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Wochen ohne Regen: Landwirte machen sich Sorgen | BR24

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Viel Wind, wenig Regen: Oft kündigt dieses Wetterphänomen eine ausgeprägte Dürre an. Es wäre 2020 die dritte in Folge. Im April fielen nur drei Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Waldbesitzer und Landwirte sind aufs Höchste alarmiert.

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Wochen ohne Regen: Landwirte machen sich Sorgen

Fast kein Niederschlag im April - das macht Bauern in ganz Bayern zu schaffen. Viele Felder sind staubtrocken, die Aussaat ist schwierig. Wenn es so bleibt, müssen die Landwirte mit weniger Erträgen rechnen. Sie hoffen nun auf einen regnerischen Mai.

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Landwirt Stefan Dellinger aus Unering im Kreis Starnberg kennt den April eigentlich als verregneten Monat. 100 Liter pro Quadratmeter wären bei ihm normal. Doch in diesem Jahr fiel noch überhaupt kein Regen im April, und der Acker, auf dem er Rote Bete sät, staubt vor lauter Trockenheit. Aber Samen brauchen Wasser, um zu keimen. Noch ist Stefan Dellinger zuversichtlich, dass das in diesem Jahr noch klappen wird – weil der Boden in ein paar Zentimetern Tiefe noch Restfeuchte vom Winter hat.

Regen im Mai wäre wichtig

Den 14-Tage-Wettertrend beobachtet er trotzdem sehr genau. Für die nächsten Tage ist erstmal kein Niederschlag in Sicht. Dabei wäre die Mais-Aussaat jetzt eigentlich auch dran. Aber auf den Feldern, die er dafür vorbereitet hat, liegen trockene und harte Erdbrocken, fast wie Beton. Stefan Dellinger muss hier tiefer graben, um an feuchte Schichten zu gelangen. Doch so tief kann er den Mais nicht säen. Wenn es Anfang Mai regnen würde, wäre er mit der Saat noch rechtzeitig dran. Darauf hofft er.

Vor allem der Norden Bayerns ist von Trockenheit betroffen

Im Vergleich zur Lage anderer Landwirte in Bayern ist Stefan Dellingers Situation sogar noch gut – weil er im Süden Bayerns ist und seine lehmigen Tonböden die Feuchtigkeit relativ gut speichern können. Stärker betroffen sind Landwirte in großen Teilen Mittelfrankens und Unterfrankens sowie in Niederbayern und dem Norden von Schwaben und Oberbayern. Auf dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums sind diese Regionen bereits orange-rot gefärbt: Dort wird das für Pflanzen verfügbare Wasser knapp. Vielerorts werden Bauern deshalb unruhig. Mais, Sommergetreide, Zuckerrüben und Grünland für Tierfutter beispielsweise brauchen dringend Regen.

Vorhersagen sind schwierig

Bisher erinnert die stabile Wetterlage sehr an das Frühjahr 2018, in dem es trocken blieb. "Ob es in den nächsten Monaten eine ähnliche Entwicklung gibt wie 2018, oder ob wir vielleicht schon im Mai deutlich nassere Witterungen bekommen, das kann man im Moment nicht zuverlässig vorhersagen“, sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Auf den trockenen April kann also ebenso gut ein nasser wie auch ein trockener Mai folgen; das sei noch offen.

Sorgen vor einem erneuten Dürrejahr

Trotzdem wird die Gefahr eines weiteren Dürrejahres in Deutschland und Bayern realer. Zwar gab es im zurückliegenden Winter einigermaßen viel Regen. Die Situation habe sich dadurch aber nur scheinbar entspannt, sagt BR-Wetterexperte Michael Sachweh. Bereits jetzt führen 90 Prozent aller Flüsse in Bayern Niedrigwasser, es herrscht Waldbrandgefahr – und die Grundwasservorräte sind längst nicht voll aufgefüllt. Darum können Landwirte ihre Nutzpflanzen nur sparsam bewässern. Bleibt es also trocken, kann es Michael Sachweh zufolge durchaus Ertrags- und Qualitätseinbußen bis hin zu Ernteausfällen geben.

Diese Gefahr sieht auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie versicherte gestern in einem Videostatement, dass die Regierung die Situation auf den Feldern sehr intensiv beobachte. Man behalte die Entwicklung im Auge, um bei Bedarf reagieren zu können, denn "ein weiteres Dürrejahr würde viele Betriebe unglaublich hart treffen".

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Fast kein Niederschlag im April - das macht Bauern in ganz Bayern zu schaffen. Viele Felder sind staubtrocken, die Aussaat ist schwierig. Wenn es so bleibt, müssen die Landwirte mit weniger Erträgen rechnen. Sie hoffen nun auf einen regnerischen Mai.

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