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Wohin mit den Ferkeln? Züchter schlagen Alarm | BR24

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Auch wenn in Bayern der Schlachtbetrieb normal läuft, sind die Auswirkungen des Tönnies-Falls noch immer spürbar. Ferkelerzeuger schlagen Alarm, denn sie kriegen ihre Ferkel nicht mehr los. Es wird zu wenig geschlachtet, der Markt ist angespannt.

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Wohin mit den Ferkeln? Züchter schlagen Alarm

Derzeit werden in Deutschland weniger Schweine geschlachtet. Das liegt an Coronafällen in Schlachthöfen - und an der Afrikanischen Schweinepest. Unter der besorgniserregenden Entwicklung leiden auch die bayerischen Ferkel-Erzeuger.

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In bayerischen Schweineställen kommt es zunehmend zu einem "Ferkelstau". Ursache dafür sind coronabedingte Personalengpässe in vielen deutschen Schlachthöfen. Auch wenn der Schlachtbetrieb in Bayern derzeit noch normal laufe, wie der Großschlachter Vion auf Nachfrage des BR mitteilte.

Doch die Ausfälle in norddeutschen Betrieben, die immer weniger Mastschweine schlachten, werden in Bayern vor allem für die Ferkelerzeuger zu einem immer größeren Problem. Das teilte die Ringgemeinschaft Bayern mit, der auch viele Ferkelerzeuger angehören.

Mäster können nicht mehr alle Ferkel abgeben

Demnach werden derzeit etwa zehn bis 20 Prozent der Ferkel auf bayerischen Höfen nicht mehr vom Mäster abgeholt. Besonders fatal dabei: Während auf der einen Seite Ferkel nicht an Mastbetriebe abfließen, bekommen trächtige Muttersauen schon die nächsten Ferkel. In der Folge wird es in den Ställen zunehmend eng. Somit komme auch ein Tierschutzproblem auf die Betriebe zu, wenn kein Ventil gefunden werde, heißt es aus Branchenkreisen.

"Mehr als katastrophal" sei diese Situation, sagt der Vorsitzende der Ringgemeinschaft Bayern, Stephan Neher, das Problem verschärfe sich von Woche zu Woche. Hinzu kommt, dass Hauptimporteur China wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg aktuell kein deutsches Schweinefleisch mehr abnimmt.

Ferkelpreise sinken auf ein Drittel

All das verunsichere den Schweinefleischmarkt in Deutschland massiv, sagt Neher. Als Folge sind die Ferkelpreise inzwischen drastisch gesunken, auf aktuell rund 33 Euro pro Tier. Vor Corona waren sie fast dreimal so hoch, die Branche boomte.

Bauernverband fordert Wochenendarbeit auf Schlachthöfen

Um den überquellenden Markt zu entlasten, hat der Bayerische Bauernverband die bayerische Staatsregierung aufgefordert, Schlachtzeiten zu verlängern und auch an Wochenenden Schweine schlachten zu lassen. Das Arbeitsministerium in Nordrhein-Westfalen hat derartige Ausnahmegenehmigungen bereits erteilt.

Keine verlängerten Schlachtzeiten in Sicht

Das zuständige bayerische Arbeitsministerium ließ allerdings auf BR-Anfrage mitteilen, dass entsprechende Anträge hierzulande nicht vorlägen. Wirtschaftliche Interessen begründeten eine Ausweitung der Schlachtzeiten nicht, es müsse erst "ein dringendes, öffentliches Interesse" vorliegen. Im Vordergrund stehe der Schutz der Arbeitnehmer. Entlastung für die bayerischen Ferkelerzeuger ist damit vorerst nicht in Sicht.

© BR/Rebecca Reinhard

Deutschlandweit werden wegen Coronafällen in Schlachthöfen weniger Schweine geschlachtet. Das bekommen auch bayerische Ferkelerzeuger zu spüren. Die schlagen nun Alarm. Denn auch die Schweinepest trägt zur besorgniserregenden Entwicklung bei.

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