf dieser Rassen werden generell als Kampfhund eingestuft, bei 14 weiteren wird die Kampfhund-Eigenschaft angenommen, es sei denn, der Halter kann beweisen, dass die Hunde nicht aggressiv sind.

Wer einen solchen "Listenhund" halten will, braucht dazu die Erlaubnis der Gemeinde, in der er seinen Wohnsitz angemeldet hat. Eine solche Erlaubnis wird jedoch nur in Ausnahmefällen erteilt. Deswegen kann man in Bayern von einem De-facto-Verbot für Kampfhunde sprechen.

Immer mehr beschlagnahmte Kampfhunde landen im Tierheim

Die Behörden beschlagnahmen Kampfhunde, deren Halter nicht die nötige Erlaubnis dazu haben. Die beschlagnahmten Hunde landen dann im Tierheim - und die Zahl der Fälle steigt. Der Vorstand des Münchner Tierheims, Claus Reichinger, und sein Team betreuen momentan zwölf Kampfhunde, das sind in etwa zehn Prozent der Hunde dort.

Während ein normaler Hund zwei bis drei Monate im Tierheim bleibt, leben die Kampfhunde etwa ein halbes Jahr dort, weil sie so schwer zu vermitteln sind. Jetzt wissen sie nicht mehr wohin mit den Tieren und fordern ein Eingreifen der Politik.

"Das Problem ist, dass die Anzahl der Beschlagnahmungen und die Hunde, die hier eintreffen, immer mehr werden. Und der Trend ist bundesweit eigentlich so, dass die Tierheime voll sind von diesen Rassen und die Bundesländer eigentlich auch nicht mehr wollen, dass wir von Bayern aus diese Hunde vermitteln." Claus Reichinger, Vorstand des Münchner Tierheims.
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Seit 1992 hat Bayern ein strenges Kampfhunde-Gesetz. Besonders aggressive Rassen sind so gut wie verboten. Trotzdem klagen Tierheime vor allem in den Städten darüber, dass viele solche Hunde bei ihnen landen. Warum ist das so?

Münchner Tierheim fordert Lockerung der Kampfhund-Verordnung

Reichinger fordert deshalb, dass die fünf verbotenen Rassen doch wieder zugelassen werden, damit Kampfhunde – wenn auch unter strengen Auflagen – wieder gehalten werden können.

Hildegard Jung, Hundesachverständige beim Bezirk Oberbayern, erstellt Gutachten über sogenannte Listenhunde. Auch sie findet, die fünf verbotenen Rassen aus der Kampfhund-Kategorie 1 (sogenannte "Einser-Hunde") sollten mit strengen Auflagen legalisiert werden.

"Was die Einser-Hunde anbelangt, würden wir Hundesachverständige eine andere Regelung bevorzugen und schreiben auch regelmäßig das Innenministerium deswegen an. Dass wir für die Einser-Hunde eben auch die Genehmigungsmöglichkeit vorziehen würden." Hildegard Jung, Hundesachverständige

Kampfhunde entstehen auch durch illegale Züchtungen

Hundegutachterin Jung sieht den Ursprung des Problems in den Tierheimen eher in illegalen Züchtungen. Hundehalter verkaufen Welpen unter falschen Rassenangaben auf der Straße oder aus dem Auto. Viele der verbotenen Hunde werden auch aus osteuropäischen Ländern importiert. Jung warnt vor Blind-Käufen: Kampfhunde hätten viel Energie und bräuchten eine konsequente Erziehung. Deshalb ist auch die Hundegutachterin grundsätzlich für strenge Regeln für Hunde und Halter:

"Es sind sehr dynamische Hunde, es sind keine Anfängerhunde. Es sind keine Hunde, die ich für Hundeunerfahrene empfehlen würde und deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass man da ein Auge draufhält." Hildegard Jung, Hundesachverständige

Hunde werden teils ins Ausland vermittelt

Auch auf dem Land stranden Kampfhunde in Heimen, wenn auch weniger als in Städten. Im Rosenheimer Tierheim ist das immer wieder der Fall. Hier helfen sich die Tierpfleger damit, die Kampfhunde nach Österreich zu vermitteln. Aktuell leben dort ein Pitbullwelpe und ein Rottweiler, den die Pfleger "Kampfschmuser" nennen. Mehrkosten für diese Hunde kommen lediglich durch ihren deutlich längeren Aufenthalt im Heim zustande.

Das Tierheim Erlangen schrieb im September einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder. Darin wird die bayerische Verordnung kritisiert und eine Gesetzesänderung gefordert.

Innenministerium will Schutz der Bevölkerung nicht aufweichen

Das bayerische Innenministerium hat trotz aller Forderungen einen klaren Standpunkt. Die fünf verbotenen Rassen sind eine Gefahr und müssen runter von der Straße, sagt Pressesprecher Oliver Platzer:

"Für uns ist nach wie vor der Schutz der Bevölkerung das Wichtigste und deswegen müssen wir in Kauf nehmen, dass die Tierheime entsprechend überfüllt sind. Das ist durchaus ein Problem, das wir sehen, aber wir können deswegen nicht die Verordnung aufweichen und damit auf den Schutz der Bevölkerung ein Stück weit verzichten." Oliver Platzer, Bayerisches Innenministerium
© picture-alliance/dpa/Franz-Peter Tschauner

American Pitbull-Terrier

Fünf Rassen werden in Bayern als Kampfhund eingestuft

Nach der Bayerischen Kampfhundeverordnung gelten folgende Hunderassen generell als Kampfhund (Kategorie 1):

  • American Pitbull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Staffordshire Bullterrier
  • Tosa - Inu
  • Bandog

Auch Hunde, die aus Kreuzungen mit diesen Rassen entstehen, gelten als Kampfhunde.

Bei 14 weiteren Rassen (Kategorie 2) wird die Kampfhund-Eigenschaft angenommen, es sei denn, der Halter kann beweisen, dass die Hunde nicht aggressiv sind.

Diese Punkte muss ein Kampfhundehalter erfüllen

Wer einen Hund von dieser 19 Rassen umfassenden Liste haben möchte, braucht eine Haltererlaubnis. Dabei muss der potenzielle Halter folgende Kriterien erfüllen:

  • Der Halter muss zuverlässig sein (Vorlage eines Führungszeugnisses)
  • Der Hund darf keine Gefahr für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz darstellen (bestandener Wesenstest)
  • Nachweis über ein berechtigtes Interesse zum Halten eines Kampfhundes der Kategorie 1 wie zum Beispiel die "Bewachung eines gefährdeten Besitztums" - an diesem Punkt scheitert in der Regel die Erlaubnis für einen Kampfhund.
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Mittags in Oberbayern

Von
  • Maren Breitling
  • Veronika Macher
  • Matthias Lauer
  • Bernd Oswald
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