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Wird Augsburg UNESCO-Welterbe? Bewerbung geht auf die Zielgerade | BR24

© Stadt Augsburg

Das Wasserwerk am Hochablass ist eine von 22 Stationen des historischen Wassersystems in Augsburg.

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Wird Augsburg UNESCO-Welterbe? Bewerbung geht auf die Zielgerade

Ein einzigartiges Wassersystem, das noch heute Relevanz hat: Augsburg bewirbt sich mit seinem historischen Wassersystem um den Titel als UNESCO-Welterbe. Diese Woche wird es ernst: Die Entscheidung fällt - und die Chancen stehen gut.

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Morgen startet die Welterbe-Delegation aus Augsburg nach Baku in Aserbaidschan, wo das World Heritage Comitee entscheidet, welche Stätten künftig zum UNESCO-Welterbe zählen. 21 Staaten sind in diesem Komitee vertreten, von Angola über Bosnien-Herzegowina bis China und Indonesien. Die Entscheidung für Augsburg fällt zwischen dem 5. und 7. Juli: Kommt das historische Wassersystem der Stadt auf die Liste der Welterbe-Stätten oder wird die Bewerbung nochmals für ein Jahr zurück gestellt?

Experten empfehlen: Augsburg soll Welterbe-Titel bekommen

Die klare Empfehlung für eine Eintragung haben die Augsburger schon in der Tasche: Das für die fachliche Prüfung zuständige Gremium des Weltdenkmalrates ICOMOS hat die Augsburger Bewerbung für gut befunden. Ende dieser Woche wird das World Heritage Comitee dann als politisches Gremium seine Entscheidung fällen.

Historisches Wassersystem zeugt von "hoher Ingenieurskunst"

Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel ist hoffnungsfroh, dass die Stadt den Zuschlag erhält. Insgesamt 22 Stationen, vom Quellbach im Stadtwald über die Lechkänale bis hin zu verschiedenen Kraftwerken, umfasst das System der Augsburger Wasserwirtschaft. Augsburg könne mit einem herausragenden Thema punkten, weil es nicht allein Historisches abbilde, sondern ein System darstelle, das bis heute Relevanz habe. So zeuge zum Beispiel die Methode, Wasser per Hebevorrichtung über Wassertürme in die Häuser zu bringen, von hoher Ingenieurskunst.

Augsburgs Wassersystem: Grundstein für die Blüte der Stadt

Die historische Wasserversorgung in Augsburg mit seiner Trennung zwischen Trink- und Brauchwasser sei "einzigartig" gewesen und habe mit den Grundstein gelegt für die Blüte und den Reichtum der Stadt, betont Thomas Weitzel. Damit konnte Energie für die Werkstätten erzeugt werden und gleichermaßen die Seuchengefahr minimiert werden, weil sauberes Trinkwasser für alle Bürger zur Verfügung stand.

Augsburg kann weltweit "Impulse setzen" mit seinem Wassersystem

Dieses Jahr stehen insgesamt 36 Anträge zur Entscheidung an. Maria Böhmer, die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, sagte dem BR vorab, sie glaube, dass sich Augsburg gut vorbereitet habe: "Ich gehe sehr optimistisch ins Verfahren". Aus heutiger Perspektive sei besonders bedeutend, dass Augsburg bereits 1545 "eine strikte Trennung von Trink- und Brauchwasser" vorgenommen habe - laut Böhmer ein wichtiges Signal, da weltweit viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Versorgung haben. Sauberes Wasser sei eines der großen Ziele der Nachhaltigkeitagenda 2030 der Vereinten Nationen: "Und hier kann Augsburg vorangehen und Impulse setzen weit über Augsburg hinaus", sagte Böhmer.

Welterbe: Ein ganz besonderer Titel

Die UNESCO verleiht den Titel "Welterbe" an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind, an herausragende Zeugnisse der Menschheits- und Naturgeschichte. Im Jahr 1978 wurde die Liste eröffnet. Derzeit umfasst sie 1092 Objekte in 167 Ländern, 44 davon in Deutschland.

💡 Welterbe und Weltkulturerbe – was ist der Unterschied?

Welterbe ist der Überbegriff für die „besten unter den herausragenden Zeugnissen der Menschheits- und Naturgeschichte“ – so die Definition der Institution, welche die weltweite Liste dieser Stätten führt. Die UNESCO kümmert sich als Unterorganisation der Vereinten Nationen um die Bereiche Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Seit 1978 führt sie die Welterbe-Liste, auf der heute 1.092 Stätten in 167 Ländern stehen. Grundlage dafür ist die Welterbekonvention, die 1972 beschlossen wurde und die Mitgliedsstaaten zum Schutz und Erhalt des Welterbes verpflichtet. Die Einträge gliedern sich in die beiden Kategorien „kulturelles Erbe“ und „Natur-Erbe“. Zum Weltkulturerbe gehören zum Beispiel die Altstädte von Bamberg und Regensburg, zum Weltnaturerbe etwa das Wattenmeer.