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"Wir sind Kirche": 25 Jahre Kirchenvolksbegehren | BR24

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Am 16. September 1995, vor 25 Jahren, haben kritische Katholiken das Kirchenvolksbegehren gestartet. 1,8 Millionen Menschen haben sich den Forderungen angeschlossen: Die sind in der Mitte der Kirche angekommen, nur geändert hat sich nichts.

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"Wir sind Kirche": 25 Jahre Kirchenvolksbegehren

Am 16. September 1995, vor 25 Jahren, haben kritische Katholiken das Kirchenvolksbegehren gestartet. 1,8 Millionen Menschen haben sich den Forderungen angeschlossen: Die sind in der Mitte der Kirche angekommen, nur geändert hat sich nichts.

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Öffnung des Priesteramtes für Frauen, Abschaffung des Zölibats und eine Reform der Sexualmoral: das forderten kritische Katholiken schon vor einem Vierteljahrhunder in einer Petition, der sich 1,8 Millionen Menschen anschlossen. Über all diese Themen diskutiert die Kirchenbasis mittlerweile auf einem "Synodalen Weg" mit den Bischöfen. Doch Änderungen lassen sich auf sich warten.

Vor den Reformforderungen war der Missbrauch

Am Anfang war der Missbrauch. Auch in diesem Fall. Vor 25 Jahren warfen ehemalige Schüler dem Wiener Erzbischof Kardinal Groer vor, sie sexuell missbraucht zu haben. Der Umgang der Kirche mit diesem Missbrauchsskandal hat zuerst österreichische und dann auch deutsche Katholiken so erzürnt, dass sie ein Kirchenvolksbegehren starteten. Die Forderungen: Abbau der klerikalen Machtstrukturen, Abschaffung des Pflicht-Zölibats für Priester, Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen. Die Basis geht auf die Barrikaden und die Bischöfe reagieren verstört. Karl Lehmann, damals Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte im November 1995, es herrsche viel Verwirrung unter den Menschen und "ein hoher Klärungs- und Informationsbedarf": "Das werden wir weiter verfolgen müssen", so Lehmann.

Unterschriftensammlung fürs Kirchenvolksbegehren

Edgar Büttner aus dem oberbayerischen Bad Aibling sammelte fleißig Unterschriften für das Kirchenvolksbegehren. Als Personalcoach und Unternehmensberater hatte er ständig mit Menschen zu tun. Am Schluss seiner Seminare ließ er die Unterschriftenliste herumgehen. Und viele, die unterschrieben haben bei ihm, fingen auch selbst an, Unterschriften zu sammeln.

Papst Franziskus half, den Streit zu entkrampfen

Helmut Dieser arbeitete damals als junger Priester in einer Gemeinde in der Nähe von Trier. Er empfand das Auftreten des Kirchenvolksbegehrens als aggressiv und verstörend, die Demos rund um die Sonntagsmesse hätten nicht kirchlich gewirkt, erinnert er sich. Heute ist Helmut Dieser Bischof von Aachen und stellt fest: "Wir haben uns angenähert." Die Forderungen der Kirchenvolksbewegung werden heute, 25 Jahre später, in einem gemeinsamen Synodalen Weg diskutiert.

Papst Franziskus hat einen großen Beitrag geleistet zur Entkrampfung des Verhältnisses von Kirchenbasis und Kirchenspitze. Das erlebt auch Edgar Büttner so, der ebenfalls am Synodalen Weg mitarbeitet: "Bischöfe, die noch vor ein paar Jahren gewarnt haben davor, dass ein Evangelischer bei einer katholischen Messe zur Kommunion geht, die laden dazu ein. Oder lassen es zumindest laufen."

"Wir sind Kirche" und "Maria 2.0"

Aus dem Kirchenvolksbegehren wurde die kritische Plattform "Wir sind Kirche". Die Protagonisten sind heute im Wesentlichen dieselben wie damals. Doch die Kirchenvolksbewegung hat Nachahmer gefunden. Zum Beispiel Maria 2.0. Andrea Voß-Frick aus Münster hat gemeinsam mit anderen Frauen vor einem Jahr den ersten Kirchenstreik organisiert. Auch hier war der Missbrauchsskandal der Ausgangspunkt, erinnert sie sich:

"Wir haben einfach gesehen, dass die Kirche einen wesentlichen Anteil daran hat, die Täter zu schützen, die Taten zu verschleiern, und das war für uns zunehmend unerträglich. Für uns war klar: Entweder müssen wir was tun oder wir müssen gehen. Wir haben uns dann damals für das Bleiben entschieden und die Aktion Maria 2.0 gegründet." Andrea Voß-Frick aus Münster

Der Synodale Weg: Die letzte Chance?

Die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens sind längst in der Mitte der deutschen Kirche angekommen. Der Synodale Weg ist eine Chance, sie umzusetzen - vielleicht die letzte:

"Die ganzen Themen wurden 25 Jahre lang abgelehnt, es wurde nicht aufgegriffen. Es ist viel Zeit vergangen und diese Zeit fehlt uns heute." Edgar Büttner aus Bad Aibling

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