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Wo Bäume in den Himmel wachsen: Suche nach der höchsten Buche | BR24

© picture alliance/chromorange

Bäume in den österreichischen Alpen hoch über Biberwier mit Blick auf das Wettersteingebirge.

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    Wo Bäume in den Himmel wachsen: Suche nach der höchsten Buche

    Seit 120 Jahren ist die Jahresdurchschnittstemperatur in den Alpen um zwei Grad angestiegen. Mit der Erwärmung wandelt sich auch die Vegetation. In einem Bürger-Forschungsprojekt werden Höhengrenzen der Baumarten in den Alpen nun neu bestimmt.

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    Im Bergwald unter dem Schachenhaus über Garmisch-Partenkirchen stapfen Franziska und Elena, zwei Forstwirtschaftsstudentinnen der Hochschule Weihenstephan durch den Bergwald. Zusammen mit anderen Studierenden suchen sie nach den in höchster Höhe wachsenden Exemplaren bestimmter Baumarten und werden fündig: eine rund 15 Zentimeter kleine Buche steht unter großen Fichten. Sie fotografieren das Bäumchen und nehmen über GPS auf dem Smartphone die genauen Koordianten auf. Das Besondere: sie befinden sich hier auf 1.650 Meter Höhe. Der Standort liegt gut 200 Meter über der Referenzgröße, die sie von der Projektbeauftragten Sabine Rösler bekommen hatten.

    Nach der "Kleinen Eiszeit"

    Die Messlatte stammt aus dem Jahr 1854. Der königliche Botaniker Otto Sendter hat damals in jahrelanger Forschungsarbeit die höchsten Standorte von 1.700 Pflanzen in den bayerischen Alpen bestimmt. Das war am Ende der so genannten "Kleinen Eiszeit", seither ist es durchschnittlich zwei Grad wärmer geworden. Mit dem Temperaturanstieg wandern die Pflanzen den Berg hinauf; theoretisch um 200 Höhenmeter je Grad Temperaturzunahme. Das Problem für die angestammten alpinen Pflanzen ist dabei zum einen, dass oft wuchskräftigere Konkurrenten nachkommen, dass aber andererseits nicht sehr viel Spielraum nach oben existiert, weil das Gelände über der heutigen Waldgrenze von rund 1.800 Metern zunehmend felsiger und rauer wird. Traditionelle Bergbäume wie die Fichte leiden zudem unter Trockenheit und Hitzestress.

    Citizen Science: Baysios will Wanderer und Bergsteiger zu Forschern machen

    Um den Wandel besser zu verstehen, will die Fakultät für Forstwissenschaft der Hochschule Weihenstephan nach 150 Jahren jetzt wieder flächendeckend Daten sammeln. Im "Baysios"-Forschungsprojekt sollen Wanderer und Bergsteiger helfen, indem sie auf ihren Touren im Abstieg die jeweils höchsten Exemplare einer Baumart kartieren.

    Ein anschauliches Bild vom Klimawandel

    Im Idealfall entsteht dann die bisher größte Datensammlung quer durch alle bayerischen Gebirgsgruppen. Gleichzeitig sollen die Berggeher selbst ein Gefühl dafür bekommen, wie der Klimawandel in der heimischen Natur abläuft, was man an der "Wanderung der Bäume" besonders eindringlich sehen kann. Für die jungen Forststudenten aus Weihenstephan, die an diesem Tag als Testpersonen unterwegs sind, sind die Ergebnisse eindrucksvoll. Insbesondere Laubbäume finden sie auf über 1.600 Metern, während der Bergmischwald normalerweise um die 1.400 Meter aufhört. Solche Vorposten können Hinweise darauf liefern, wie der Wandel in der Zukunft abläuft. Aber noch fehlen die Daten für ein genaues Bild.