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Immer weniger Milchviehhalter entscheiden sich dazu, ihren Betrieb weiterlaufen zu lassen. Doch warum gibt es immer weniger Kühe?

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Wo sind die Kühe? Immer weniger Milchviehhalter in Unterfranken

Nirgendwo in Bayern geben so viele Milchviehhalter auf, wie in Unterfranken: Gerade mal 541 Milchviehhalter gibt es noch im Bezirk, über 50 weniger als im Vorjahr. Warum verabschieden sich so viele Bauern von der Kuh im Stall?

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Jürgen GläserJürgen GläserBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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In Bayern gibt es immer weniger Milchviehhalter. Am größten war der Rückgang im vergangenen Jahr in Unterfranken. Das meldet das Bayerische Landesamt für Statistik am Mittwoch. Demnach haben 50 Milchviehhalter aufgegeben, das entspricht einem Rückgang von 8,5 Prozent. Damit gibt es aktuell nur noch 541 Milchkuhhaltungen im Bezirk.

Kosten steigen, aber nicht der Milchpreis

Auch Georg Fuchs in Obernbreit im Landkreis Kitzingen hört in diesem Jahr mit der Milchviehhaltung auf. Noch vor Jahren hatte er 70 Kühe im Stall stehen, jetzt sind es noch 25. Sein Sohn Matthias führt den Hof zwar weiter, jedoch ohne Milchviehhaltung. "Alles wird teurer – Diesel, Strom, Futter – nur die Milch nicht", ärgert sich der junge Landwirt. In dem Stall aus den 80er Jahren stehen die 25 Kühe noch in Anbindehaltung. Platz für einen modernen Laufstall haben sie nicht. Die Kosten dafür lägen ohnehin bei gut einer Million Euro. "Wie soll sich das denn rechnen?", fragt Senior Fuchs.

Laufställe sind zu teuer

Georg Rost, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Kitzingen, blickt ebenfalls sorgenvoll in die Zukunft. Aktuell zählt die Gemeinschaft noch 50 Betriebe. Vor fünf Jahren waren es noch 80. Von den verbliebenen Milcherzeugern habe nur die Hälfte Ställe mit Anbindehaltung. Lebensmitteleinzelhändler, wie Aldi oder Edeka, wollen bei Eigenmarken auf Milch aus Anbindehaltung verzichten und begründen dies mit dem Tierwohl. Aber kaum einer dieser Betriebe sei bereit, Millionen von Euro in neue Laufställe zu investieren. "Die hören zu 95 Prozent auf", so Rost. Bei den Betrieben mit Laufstall stehen jetzt wiederum oft hohe Investitionen für neue Melktechnik an. Auch davor werden sich Landwirte scheuen.

Viel Arbeit, wenig Ertrag

Vater und Sohn Fuchs in Obernbeit sind sich einig: 35 Jahre Milchviehhaltung – es hat zum Leben gereicht, aber reich geworden sind sie nicht. "Sieben Tage die Woche melken, morgens und abends, 365 Tage im Jahr... Und am Ende geht es um ein Paar Cent beim Milchpreis. Es war schön, aber jetzt reicht es!", sagt ein niedergeschlagener Matthias Fuchs.

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