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"Wir leben Sport": Ein ländlicher Sportladen in der Krise | BR24

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Der lange Lockdown ist belastend für klassische Ladenbesitzer wie zum Beispiel "Sport Raith" in Bayerisch Eisenstein. Trotzdem schafft es das Fachgeschäft einigermaßen durch die Krise - mit guten Ideen und Engagement.

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"Wir leben Sport": Ein ländlicher Sportladen in der Krise

Der lange Lockdown ist belastend für klassische Ladenbesitzer. Trotzdem schaffen es Fachgeschäfte einigermaßen durch die Krise - mit guten Ideen und Engagement. Ein Beispiel aus der Grenzgemeinde Bayerisch Eisenstein.

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Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Der Lockdown wurde erneut verlängert - belastend für klassische Einzelhändler. So auch für "Sport Raith" in Bayerisch Eisenstein (Lkr. Regen). Trotzdem meistert das Fachgeschäft die Krise - durch einen Online-Shop, Beratung im Netz und durch den Einstieg der Tochter in den Familienbetrieb.

Mit Online-Shop durch die Pandemie

"Wir leben Sport": In dem 400 Quadratmeter großen Laden in der kleinen Grenzgemeinde Bayerisch Eisenstein ist das kein bloßer Marketingspruch: Lisa-Marie Raith, 28, und ihr Vater Heinz-Jörg Raith, 54, sind beide aktive Sportler, spielen im Sommer Fußball und Tennis, fahren im Winter Alpin-, Langlauf- oder Tourenski. Die Tochter ist als Kind Rennen gefahren, war sogar im Bayerischen Landeskader.

Beratung selbst im Lockdown wichtig

Wichtig ist Vater und Tochter die Beratung, selbst beim Online-Shop. Den hat Lisa-Marie während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 gegründet: "Ich sehe die Krise als Chance, uns zu digitalisieren. Wir haben einen Online-Shop gemacht, wir sind insgesamt digitaler geworden, mit Kassensystem, mit Waren-Wirtschaftssystem. Das sind alles Sachen, die die Krise mitbringt und die wir anpacken müssen."

Lisa-Marie Raith berät zum Beispiel Kunden via Facetime, führt Skiausrüstung mit der Handykamera vor. Call oder Click and Collect, das auch die Stammkunden nutzen, hilft dem Fachgeschäft nun zumindest ein Stück weit durch die Krise.

Weite Welt - und dann doch zurück in den Bayerischen Wald

Lisa-Marie, die älteste der drei Raith-Töchter, wollte nach dem Abitur erstmal raus aus dem Dorf und rein in die weite Welt. Sie hat in Regensburg, später in der Nähe von Wien, Betriebswirtschaft studiert, mit dem Master in Produktmarketing und Innovationsmanagement. Sie war in Australien, hat im Sportsponsoring gearbeitet, dort prominente Sportler wie zum Beispiel die Biathleten Laura Dahlmeier und Arnd Peiffer getroffen. Dann kehrte sie 2019 zurück in den Bayerischen Wald: "Ich bin in unserem Laden aufgewachsen und es hat sich dann rauskristallisiert: Dieser Bezug zu den Kunden, das Zwischenmenschliche, das hat mir einfach gefehlt. Ich wollte zurück in die Heimat, zu meiner Familie, ins Geschäft."

Firmennachfolge ist gesichert - keine Selbstverständlichkeit

Heinz-Jörg Raith hat gehofft, dass eine der drei Töchter in den Sportladen einsteigt, den seine Eltern 1963 als kleinen Schreibwarenladen mit Skiwerkstatt gegründet und später vergrößert haben. Heute beschäftigt er vier Festangestellte, die derzeit allerdings fast alle wegen des Lockdowns in Kurzarbeit sind, sowie zehn Minijobber. Aber in das Geschäft gezwungen hätte er keine der Töchter. Jetzt ist er froh, dass Lisa-Marie eingestiegen ist und den Laden in ein paar Jahren übernehmen wird. Denn ohne Firmennachfolge aus der Familie, glaubt er, muss man einen solchen Laden aufgeben. Das sei auch bei vielen in der Region schon passiert. Für die Kunden fehle dann ein Stück Qualität, das der unpersönliche Onlinehandel nicht ersetzen kann, und auch ein Stück Nachhaltigkeit.

Lockdown drängt Kunden in große Supermärkte

Heinz-Jörg Raith ist zwar Gegner des unüberlegten Päckchen-Hin-und-Herschickens im Onlinehandel. Aber die Coronakrise macht das Überleben der Kleinen nicht leichter, sagt er. "Man drängt dadurch, dass man die kleinen Läden zumacht, wo die Ansteckungsgefahr aber viel geringer ist, immer mehr Leute in die großen Supermärkte." Zusätzlich dürften die Discounter Artikel verkaufen, die Fachhändler auch vorrätig hätten, so Raith. Das sei ein Widerspruch.

Vater und Tochter wollen gestärkt aus der Coronakrise kommen. Das hoffen auch viele Stammkunden, die "Sport Raith" momentan online die Treue halten. Sie sollen hoffentlich bald wieder persönlich vor Ort einkaufen gehen können.

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