Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Wirtshaussterben im Bayerischen Wald? | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© Bayern 1

Viele Wirtshäuser finden kein Personal und müssen schließen. So auch der "Gasthof zum Rechen" in Bodemais. Ein letzter Besuch im Bodenmaiser Wirtshaus.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wirtshaussterben im Bayerischen Wald?

Viele Wirtshäuser finden kein Personal und müssen schließen. So auch der "Gasthof zum Rechen" in Bodenmais. Die Schließung des "Gasthofs zum Rechen" steht für das Symptom einer ganzen Branche. Ein letzter Besuch im Bodenmaiser Wirtshaus.

4
Per Mail sharen
Teilen

Vormittags in der Küche des "Gasthofs zum Rechen" in Bodenmais: Josef Haller senior schneidet große Weißkrautköpfe auseinander. "Wir versuchen, dass wir das Allermeiste selber machen. Das bedeutet sehr viel Mehrarbeit, als wenn man die Sachen fertig kauft", sagt Sohn Josef Haller junior, der gerade eine bayerische Brotsuppe kocht. Hier kommt keine Soße aus dem Packerl und kein Püree aus dem Beutel, deshalb sind die 60 Sitzplätze in der gutbürgerlichen Gaststube auch jeden Abend voll.

Schließung des Wirtshauses aus Personalmangel

Kaum zu glauben: Trotz ungebremster Beliebtheit bei Urlaubern wie Einheimischen gab es hier am 6. Januar das letzte Wirtshausessen. Der Gasthof zum Rechen, gegründet 1917, geführt durch vierte Generationen, schließt - aus Personalmangel:

"Dass wir zwei gute Köche kriegen bei uns hier, das kann ich mir nicht vorstellen. Ein Kollege von mir sucht schon seit zwei Jahren einen Koch, aber findet keinen." Josef Haller junior, Gasthof zum Rechen

Schon das jetzige Personal, eine Servicekraft und zwei Küchenhilfen, war schwer zu kriegen. Und jetzt bräuchte der "Gasthof zum Rechen" Ersatz für Koch Sepp Haller und seine Frau Martha, die endlich in den Ruhestand möchten:

"Ich werde jetzt dann bald 70 Jahre und da sind Zwei-Schichten-Tage einfach zu viel. Das erträgt man nicht mehr", sagt Josef Haller senior. "Fast 50 Jahre bin ich hier - Stunden habe ich nicht gezählt", meint seine Frau Martha.

Gasthaus über mehrere Generationen - die Vergangenheit?

Angestelltem Personal kann man so viele Stunden ohne Urlaub und Kranksein niemals aufbürden. Das Ganze klappt wie in vielen Gasthäusern dieser Art nur, weil hier immer mehrere Generationen zusammengearbeitet haben - ohne Stechuhr. Aber Sohn Josef, der das Wirtshaus 2013 übernommen hat und selbst 25 Jahre lang Koch war, mag jetzt auch so nicht mehr: "Dass man so richtig Zeit hat wie ein normaler Arbeiter, ist bei uns nicht der Fall". Künftig führt Ehefrau Kathrin das Haus nur noch als Frühstückspension, ihr Mann sucht sich mit 41 einen gastronomiefernen Job als Lagerist.

Personalmangel in vielen Bereichen

Schade findet das Bernhard Mosandl, Tourismuschef von Bodenmais, aber er versteht das Problem der Branche:

"Ich kenne kein Haus, das nicht sucht. Ein guter Koch ist heute eine der gefragtesten Persönlichkeiten, aber auch definitiv im Putzbereich, im Zimmerservice. Das sind Personen, die sind mehr als gesucht – händeringend." Bernhard Mosandl, Tourismuschef Bodenmais

Nach dem Wirtshaus: Freizeit

Die Stammgäste von Familie Haller müssen sich was Neues zum Essengehen suchen. Fragt man sie, finden sie die Schließung "fürchterlich". Haller senior und seine Frau aber freuen sich auf ruhigere Zeiten:

"Ich möchte meiner Frau jetzt mal die Sachen bei uns zeigen, von denen unsere Gäste immer erzählen. Das, was wir gar nicht kennen: Ausflüge im Bayerischen Wald. Mehr wollen wir gar nicht." Josef Haller senior