Eine Mutterkuh-Herde auf einer Weide in Windischhausen
Bildrechte: BR/Vera Held

Für seine Mutter-Kuh-Herde hat Landwirt Stefan Hauck bereits letztes Jahr einen Wolfschutz-Zaun errichten lassen.

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Wird der Wolf zur Bedrohung für den Tourismus im Altmühltal?

In neun bayerischen Regionen ist der Wolf bereits heimisch – auch im Altmühltal. Dort scheint es, als habe sich die Wölfin jetzt mit einem Rüden zusammengetan. Was bedeutet das für eine Region, die von Tourismus und Landwirtschaft geprägt ist?

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau am .

Grüne Hügel und schattige Wälder: Das Altmühltal ist bei Touristen und Naherholungssuchenden ein beliebtes Urlaubsziel. Dort fühlt sich seit einiger Zeit auch eine Wölfin wohl, sie ist eine von insgesamt 23 Wölfen in Bayern. Doch nun scheint es, als ob die Wölfin sich mit einem Rüden aus Brandenburg zusammengetan hätte. In der Region befürchtet Landwirte und Anwohner möglichen Nachwuchs und die damit verbundene Rudelbildung.

Wölfe halten sich von Menschen fern

Im Tourismusverband Naturpark Altmühltal sieht man den Wolf bisher eher gelassen. Eine Gefahr für Urlauber seien die Tiere nicht, sagt Christoph Würflein, Geschäftsführer des Tourismusverbands. "Wahrscheinlich hat bisher noch kein Tourist und kein Naherholer ein Wolfsrudel bei uns gesehen. Die Wölfe sind in der Regel scheu", erklärt Würflein. Das Problem entstehe aber an anderer Stelle.

Ausbreitung des Wolfs könnte Landschaft verändern

Die Schwierigkeiten liegen nach Ansicht des Tourismus-Experten in der Landwirtschaft. Wenn Bauern wegen des Wolfes nicht mehr, wie bisher, die Wiesen mit ihren Tieren beweiden könnten, verändere sich das Landschaftsbild, so Würflein. "Das würde sich langfristig auf natürlich negativ auf den Tourismus auswirken. Also muss man Weidehaltung und Wolf in irgendeiner Form in Einklang bringen."

Schwarzweißaufnahme von einem Wolf.
Bildrechte: Foto: Jagdschutz- und Jägerverein Eichstätt
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Wölfe

Landwirte in der Region sind alarmiert

Ein mögliches Wolfsrudel treibt auch die Landwirte in der Region um. Stefan Hauck aus Windischhausen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hat beispielsweise eine Mutterkuh-Herde auf einer Weide in unmittelbarer Nähe eines Waldes stehen. Er hat sich bereits letztes Jahr dazu entschlossen, einen Wolfschutzzaun aufzubauen. Das bedeutet: Es sind mehr Stromdrähte gespannt und tiefer. Das soll den Wolf davon abhalten, unter dem Zaun durchzuschlüpfen. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Wölfe im Altmühltal niederlassen. "Von dem her besteht dann nur die Möglichkeit, sich der Situation zu stellen und zu überlegen, was zu tun ist."

"Aktionsplan Wolf" empfiehlt Schutzzäune oder Herdenschutzhunde

Im bayerischen "Aktionsplan Wolf" des Landesamtes für Umwelt werden Schutzmaßnahmen wie Zäune oder der Einsatz von Herdenschutzhunden empfohlen. Hauck, wie auch viele andere Landwirte aus der Region, befürchtet allerdings, dass das auf Dauer nicht reichen wird. Der Zaun stelle zwar eine Barriere da, können aber von einzelnen Wölfen auch übersprungen oder untergraben werden, ist sich der Landwirt sicher.

Und auch ein Herdenschutzhund kommt für Stefan Hauck nicht in Frage. "Der Hund braucht Zeit, er muss beschäftigt werden und das ist für mich ein zusätzlicher Aufwand, den ich nicht leisten kann", erklärt der Landwirt. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Herdenschutzhunden im engbebauten Bayern auch Probleme mit sich bringe - beispielsweise für Wanderer und ihre Hunde. Denn der Herdenschutzhund könne nicht unterscheiden, ob es sich bei einem Hund um einen Wolf oder ein Haustier handle, meint Hauck. Für den Landwirt, an dessen Weide ein viel begangener Wanderweg entlang führt, sei das keine Option. "Und irgendwann kommt der Punkt, wo die Tiere nicht mehr in der Beweidung sind, sondern im Stall stehen. Und ab dann hat es einen Einfluss auf die Kulturlandschaft."

Im Altmühltal wollen die Betroffenen das Thema Wolf gemeinsam angehen. Stefan Hauck hat sich deswegen mit anderen Landwirten aus Windischhausen zusammengesetzt, um über ihre Befürchtungen zu sprechen.

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