Symbolbild: Krankenhausampel
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Symbolbild: Krankenhausampel

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    Was aus Bayerns Corona-Krankenhausampel wurde

    Was aus Bayerns Corona-Krankenhausampel wurde

    Nachdem die Zahl der Corona-Patienten auf Bayerns Intensivstationen gesunken ist, stünde die Krankenhausampel derzeit nicht mehr auf Rot, sondern auf Gelb. In der aktuellen Corona-Verordnung gibt es sie aber nicht mehr. Welcher Wert ist entscheidend?

    Sie war der Versuch, ein neues Kapitel in der bayerischen Corona-Politik aufzuschlagen, eine neue "Sicherheitsformel" zu etablieren - die bayerische Krankenhausampel. Anfang September wurde sie eingeführt, stand zwei Monate lang auf Grün, sprang dann innerhalb weniger Tage auf Gelb und dann Rot - und wurde noch im November wieder aus der bayerischen Corona-Verordnung gestrichen.

    Zur Begründung teilte das Gesundheitsministerium im Dezember mit: Angesichts der hohen Hospitalisierungsinzidenz und der Belegung der Intensivbetten sei ein Absinken der Schwellenwerte auf die für die gelbe und grüne Ampelstufen maßgeblichen Schwellenwerte vorerst nicht zu erwarten.

    Krankenhausampel stünde momentan auf Gelb

    Das hat sich aber geändert: Mittlerweile würde die Ampel wieder Gelb anzeigen, denn die Zahl der Corona-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen liegt deutlich unter dem Schwellenwert der Warnstufe Rot von 600. Da die Ampelstufen aber in der aktuellen Verordnung, die noch bis Mittwoch gilt, nicht aufgeführt sind, hat dies keine Lockerungen zur Folge.

    Am Dienstag berät das bayerische Kabinett darüber, welche Regeln ab Donnerstag gelten werden. Weil die Zahl der Infektionen - wegen der ansteckenderen Omikron-Variante - aktuell wieder steigt, gilt ein Comeback der Ampelstufen als unwahrscheinlich. Bund und Länder hatten sich zuletzt darauf verständigt, bundesweit flächendeckend auf 2G- und 2G-plus-Regelungen zu setzen - unabhängig von der Inzidenz.

    Situation der Krankenhäuser im Fokus

    Nachdem die Politik eineinhalb Jahre lang vor allem die 7-Tage-Inzidenz zur Grundlage für politische Entscheidungen gemacht hatte, rückte die Staatsregierung vor wenigen Monaten mit der neuen Ampel die Situation in den Krankenhäusern in den Mittelpunkt. Konkret: die 7-Tage-Fallzahl der Covid-19-Hospitalisierungen und die Anzahl der durch Covid-Patienten belegten Intensivbetten.

    Beide Werte sind in Bayern zuletzt stark gesunken: Die Zahl der hospitalisierte Fälle der letzten 7 Tage lag am Montag laut Landesamt für Gesundheit bei 307 - ein Rückgang um 12,5 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Anzahl der belegten Intensivbetten sank sogar um 21,3 Prozent auf 502. Auf Grün wäre die Ampel bei weniger als 450 Intensivbetten gesprungen, auf Rot bei 600.

    Mediziner und Opposition von Anfang an skeptisch

    Mediziner standen der Krankenhausampel von Anfang an kritisch gegenüber. Zum einen, weil die Ampel die Belastung des Pflegepersonals nicht berücksichtigte, zum anderen weil sie bayernweit einheitlich galt.

    Die SPD-Gesundheitsexpertin im Landtag, Ruth Waldmann (SPD), kritisierte die Krankenhausampel von Anfang an sogar als "untauglich". "Der generelle Fehler war, dass sie für ganz Bayern gegolten hat und keine regionalen Unterschiede gemacht wurden. Außerdem ist sie ungeeignet, weil sie viel zu spät anspringt", sagt sie.

    Anfang November reagierte die Staatsregierung auf Kritik: Sie verschärfte die Grenzwerte und führte neue Regeln für regionale Hotspots ein, wodurch neben der Lage in den Krankenhäusern doch die 7-Tage-Inzidenz wieder mitentscheidend wurde.

    Hospitalisierungsinzidenz als bundesweiter Maßstab

    Mitte November verständigten sich Bund und Länder bei einem Corona-Gipfel darauf, dass die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz zum "wesentlichen Maßstab für die weitergehenden Schutzmaßnahmen" werden soll. Dabei handelt es sich um die Zahl der Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage. Als Kennzahl sollte der Wert quantifizieren, wie stark das Gesundheitssystem in Deutschland durch die Behandlung Covid-19-positiv Getesteter belastet wird. Doch auch diese Zahl hat Tücken: Wegen Nachmeldungen sind die zunächst kommunizierten Werte offenbar teils wenig aussagekräftig.

    Ab dem Wert 3 sollte eine 2G-Regelung für viele Bereiche gelten. Ab dem Wert 6 sollte statt 2G weitgehend 2G plus gelten. In Bayern liegt die Hospitalisierungsinzidenz aktuell bei 2,3 und damit unter den festgelegten Schwellenwerten. Wenn die Hospitalisierung der entscheidende Maßstab wäre, müssten also derzeit in Bayern die 2G-Regel für die Gastronomie gelockert werden - und die 2G plus-Regel für Kulturveranstaltungen sowieso.

    Allerdings taucht die Hospitalisierungsinzidenz in der aktuellen bayerischen Corona-Verordnung nicht auf. Lediglich in den Begründungen von Änderungen wird der Wert als einer von mehreren aufgeführt. Während die Hospitalisierungsinzidenz in einigen Bundesländern noch eine tragende Rolle spielt, wurde sie in den Bund-Länder-Beschlüssen zuletzt nicht mehr erwähnt.

    Wie geht es weiter?

    Eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums erläutert auf BR-Anfrage, dass die aktuelle Corona-Verordnung zwar keine Krankenhausampel-Stufen mehr vorsehe, sondern lediglich regionale Hotspots-Lockdowns. Dennoch sei die Hospitalisierungsrate aber "nach wie vor entscheidendes Kriterium für die seitens der Staatsregierung erlassenen Maßnahmen und wird diesen zu Grunde gelegt". Die Staatsregierung beobachte die pandemische Situation sorgfältig und entscheide "lageangepasst über weiterhin erforderliche Maßnahmen".

    Damit scheint klar: Eine bayerische Krankenhausampel, an die unmittelbar bestimmte Maßnahmen gekoppelt sind, dürfte jedenfalls schon wieder Geschichte sein.

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