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Wo die Bahn schon lange nicht mehr fährt | BR24

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In den 80er- und 90er-Jahren wurden viele Schienen von Bahntrassen stillgelegt – mit immer fataleren Folgen für die betroffenen Regionen. Eine Reaktivierung der Strecken ist enorm schwierig, wie Recherchen von report München ergeben haben.

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Wo die Bahn schon lange nicht mehr fährt

In den 80er- und 90er-Jahren wurden viele Schienen von Bahntrassen stillgelegt – mit immer fataleren Folgen für die betroffenen Regionen. Eine Reaktivierung der Strecken ist enorm schwierig, wie Recherchen von report München ergeben haben.

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Vor Jahrzehnten stillgelegte Bahnstrecken zu erhalten oder gar wiederzubeleben - das ist nicht einfach, wie zwei Beispiele aus Bayern zeigen.

Die Ilztalbahn dürfte eigentlich gar nicht mehr fahren. Die Bahn hat die Trasse zwischen Passau und Freyung vor Jahren stillgelegt - wie viele andere Strecken.

Wochenendbetrieb der Ilztalbahn durch Ehrenamtliche

Aber Friedrich Papke und seine Mitstreiter leihen jedes Wochenende einen Zug aus - und betreiben die Strecke zwischen Passau und Freyung im Süden Bayerns. Komplett ehrenamtlich.

"Es ist verrückt, aber es macht wahnsinnig viele Spaß, und ich könnte nicht damit aufhören." Friedrich Papke, Mitbetreiber Itztalbahn

Seit 2008 sorgt ein Verein dafür, dass die Schienen nicht verrotten. Die Strecke wurde gepflegt und von Gestrüpp befreit. Seit neun Jahren läuft der Betrieb am Wochenende. Das Ziel: Die Bahn soll die Strecke auch unter der Woche wieder regulär betreiben.

"Wir sind keine Eisenbahnromantiker – aber wir wollen, dass das weitergeht, damit die Region nicht abgehängt wird." Friedrich Papke, Mitbetreiber Itztalbahn

Viele Trassen wurden vor Jahren stillgelegt

Überall in Deutschland gibt es Bürger, die für die Reaktivierung von Bahnstrecken kämpfen. Oft wurden die Trassen in den 80er- und 90er-Jahren stillgelegt, als Bahnfahren nicht mehr "en vogue" war. Allein in den letzten 25 Jahren wurden 3.600 Kilometer im Personenverkehr stillgelegt und nur rund 800 Kilometer Strecke Bahn reaktiviert.

Klimaziele ohne Bahn nicht zu schaffen

Aus Sicht von Joachim Berends vom Verkehrsverband der deutschen Verkehrsunternehmen sind die Stilllegungen ein großer Fehler. Die CO2-Emissionen im Verkehr müssten schließlich dringend sinken, sagt er gegenüber dem ARD-Politmagazin report München.

"Die Klimaziele, die die Bundesregierung sich vorgenommen hat, werden ohne diese notwendigen Reaktivierungen der Strecken gar nicht zu erreichen sein." Joachim Berends, Verkehrsverband der deutschen Verkehrsunternehmen

Mit relativ wenig Aufwand ließen sich laut Berends rund 3.000 Kilometer Bahnstrecke in Deutschland reaktivieren. Lokführer Stefan Froschermaier will, dass die Bahn zwischen Passau und Freyung wieder regulär unter der Woche fährt.

"Ich sehe ja, was am Wochenende los ist. Ich kann mir vorstellen, wenn es unter der Woche gut organisiert ist, viele den Zug gerne nutzen würden." Stefan Froschermaier, Lokführer

Behörden, Bahn und auch manche Hausbesitzer stellen sich quer

Doch nicht nur die Behörden blocken. Auch für die Deutsche Bahn hat die Reaktivierung von Strecken offenbar oft keine Priorität.

Im Norden Bayerns gibt es Streit um die Steigerwaldbahn - die Strecke zwischen Kitzingen und Schweinfurt. Auch hier setzen sich Bürger für die Reaktivierung ein. Andere sind dagegen: Manche haben ihre Häuser nahe an den entsprechenden Gleisen gebaut.

Gleise der Steigerwaldbahn an Schrotthändler verkauft

Die Deutsche Bahn hat den Großteil der Gleise im Sommer kurzerhand an einen Schrotthändler verkauft. Dabei haben mehrere Gutachten gezeigt, dass sich eine Reaktivierung lohnen könnte.

"Man ist den Kummer gewöhnt. Aber der Verkauf an den Schrotthändler ist natürlich die Krönung des Ganzen, wo man sagt: 'Kann eigentlich gar nicht sein, gibt einfach keinen Sinn.'" Dietmar Parakenings, Förderverein Steigerwald-Express

Noch hat Dietmar Parakenings vom Förderverein Steigerwald-Express Hoffnung, denn die Regierung in Mittelfranken muss die Strecke erst offiziell entwidmen – erst dann kann der Schrotthändler alles abreißen.

Landkreis Passau stellt sich bei Ilztalbahn quer

Für eine Reaktivierung Ilztalbahn, also der Strecke zwischen Passau und Freyung, braucht es ein unabhängiges Gutachten. Es müsste belegen, dass es sich lohnen würde, die Trasse unter der Woche zu betreiben. Und da gibt es ein Problem.

Denn die Strecke verläuft durch zwei Landkreise nach Passau. Die Stadt und der Landkreis Freyung-Grafenau wollen die Analyse erstellen lassen, um zu sehen, ob sich der Zugverkehr unter der Woche lohnen würde. Aber der Landkreis Passau stellt sich quer. Er fürchtet Folgen für den Busverkehr. Und vom zuständigen Verkehrsministerium in München heißt es, man prüfe nur, wenn vor Ort Einigkeit herrsche. Friedrich Papke, Schaffner der Ilztalbahn, kann das nicht verstehen.

"Wir arbeiten hier seit neun Jahren ehrenamtlich und es kommt quasi keine Anerkennung dafür, dass wir hier arbeiten, in unserer Freizeit. Im Gegenteil, wir werden auch noch ausgebremst." Schaffner Friedrich Papke