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Wirtschaft hofft auf Lockerungen für tschechische Berufspendler | BR24

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Der Krisenstab der tschechischen Regierung beschäftigt sich mit eventuellen Lockerungen für tschechische Grenzpendler - wichtig für ostbayerische Betriebe mit tschechischen Angestellten.

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Wirtschaft hofft auf Lockerungen für tschechische Berufspendler

Grenznahe Betriebe in Niederbayern und der Oberpfalz hoffen auf Lockerungen für tschechische Berufspendler. Der Krisenstab der tschechischen Regierung befasst sich am Mittwoch damit.

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Der Krisenstab der tschechischen Regierung beschäftigt sich am Mittwoch voraussichtlich mit möglichen Lockerungen für tschechische Grenzpendler. So könnte zum Beispiel die momentan geltende zweiwöchige Pflicht-Quarantäne für heimkehrende tschechische Arbeitnehmer durch einen Corona-Test ersetzt werden.

Die tschechische Regierung muss ohnehin spätestens am Freitag (24.4.) sagen, ob die jetzigen Regelungen für Grenzpendler verlängert werden, weil sie sonst in der Nacht zum Samstag auslaufen. In Ostbayern rechnet man mit einer Verlängerung, hofft aber auf Erleichterungen.

Pendeln unter strengen Auflagen

Die jetzige Regelung erlaubt das tägliche Hin-und Herpendeln nur für bestimmte, systemrelevante Berufsfelder - etwa Gesundheit und Pflege, Energieversorgung und Lebensmittelproduktion. Die betroffenen Arbeitnehmer müssen jedes Mal strenge Grenzkontrollen auf sich nehmen, unter anderem mit Fiebermessen und einem elektronisch geführten Pendlerbuch. Außerdem müssen von den deutschen Arbeitgebern strenge Hygieneauflagen eingehalten werden, darunter ein verpflichtender Mundschutz am Arbeitsplatz.

Unbezahlte Pflicht-Quarantäne

Pendler aus anderen Berufen müssen sich in Deutschland für mindestens zwei Wochen oder länger eine Wohnung nehmen und danach jedes Mal zwei Wochen zuhause in Pflicht-Quarantäne, wenn sie wieder nach Tschechien zurückkehren. Diese zwei Wochen werden aber nicht bezahlt, weil in diesen Fällen das deutsche Kurzarbeitergeld nicht greift. Bisher behelfen sich die meisten Betroffenen damit, für diese Zeit Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzufeiern. Doch das Zeitkonto dafür ist bald aufgebraucht.

IHK: Hälfte der tschechischen Arbeitnehmer fehlt

Die IHK Cham schätzt, dass momentan nur ein Drittel bis maximal die Hälfte der über 12.000 Tschechen, die allein in der Oberpfalz arbeiten, an ihrem Arbeitsplatz sind. Zum einen, weil die Regelungen von tschechischer Seite zu umständlich sind, zum anderen, weil etliche deutsche Arbeitgeber ihre Betriebe wegen der Corona-Verfügungen noch geschlossen haben - vor allem aus den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Handel und Dienstleistungen.

Im ostbayerischen Tourismus-und Gastronomiebereich wird es schwierig, die Häuser wieder aufzumachen, wenn die Tschechen nicht zum Arbeiten kommen können. Aber auch in einigen Industrie-und Handwerksbetrieben können jetzt schon nicht mehr alle Aufträge abgearbeitet werden, weil die tschechischen Arbeitnehmer fehlen.

Die betroffenen Tschechen werden im Heimatland noch dazu oft als Sündenböcke für die Corona-Verbreitung gesehen, müssen also eine negative öffentliche Meinung aushalten. Zum Beispiel im Grenzlandkreis Domazlice, wo es vergleichsweise viele Corona-Fälle gibt. Manche sagen, das liege an den tschechischen Pendlern. Es gibt aber auch Aussagen, dass tschechische Skifahrer das Virus nach dem Urlaub in Österreich eingeschleppt hätten, und Großveranstaltungen für eine weitere Verbreitung gesorgt hätten. Noch im März wurden Feste in Domazlice abgehalten. In den meisten anderen tschechischen Grenzregionen gibt es dagegen nur wenige Fälle.

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