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Mehrere bayerische Städte wollen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen | BR24

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Viele Städte und Gemeinden in Bayern sind bereit, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Ministerpräsident Söder deutete an, der Freistaat würde sich an humanitären Maßnahmen beteiligen - wenn die Bundesregierung das so entscheide.

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Mehrere bayerische Städte wollen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

Die Hilfsbereitschaft ist groß: Mehrere bayerische Städte wollen Menschen aufnehmen, die nach dem Brand des Flüchtlingslagers auf Lesbos obdachlos geworden sind. Doch die Entscheidung darüber liegt bei der Bundesregierung.

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Schon in den letzten Monaten hatten sich verschiedene Städte in Bayern grundsätzlich bereiterklärt, aus Seenot gerettete Flüchtlinge unterzubringen. Insgesamt gibt es 16 Städte im Freistaat, darunter auch kleinere wie Pegnitz, Weißenburg oder Grafing, die sich schon 2019 oder im Frühjahr im Rahmen einer europäischen Aktion zu einem "Sicheren Hafen" erklärten. Nun kommen noch weitere Kommunen hinzu.

Münchens OB will bis zu 300 Flüchtlinge aufnehmen

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat beispielsweise erneut darauf hingewiesen, dass die Stadt derzeit 200 bis 300 Flüchtlinge aufnehmen kann. Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge könne die Landeshauptstadt unterbringen, sagte Reiter. Er mahnte aber auch: "Das Los der etwa 13.000 Menschen, die nun in Lesbos ohne Obdach sind, darf aber nicht nur vom Engagement einzelner Kommunen abhängen."

Auch Augsburg möchte Flüchtlinge aufnehmen

Von einer humanitären Katastrophe, vor der man nicht die Augen verschließen dürfe, sprach Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber, die ein Schreiben an Bundesinnenminister Seehofer und Ministerpräsident Söder schickte.

Darin gibt sie bekannt, dass Augsburg Schutzbedürftige unterbringen möchte, und bittet darum zu prüfen, ob ein Teil der mehr als 12.000 Flüchtlinge nach Deutschland geholt werden kann. Einen ähnlichen Brief hatte schon vor dem Brand auf Lesbos auch Kemptens Oberbürgermeister Kiechle an Seehofer gesandt. Auch mehrere Landkreise signalisierten ihre Unterstützung.

Bayern hilft – unter Voraussetzungen

Die Entscheidung über eine Aufnahme von Flüchtlingen können die Kommunen kaum beeinflussen. Sie wird allein von der Bundesregierung getroffen. Am Nachmittag wurde bekannt, dass sich Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Macron darauf geeinigt haben, etwa 400 Minderjährige aus dem zerstörten Flüchtlingslager auf die EU-Länder zu verteilen, die sich zur Aufnahme bereit erklären.

Auch Bayern wird laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unter diesen Voraussetzungen helfen und Flüchtlinge aufnehmen.

"Wenn sich Deutschland entscheidet aufzunehmen, werden wir uns selbstverständlich beteiligen." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Entwicklungsminister fordert Aufnahme von 2.000 Flüchtlingen in Deutschland

Innerhalb der Bundesregierung hatte sich zuvor bereits Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) klar positioniert. Im ARD-Brennpunkt sagte er am Mittwochabend:

"Ich persönlich bin der Meinung, dass wir die Angebote der deutschen Länder und Kommunen jetzt annehmen sollen und Deutschland vorausgeht mit einem Zeichen der Humanität und 2.000 dieser Flüchtlinge jetzt aufnimmt." Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)

Europäischer Streit bremst Hilfe aus

Doch viele EU-Länder stemmen sich gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria. Neben Ländern wie Polen und Ungarn hat sich nun auch Österreich eingereiht. Das Land befürchtet, mit einer Verteilung der obdachlosen Flüchtlinge in Europa eine neue Migrationswelle auszulösen. Dagegen kündigte Nicht-EU-Land Norwegen an, 50 Syrer aus Moria aufzunehmen.

Hilfsbereitschaft vorhanden

Die Kaufbeurer Hilfsorganisation humedica will so schnell wie möglich den Bedarf an Nahrung und Unterkünften ermitteln, um die Menschen mit dem Nötigsten versorgen zu können. Die Regensburger Hilfsorganisation "Space-Eye" will bis Sonntag 1.000 Schlafsäcke und ebenso viele Hygiene-Packs sammeln für die Betroffenen der Brandkatastrophe.

Sechs Münchner Wohlfahrtsverbände bieten zusammen rund 100 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Moria an. Die Hilfsbereitschaft ist vorhanden – nun muss sie auch umgesetzt werden.

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Im Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland schauen wir uns doch mal die Zahlen der Asylsuchenden an.