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"Wir könnten Kanzleramt" – 75 Jahre CSU | BR24

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Vor 75 Jahren wurde die Christlich-Soziale Union in Bayern gegründet. Doch auch hier fallen wegen Corona die Festivitäten bescheidener aus. Seit der Gründung hat sich die Partei immer wieder verändert und dem Zeitgeist angepasst.

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"Wir könnten Kanzleramt" – 75 Jahre CSU

Die Feier ist bescheiden: Nur ein paar Gäste verlieren sich in der Hanns-Seidel-Stiftung. Aber das Selbstbewusstsein der CSU ist ungebrochen.

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Drei Minuten dauert es, da fällt sein Name zum ersten Mal: Franz Josef Strauß. Als er das 14. Mal erwähnt oder zitiert oder gepriesen wird, hört man auf zu zählen. Es reicht, um zu wissen: Strauß ist nach wie vor der Übervater der CSU.

Auch Markus Söder spricht oft von ihm: "Es gibt keinen, der so flexibel Politik weiterentwickelt hat, wie Franz Josef Strauß", sagt Söder an einer Stelle. Das Gespräch mit dem CSU-Chef ist Höhepunkt und Hauptteil dieser weitgehend virtuellen Feier in der Hanns-Seidel-Stiftung in München.

Ist Söder "ausbefördert"?

Nicht nur deshalb wirkt es streckenweise so, als habe Söder gewisse Chancen, irgendwann den Übervater Strauß abzulösen. In einem FAZ-Interview hat Söder heute selbst darauf hingewiesen, er sei "in der Doppelfunktion der jüngste Parteivorsitzende und Ministerpräsident, den es in der CSU je gab". Er sei damit "quasi ausbefördert". Eine neue Variante, mit der er sein Desinteresse am Kanzleramt glaubhaft zu machen sucht - einerseits.

Andererseits wirft Söder die Frage nach der Kanzlerkandidat selber auf. Das gute Verhältnis zur CDU zeige sich auch darin, "dass jetzt sogar darüber nachgedacht wird, sogar mal einem CSUler wieder etwas anzuvertrauen".

CSU-Generalsekretär Markus Blume hat es in einem sehr lesenswerten, selbstironischen Jubiläumsessay heute so formuliert: "Können täten wir Kanzleramt schon, aber brauchen tun wir's nicht unbedingt."

"Wir sind Bayern"

Was die CSU braucht, ist Bayern. Umgekehrt galt das auch lange, jedenfalls für die Wähler: Seit 63 Jahren regiert diese Partei den Freistaat ununterbrochen. Es gab viele absolute Mehrheiten, ab 2003 sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag.

Beides ist Vergangenheit. Momentan jedenfalls, womöglich dauerhaft. Ihren Anspruch aber erheben die Christsozialen unverdrossen: "Wir sind Bayern", schreibt Blume in seinem Essay. Söder sagt es in der Hanns-Seidel-Stiftung so: "Die Einzigartigkeit Bayern zu erhalten, ist immer oberstes Primat." Soll heißen: wer, wenn nicht wir?

Seehofer fehlt - wieder mal

So haben es auch seine Vorgänger gesehen. Edmund Stoiber, Theo Waigel, Erwin Huber sitzen, jeweils von drei leeren Stühlen getrennt, in der ersten Reihe des dünnen Publikums. Nur ein lebender Ex-Vorsitzender fehlt: Horst Seehofer hat sich entschuldigen lassen - wieder mal. Dass ihm sein demonstratives Desinteresse an der Partei irgendwann mal leid tut, ist indes unwahrscheinlich: "Anders machen würde ich überhaupt nichts", sagt Seehofer in bestimmtem Tonfall in einem Video, das bei der Feier zugespielt wird. Auch die anderen Ex-Vorsitzenden kommen darin zu Wort. Außer Seehofer würde jeder von ihnen im Rückblick etwas anders machen. Edmund Stoiber sagt zum Beispiel, würde seine Reformen besser erklären. Theo Waigel würde sich nicht mehr darauf verlassen, dass das Amt zum Mann kommt, sondern stärker für seine Wunschämter kämpfen.

Hoffnungsträger Markus Söder

Auch Markus Söder würde vielleicht etwas anders machen, im Rückblick: Im Frühjahr hatte er bei einer Corona-Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel gesagt, Urlaub mache man im Süden oder Norden, "der Westen ist nicht dabei". Das wird ihm seither als unnötige Stichelei gegen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ausgelegt. Heute nun sagte Söder, "alle Bundesländer sind toll, auch NRW".

Söder weiß, er ist der Hoffnungsträger vieler Unionspolitiker, auch in der CDU. Das zeigen die Umfragen, nach wie vor. Aber er weiß auch, "Umfragen sind heute wie Flugsand". Stand heute hat die CSU eine einzigartige Erfolgsquote vorzuweisen: Über fast 95 Prozent ihrer Geschichte stellte sie den bayerischen Ministerpräsidenten.

Zitate - anders als gedacht

Anscheinend macht das so souverän, dass Markus Blume in seinem Essay mit einem Mythos aufräumen kann: Die Formel "Laptop und Lederhose" werde Edmund Stoiber fälschlicherweise zugeschrieben. Sie stamme tatsächlich von Bundespräsident Roman Herzog.

Andererseits schreibt Blume auch etwas von einer "Interpretationshilfe von Horst Seehofer: Politik beginne mit der Betrachtung der Wirklichkeit". Dieser Satz stammt in Wahrheit von Kurt Schumacher.

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