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Oberfrankens Gastronomie steht eine harte Zeit bevor.

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    Wirtshauskultur in Gefahr? Gastronomen schlagen Alarm

    Kein geselliges Beisammensein, keine Stammtische, keine Wirtshauskultur: Experten aus Gastronomie und Forschung befürchten eine ungewisse Zukunft für Restaurants. Neben der Unterstützung vonseiten der Gäste fordern sie auch ein Handeln der Politik.

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    Von
    • Lasse Berger

    Dass Oberfrankens Gastronome einer schwierigen Zukunft gegenüberstehen, dessen sind sich die Betroffenen einig. Zahlreiche familiengeführte Brauereine und Gaststätten seien Aushängeschild und Touristenmagnet für die Region. Umso wichtiger sei es, die Verantwortlichen zu unterstützen.

    Im Rahmen einer Online-Pressekonferenz des Vereins Oberfranken Offensiv haben sich Vertreter aus dem Gastronomiegewerbe und der Forschung über mögliche Szenarien ausgetauscht. Ein Konsens lautete unter anderem: Damit Gasthäuser weiterbestehen können, müssten die Preise von Speisen und Getränken deutlich erhöht werden. Diskutiert wurde sogar eine Verdoppelung der Preise. Diese würde den Gasthäusern zwar helfen, sei aber nicht vereinbar mit dem erklärten Ziel. Das nämlich lautet: Gäste und Restaurantbesitzer könnten nur gemeinsam die Wirtshauskultur retten.

    Gäste allein können Finanzloch nicht ausfüllen

    Nötig sei in den kommenden Monaten in jedem Fall ein Zusammenspiel von Gästen und Restaurantbesitzern, so Markus Raupach von der Deutschen Bierakademie. Er fordert neben einer steigenden Zahlungsbereitschaft der Gäste auch eine finanzielle Unterstützung seitens der Politik. Denn: Ihm sei durchaus bewusst, dass sich viele Gäste derzeit weniger leisten können. Außerdem sei den Wirtshäusern mit einer Preiserhöhung von wenigen Cent nicht wirklich geholfen, so Raupach weiter.

    Verwaltung birgt unnötige Kosten für Restaurantbesitzer

    Auch Sternekoch Alexander Herrmann aus Wirsberg (Lkr. Kulmbach) kritisierte die Politik für die hohen Verwaltungskosten, die den Restaurantbesitzern derzeit zusätzliche finanzielle Schwierigkeiten bereiten würden. Zumal die Gastronomie laut Herrmann gerade auf eine Katastrophe zusteuere. Nach der kurzzeitigen Zwangsschließung der Restaurants und dem "unternehmerischen Wachkoma" spiele für die Gastronomie nun die Tilgung der aufgenommenen Kredite eine zentrale Rolle, um langfristig bestehen zu können, so Herrmann.

    Flexible Kommunen und Unterstützung aus der Politik

    Claus-Christian Carbon, Psychologie-Professor an der Universität Bamberg, sprach sich zudem für mehr Flexibilität von Staat und Kommunen aus: Wegen der Abstandsregeln müssten mehr Flächen für Gaststätten zur Verfügung gestellt werden, auch Soforthilfen müssten schnellstmöglich fließen. Carbon rief zudem für innovative Maßnahmen auf, wie es sie zum Beispiel in Wien gebe: Dort gebe es eine sogenannte Schnitzel-Prämie, dank der die Umsätze in der Gastwirtschaft angekurbelt werden.

    Oberfranken Offensiv will sich Gehör verschaffen

    Die gesammelten Ideen und Vorschläge werden nun zusammengestellt und an die zuständigen Behörden weitergeleitet. "Ich weiß nicht, ob wir da gehört werden, aber wir setzen zumindest einen Impuls", so Frank Ebert, Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv.

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