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Wölfe in Bayern: Der schwierige Umgang mit dem Wildtier | BR24

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Immer häufiger werden Wölfe gesichtet - auch im Bayerischen Wald. Dort leben seit einigen Jahren zwei Wolfsrudel. Für die einen faszinierend, wie sich dieses scheue Wildtier seine Heimat zurück erobert, für die anderen Anlass zu Furcht und Sorge.

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Wölfe in Bayern: Der schwierige Umgang mit dem Wildtier

Immer häufiger werden Wölfe gesichtet - auch im Bayerischen Wald. Dort leben seit einigen Jahren zwei Wolfsrudel. Für die einen faszinierend, wie sich dieses scheue Wildtier seine Heimat zurück erobert, für die anderen Anlass zu Furcht und Sorge.

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Erst vor ein paar Tagen: großer Aufruhr im Landkreis Freising. Dort hat nachweislich ein Wolf Damwild gerissen. Protestaktionen gegen den Wolf gibt es überall in Bayern. Unverständlich für Dr. Marco Heurich, Wildtierexperte im Nationalpark Bayerischer Wald. Denn der Umgang mit dem Wolf sei nicht nur möglich, sondern aus artenschutz- und naturschutzrechtlichen Gründen sogar sinnvoll.

Über 100 Wolfsrudel leben in Deutschland

Dr. Marco Heurich gehört zu den führenden Wildtier- und Waldökologen Europas. Im Nationalpark Bayerischer Wald leitet er die Erforschung heimischer Wildtiere und überwacht zusammen mit dem angrenzenden tschechischen Nationalpark Šumava das Monitoring von Wölfen und Luchsen.

Seit dem Jahr 2000 gilt der Wolf wieder heimisch in Deutschland. Über 100 Rudel leben verteilt im gesamten Bundesgebiet. Und seit über fünf Jahren streifen zwei wilde Wolfsfamilien durch den Nationalpark Bayerischer Wald - ohne mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Dennoch gibt es auch in Niederbayern immer wieder Proteste gegen die scheinbar friedlichen Waldbewohner.

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Dr. Marco Heurich, Wildtier- und Waldökologe im Nationalpark Bayerischer Wald

Seit 150 Jahren keine Wolfsangriffe auf den Menschen

Daher versteht Dr. Marco Heurich die Aufregung nicht, denn Wölfe seien überaus scheu und würden den Menschen viel mehr fürchten als andersherum.

"Es ist nie ein Mensch angefallen worden, es ist nie jemand verletzt worden. Auch aggressives Verhalten gegenüber dem Mensch hat man nicht gesehen." Dr. Marco Heurich, Wildtier- und Waldökologe im Nationalpark Bayerischer Wald

Seine Forschungen reichen zurück bis vor etwa 150 Jahren. Akribisch hat er alte Aufzeichnungen und Niederschriften untersucht - Wolfsangriffe auf Menschen? Fehlanzeige.

Um den Besucherinnen und Besuchern des Nationalparks die Angst zu nehmen, leben im Tierfreigelände Neuschönau im Kreis Freyung-Grafenau zwei Wölfinnen. Drei Mal die Woche kann man live bei der Fütterung dabei sein. Aber auch bei diesen Tieren merke man, obwohl sie menschlichen Kontakt kennen, wie zurückhaltend sie eigentlich sind.

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Dr. Marco Heurich und die BR-Reporterin Alexandra Rinschler im Nationalpark Bayerischer Wald

Echte Wildnis existiert nicht ohne Wolf

Wölfe hätten enormen Einfluss auf unser Ökosystem. Studien dazu gibt es mittlerweile weltweit: "Etwa im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark hat man festgestellt, dass sich der Wald durch den Wolf plötzlich wieder verjüngt. Baumarten, die vorher verbissen waren, wachsen wieder", denn der Wolf reguliere den Wildbestand. Der Wildtierexperte sieht dabei für den Nationalpark Bayerischer Wald eine große Herausforderung.

"Wir haben einen großen Bildungsauftrag. Es geht darum aufzuklären, wie sind die Wölfe wirklich." Dr. Marco Heurich, Wildtier- und Waldökologe im Nationalpark Bayerischer Wald

Dies könne man am besten selbst erleben, wenn man die Tiere einfach mal in Ruhe beobachtet und beispielsweise an einer Dämmerungsführung im Nationalpark teilnimmt, um die nachtaktiven Wildtiere hautnah zu sehen.

Wolfsmanagement heißt nicht Abschuss

Dr. Heurich und sein Team beraten daher auch den Freistaat in Sachen Wolfsmanagement. Denn natürlich komme es leider vor, dass ein Wolf auch mal ein Schaf reiße, so der Wolfsexperte. Schäfer und Bauern können aber Entschädigungsleistungen sowie Gelder für Zäune und Herdenschutztiere abrufen. Den Wolf zum Abschuss freizugeben, hält er für den falschen Weg.

Außerdem, so Dr. Marco Heurich, leben die meisten Wölfe im Norden und Nordosten Deutschlands. Bayern selbst habe kaum wilde Wölfe.

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