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© pa/dpa/Armin Weigel

Die Synagoge in Straubing.

Am vergangenen Sonntag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die "Woche der Brüderlichkeit" im Nürnberger Staatstheater offiziell eröffnet. Seit mehr als 65 Jahren setzt die Aktion ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Woche ist darauf ausgerichtet, dass Christen und Juden in Freundschaft zusammen leben. Am Abend wird der ehemalige bayerische Staatsminister für Bildung, Ludwig Spaenle, im Rahmen der Aktion in Straubing die Festansprache halten.

Spaenle: "Kultur des Miteinanders"

Spaenle will als Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus für eine "Kultur des Miteinanders" plädieren. Wie der CSU-Politiker dem Bayerischen Rundfunk vorab sagte, sei es sein erster Amtsbesuch in Straubing. Er freue sich darauf, am Abend die Veranstaltung mitzugestalten.

"Die Zusammenarbeit zwischen christlichen und jüdischen Trägern ist etwas, was für die Gesamtgesellschaft von hoher Bedeutung ist, weil hier gezeigt wird, dass man sich auch über historisch schwierige und belastende Situationen hinweg die Hand reichen kann. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens, um Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land so leben zu lassen, wie sie das wollen. Dafür werbe ich." Ludwig Spaenle

Antisemitische Straftaten nehmen in Bayern zu

Vor der Festveranstaltung besucht der Beauftragte der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus die israelitische Kultusgemeinde Straubing. Spaenle will sich die Ideen, Sorgen und Probleme der Menschen vor Ort anhören und erfahren wie es ihnen geht.

Besonders alarmierend seien laut Spaenle die antisemitischen Straftaten, die auch im letzten Jahr in Bayern zugenommen hätten. Das geht auch aus den Daten des Bayerischen Landeskriminalamts hervor.

Meldestelle für Antisemitismus in Bayern ab April

Deswegen wird ab April eine Meldestelle für Antisemitismus in Bayern eingerichtet. Der Freistaat gibt jetzt Geld für die Meldestelle aus, die zunächst beim bayerischen Jugendring angesiedelt werden soll. Anna-Deborah Zisler vom Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Straubing setzt sich für diese Stelle ein. Es handle sich dabei nicht um eine ausführende Organisation, die Leute bestrafe. Telefonisch oder per Mail könnten Straftaten oder Vorfälle, die das persönliche Dasein gefährden oder beeinträchtigen, gemeldet werden.

"Vorfälle in Schulen sind beispielsweise Anlass genug, dass man sagt: Die Lehrer müssen geschult werden mit diesem Thema umzugehen. Die Meldestelle ist wichtig, denn dann weiß man, wo man ansetzen muss." Anna-Deborah Zisler

Richtig auf antisemitische Vorfälle reagieren

Für Zisler und die israelitische Kultusgemeinde in Straubing sei es wichtig, dass sie die Synagoge der Bevölkerung zeigen, dass jüdisches Leben näher gebracht werden könnte. "Wir leben auch nicht anders", so Zisler. Wenn antisemitische Vorfälle, die sich beispielsweise in einer Schule ereignet haben, bei der Meldestelle eingehen, könnte darauf mit einem Klassenbesuch in der Synagoge reagiert werden.

Schade, dass es eine "Woche der Brüderlichkeit" braucht

Zisler findet es generell schade, dass es eine "Woche der Brüderlichkeit" braucht und sich nicht das ganze Jahr an die Nächstenliebe gehalten wird. Die Veranstaltung in Straubing mit der einzigen Synagoge Niederbayerns sei aber wichtig für die israelitische Kultusgemeinde Straubing:

"Wir überaltern, wir bräuchten dringend jüngere Mitglieder, jetzt gerade in dieser Zeit. Es ist ganz wichtig, dass solche Vereine wie wir - die sich mit diesem Thema auseinandersetzen - dafür sorgen, dass solche Gedenkveranstaltungen begangen werden und in der Bevölkerung ein Bewusstsein hervorholen können. Wir, in der jüdischen Gemeinde, in der Synagoge, müssen uns öffnen und auch Synagogenführungen machen. Das geht nur über solche Gedenktage, damit wir zeigen: Wir sind da, wir wollen begeistern mit dem Thema. Nur so gelingt uns das." Anna-Deborah Zisler