BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Wo bleibt der Mischwald? Waldumbau geht nur schleppend voran | BR24

© BR/Renate Roßberger

Wo bleibt der Mischwald? Der Waldumbau im Bayerischen Wald geht nur schleppend voran.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wo bleibt der Mischwald? Waldumbau geht nur schleppend voran

Schon an Ostern war es so warm, dass die ersten Borkenkäfer unterwegs waren. Gleichzeitig ist es noch immer zu trocken. Der bisherige Regen reicht nach dem schneearmen Winter nicht aus: Fichten haben deshalb Stress.

Per Mail sharen

Schon wieder wütet der Borkenkäfer in den Fichtenwäldern - deshalb könnte es das dritte Jahr in Folge auch heuer wieder ein schlimmes Borkenkäferjahr mit Tausenden abgestorbener Fichten werden. Als Forst-Laie fragt man sich: Warum gibt es eigentlich immer noch so viele Fichtenwälder? Warum nicht schon mehr käferresistenten Mischwald?

Mischwälder gelten als stabiler

Mischwälder gelten als stabiler, sowohl gegen den Borkenkäfer, der ja nur Fichten befällt, wie auch gegen das zunehmend wärmere Klima. Man setzt auch schon seit Jahrzehnten darauf. Aber es dauert eben auch Jahrzehnte, bis man mehr Mischwälder sieht, weil Bäume langsam wachsen. Im Staatswald geht man seit längerem nach dem Konzept vor, dass man die natürliche Verjüngung gezielt in Richtung Mischwald unterstützt.

Tiere und der Wind verteilen die Baumsamen

Das bedeutet: In einem bestehenden Wald wachsen normalerweise ganz verschiedene Baumarten von unten her nach, also Fichte, Tanne, Buche, Birke, Lärche, Kiefer. Durch Baumsamen, die von den großen Bäumen herabfallen, aber auch durch Tiere (zum Beispiel Eichelhäher), die Samen finden und anderswo vergraben, oder durch den Wind. Während man früher eher die anderen Baumarten statt der Fichte herausgenommen hat, fördert man jetzt eine Mischung. Man fällt zum Beispiel eine große Fichte und lässt darunter die verschiedenen Baumarten hochkommen. Ausschlaggebend ist dabei auch: Welche jungen Bäume haben von den Lichtverhältnissen her die besten Chancen, hoch zu kommen, wenn man den großen Baum daneben umschlägt?

© BR/Renate Roßberger

Eine junge Tanne

© BR/Renate Roßberger

Eine kleine Buche

© BR/Renate Roßberger

Die durch Käfer entstandene Kahlfläche eines einstigen Fichtenwalds bei Langdorf

Naturverjüngung bei Kahlflächen schwierig

Nachpflanzungen gibt es auch, aber nur zu einem kleineren Teil, vor allem in schwierigen Lagen mit wenig Naturverjüngung. Schwieriger ist die Naturverjüngung bei Kahlflächen. Die entstehen vor allem dann, wenn reine Fichtenwälder durch den Borkenkäfer umgelegt werden. Dann bleibt eine Baumstumpfwüste zurück, auf der der Boden im Sommer sehr heiß wird. Junge nachwachsende Bäume aus Samen im Boden kommen schwerer hoch. Die Fachleute empfehlen, zwei Jahre zu warten, was nachkommt und ob es dann eine Mischung ist. Wenn nicht, wird eine Mischung gepflanzt.

Kahlflächen oft in Privatwäldern

Solche Kahlflächen gibt es heute auch noch und auch öfter in Privatwäldern. Denn Privatwaldbesitzer haben den Wald gern als "Sparbüchse" für die nächste Generation gesehen und wenig Bäume herausgeschlagen. Aber wenn dann der Käfer im reinen Fichtenwald zuschlägt, sind alle Bäume auf einen Schlag weg. Es gibt aber auch hier schon viele gute Beispiele für Mischwälder.

Fichtenwälder in der Nachkriegszeit gepflanzt

Fichtenwälder wurden vor allem in der Nachkriegszeit gern gepflanzt, denn der Baum wächst schnell und galt als unproblematisch, ist außerdem in sehr vielen Bereichen wie Bau und Zimmerei verwendbar. Die Probleme, vor allem mit dem Borkenkäfer, tauchten erst später auf.

Bergfichten braucht man auch in Zukunft, zum Beispiel in den Bayerwald-Hochlagen. Dort ist die Humusschicht über dem steinigen Untergrund so dünn, das nur Flachwurzler wie eben Fichten wachsen. Über 1.000 Metern ist es außerdem vielen Baumarten noch immer zu kalt, gerade im Bayerischen Wald, trotz Klimaerwärmung. Aber das kann sich in den nächsten Jahren ändern.

Versuche mit Baumarten aus wärmeren Gebieten

Zusätzlich gibt es Versuche mit Baumarten aus wärmeren Gebieten, zum Beispiel Tannen aus dem Balkan oder Atlas- oder Libanonzeder, Esskastanien und andere. Aber das dauert auch viele Jahre, bis diese wachsen und bis man sieht, ob es wirklich etwas bringt in unseren Regionen.

Der Nationalpark Bayerischer Wald wird 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat sich das BR-Studio Niederbayern/Oberpfalz den "Wald" als Jahresthema gewählt. Nachhaltigkeit, Klimawandel, Tourismus, Wirtschaftsfaktor, Ökologie, Lebensraum: Wir berichten über den Wald aus vielen Perspektiven – und aus allen Waldgebieten in Ostbayern.

© BR/Renate Roßberger

Stefan Schaffner vom AELF Regen, zuständig für die Privatwaldbesitzer, sucht auf einer Kahlfläche nach jungen Bäumchen

© BR/Renate Roßberger

Jürgen Völkl, Leiter des Forstbetriebs Bodenmais, zeigt eine junge Tanne aus Naturverjüngung

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!