BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Michael Wagner
Bildrechte: BR/Wagner

Die Arbeit im Homeoffice hat viele Vorteile. Was das Wir-Gefühl im Betrieb angeht, ist das Büro zu Hause aber nicht der Bringer. Es gibt allerdings Unternehmen, die zeigen: Teamgeist in Corona-Zeiten ist nur eine Frage der virtuellen Kreativität.

7
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wir-Gefühl im Betrieb trotz Homeoffice-Isolation? So klappt's!

Fast jeder und jede dritte Beschäftigte in Deutschland arbeitet schon im Homeoffice. So ganz allein vorm Bildschirm ohne Kolleginnen und Kollegen, was bleibt da noch übrig vom betrieblichen Teamgeist? Viel – mit den richtigen Kommunikationsformaten.

7
Per Mail sharen
Von
  • Michael Wagner
  • BR24 Redaktion

Die Corona-Pandemie hat unsere Welt auf den Kopf gestellt. Auch unser Arbeitsalltag ist nicht mehr der gleiche. Hier gilt, egal in welchem Beruf: Abstand halten. Bei Bürojobs bedeutet das nicht selten den Wechsel ins Homeoffice.

Die gemütliche Runde in der Mittagspause, Gerüchte austauschen bei einem kurzen Plausch am Kaffeeautomaten, das war einmal. Die Arbeit im Homeoffice hat viele Vorteile – was das Wir-Gefühl im Betrieb angeht, ist das Büro zu Hause augenscheinlich aber nur bedingt der Bringer. Es gibt allerdings Unternehmen, die zeigen: Teamgeist in Corona-Zeiten ist nur eine Frage der virtuellen Kreativität.

Virtuelle Kaffeepause als Firmenritual

Es ist Montag Nachmittag, kurz nach 15 Uhr. Die zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ingenieurbüros Bulicek in Passau stoßen die Tassen in die Luft gereckt an. Sie haben Kaffeepause – nicht in Wirklichkeit, aber eben virtuell. Hauptgesprächsthema: die firmeninterne Maidult vom vergangenen Wochenende.

Kreativ gelöst: ein Besuch auf der Maidult

Auch die hat ganz Corona-konform virtuell stattgefunden. Nachdem die Passauer Maidult, wie so viele Volksfeste in Bayern, Corona-bedingt ins Wasser gefallen war, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach ihre firmeninterne Alternative auf die Beine gestellt. Gläser und Getränke wurden mit der Post fürs gemeinsame Prosit zu den Mitarbeitenden nach Hause geschickt, dazu gebrannte Mandeln, Brezen und Weißwürste.

Zu 100 Prozent im Homeoffice-Betrieb

Ein voller Erfolg für das Team des Ingenieurbüros. Jetzt, in der virtuellen Kaffeepause, lassen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Abend Revue passieren. Die virtuelle Kaffeepause gehört zum festen Ritual für das Team. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Ingenieurbüro mit Sitz in Passau und München zu 100 Prozent auf Homeoffice umgestellt.

Lockere Runden fürs soziale Miteinander

Seitdem arbeiten die rund 60 Mitarbeitenden von zu Hause aus. Da wird der Zusammenhalt im Team zum echten Thema: "Gerade so lockere Runden wie mit der Kaffeepause oder der Maidult daheim fördern halt das soziale, flache, unkomplizierte Miteinander total", sagt Tobias Fürstenberger, der als Projektingenieur für den Firmenstandort in München arbeitet, "man sieht sich jetzt gar nicht mehr im Büro. Und dann am Abend mal eine Gaudi oder wie jetzt bei der Kaffeepause, da lernt man jeden eigentlich persönlich und privat kennen und das ist schon wichtig."

Wir-Gefühl durch Virtualität auch im Großunternehmen

Was bei mittelständischen Unternehmen funktioniert, geht auch im großen Stil. Das zeigt zum Beispiel die Firma Dehn aus Neumarkt in der Oberpfalz. Das Elektrotechnik-Unternehmen beschäftigt rund 2.000 Mitarbeitende, davon etwa 500 im Ausland. Das Unternehmen hat eine Corona-Taskforce gegründet. Diese kümmert sich auch um das soziale Miteinander im Betrieb. Das Ziel: "Rituale schaffen, um auf sozialer Ebene mit den Kollegen in Austausch zu kommen", erklärt Eva-Maria Kerschensteiner, die Teil der Corona-Taskforce ist.

Kaffeemaschinen-Gespräche trotz Homeoffice

Auch hier gehört eine virtuelle Kaffeepause zum festen Arbeitsrhythmus für die Mitarbeitenden: Zweimal pro Woche kann sich, wer will, zum informellen Plausch einklinken. Organisiert werden die Kaffeepausen von den einzelnen Abteilungen selbst: "Miteinander einen Kaffee trinken, sich austauschen, Gespräche führen, die man normalerweise an der Kaffeemaschine führt – dafür muss man sich einfach Zeit nehmen", so Kerschensteiner von der Corona-Taskforce.

"Walk and Talk" und virtuelles Laufevent

Und auch in der echten Welt wird gegen die soziale Isolation im Team gearbeitet. Dabei hilft unter anderem das "Walk and Talk"-Prinzip. Kolleginnen und Kollegen gehen miteinander spazieren. Im letzten Jahr hat das Unternehmen ein virtuelles Laufevent auf die Beine gestellt. Am einem Wochenende konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre gelaufenen oder geradelten Kilometer zählen, dafür gab es Gutscheine für die lokale Gastronomie.

IHK: "Attraktive Arbeitgeber" führen virtuelle Formate ein

Der soziale Zusammenhalt, heißt es von der IHK Regensburg für Oberpfalz und Kelheim, sei in Unternehmen nach wie vor sehr wichtig. Einige Unternehmen hätten deshalb bereits auf digitale soziale Events umgestellt. "Unternehmen, die so was anbieten, werden auch von den Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen", so Sibylle Aumer, Bereichsleiterin Standortpolitik der IHK, "Und es ist auch ein wichtiges Instrument, um Mitarbeiterbindung zu betreiben."

"Eine Betriebsfamilie": Handwerkskammer zuversichtlich

Bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist die Mitarbeiterbindung kein Thema. Auch während der Corona-Pandemie wird weiterhin im Betrieb oder auf der Baustelle zusammengearbeitet. Beim Handwerk, spielt Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz auf die Arbeit Homeoffice an, seien die Mitarbeiter Teil einer Betriebsfamilie und nicht nur eine anonyme Nummer.

Anonymität im Homeoffice: Zusatzmaßnahmen für Wir-Gefühl

Die Gefahr, im Homeoffice in der Anonymität zu versinken, hat auch der Chef des Passauer Ingenieurbüros, Hans Bulicek, erkannt und deshalb beschlossen, "den Mitarbeitern eine Heimat zu geben, dass sie wissen, in welchem Unternehmen sie arbeiten. Wenn Sie das nicht machen, dann stecken die Mitarbeiter ihren Stecker in die Steckdose und wissen eigentlich nicht, in welcher Gemeinschaft sie tätig sind. Wenn also sehr viel Homeoffice gemacht wird, dann muss man durch Zusatzmaßnahmen ein Wir-Gefühl erzeugen. Das ist ganz wichtig für die Produktivität und das Wohlfühlgefühl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

💡 Deutschland im Homeoffice

Berechnungen des Münchner ifo-Instituts haben jüngst ergeben, dass im März 2021 rund ein Drittel (31,7 Prozent) aller Beschäftigten in Deutschland im Homeoffice arbeiten. Kleinere und mittlere Unternehmen haben demnach wesentlich weniger auf Homeoffice umgestellt als Großunternehmen. Seit 27. Januar sind Arbeitgeber in Deutschland verpflichtet, ihre Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten zu lassen, sofern keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen bestehen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind wiederum verpflichtet, diese Angebote anzunehmen. Das geht aus der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervor. Die Verordnung gilt laut Arbeitsministerium bis 30. Juni 2021. Das Münchner ifo-Institut kommt zu dem Schluss, dass insgesamt 56 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland im Homeoffice arbeiten könnten.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!