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Wohin mit dem Klärschlamm? Probleme für Bayerns Kommunen | BR24

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Die Straubinger Kläranlage

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    Wohin mit dem Klärschlamm? Probleme für Bayerns Kommunen

    Wenn in Kläranlagen Abwasser gereinigt wird, bleibt Klärschlamm übrig. Früher wurde dieser auf Feldern ausgebracht - als geschätzter Dünger. Wegen Umweltbelastung ist das heutzutage nur begrenzt möglich. Doch wohin mit dem Klärschlamm der Kommunen?

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    Vor einem Wall aus brauner Masse steht Jürgen Pettrak, Mitarbeiter der Straubinger Kläranlage. Es ist Klärschlamm, sieht eigentlich aus wie ganz normale Erde. 4.000 Tonnen lagern hier zwischen den Klärbecken. Da gehören sie eigentlich gar nicht hin.

    "Ich hab den Boden dieser Fläche seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, hier wuchern mehrere Pflanzen, man sieht es hat sich ein schönes Biotop entwickelt, aber das ist nicht wünschenswert. Es ist aus der Not entstanden." Jürgen Pettrak, Straubinger Entwässerung und Reinigung

    Verbrennungsanlage in Neu-Ulm mehr als ausgelastet

    Überall klagen Kommunen darüber, dass sie nicht wissen, wohin mit dem Klärschlamm? Einige denken jetzt über eigene Verbrennungsanlagen nach.

    Neu-Ulm hat den Schritt schon vor langer Zeit gemacht: Das Klärwerk Steinhäule betreibt eine solche Verbrennungsanlage. Diese ist mehr als ausgelastet, sagt Betriebsleiter Erwin Schäfer. Mittlerweile führen die Neu-Ulmer sogar eine Warteliste für andere Kommunen, die dort ebenfalls ihren Klärschlamm verbrennen wollen.

    "Momentan ist die Nachfrage einfach größer als das Angebot an Anlagen. Die Kapazität liegt bei 100 Prozent, die Nachfrage bei 130 Prozent." Erwin Schäfer, Betriebsleiter Zweckverband Steinhäule Neu-Ulm

    Pläne für Monoverbrennungsanlage in Straubing

    Auch in Straubing gibt es Pläne, eine solche Verbrennungsanlage zu bauen. Doch nicht alle Bürger sind begeistert. Der Grund: Sie soll sehr groß werden, eine Kapazität für 120.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr haben. Die Straubinger Anlage hätte dann einen Einzugsbereich von bis zu 150 Kilometern, viele Kommunen könnten ihren Klärschlamm in Straubing "abladen". Markus Pannermayr, Oberbürgermeister von Straubing, verteidigt die geplante Größe.

    "Wir haben eine Ökobilanzbetrachtung angestellt, wie eine Anlage mit 120.000 Tonnen [pro Jahr] im Vergleich zu elf, zwölf Anlagen einer Größenordnung von 10.000 Tonnen zu bewerten ist. In dieser Bewertung kommt deutlich zum Ausdruck, dass eine größere Anlage viel besser ist. Das liegt im Wesentlichen daran, dass es mit einer großen Anlage ab einer gewissen Größenordnung auch möglich ist, Energie zu produzieren." Markus Pannermayr, CSU, Oberbürgermeister Straubing

    Bürger dürfen über Anlage entscheiden

    Außerdem könnte man laut Oberbürgermeister Pannermayr mit einer großen Anlage am besten Phospor aus dem Klärschlamm rückgewinnen. Das ist ein wertvoller Rohstoff und dessen Rückgewinnung ist gesetzlich gewollt.

    Die Kritiker fürchten allerdings, dass es bei wenigen großen Anlagen zu viel LKW-Verkehr und damit verbunden zu einem hohen CO2-Ausstoß kommt. Am 26. Mai dürfen die Straubinger in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob sie so eine große Anlage wollen - oder nicht.