Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

PRO: Wir brauchen mehr Fahrradwege in der Stadt! | BR24

© Diane Dotzauer

Diane Dotzauer

4
Per Mail sharen
Teilen

    PRO: Wir brauchen mehr Fahrradwege in der Stadt!

    Am liebsten fahre ich alles mit dem Rad. Ich bin so sozialisiert, ich mache das schon immer so. Früher Kilometer übers Land, heute Kilometer mitten durch München, bei Wind und Wetter. Ich finde: Radfahren ist das einzig Wahre in dieser Stadt.

    4
    Per Mail sharen
    Teilen

    Ja, es ist das Beste für die Umwelt – neben zu Fuß gehen. Aber das wissen Sie eh. Und ja, man erspart sich, irgendwo im Park ein paar Runden zu laufen. Fahrradfahren ist nämlich Ausdauertraining (haben Sie aber sicher auch schon mitbekommen); besonders, wenn einen der Ehrgeiz packt und man sich im Englischen Garten in den Windschatten eines etwas irritierten Profiradlers klemmt. Wenn man leicht angeschwitzt zu Hause ankommt, weiß man, dass man heute schon Sport gemacht hat. Einfach so nebenbei. Und die schlechte Luft? Laut einer Studie ist der Fitness-Effekt größer als der Schaden, den die Lunge nehmen könnte. Glück gehabt.

    Nur das Fahrrad kann den Verkehrs-Kollaps verhindern

    Das hier haben Sie sicher auch schon mal gehört: Zu Dauerstau, Parkplatzwahnsinn, Sardinendosen-S-Bahn und U-Bahn-Mief gibt es als schnelle Alternative nur das Fahrrad. Es kann den Kollaps verhindern, wenn München das möchte. Andere Städte in Europa machen es vor: Amsterdam, Kopenhagen. Dort fährt über die Hälfte der Einwohner Rad. Sogar Berlin bekommt jetzt eine vier Meter breite Extra-Spur im Stadtteil Mitte. Berlin!

    Beim Radeln die Stadt wahrnehmen

    Wenn ich durch München radle, nehme ich diese Stadt unmittelbar wahr, keine Autoscheibe trennt mich: Wetter, Licht, Laub, Leute, Gerüche – Schönes und weniger Schönes, alles gehört dazu. Ich verspreche Ihnen: Sie werden Strecken und Dinge entdecken, von denen Sie gar nicht wussten, dass es sie gibt. Es liegt alles auf dem Weg: Bäcker, Metzger, Möbel, Blumen, Schuhe, Apotheke, Schreibwaren, Schmuck und Wochenmarkt. Bei Letzterem hole ich mir meine Rhabarbermarmelade. Auto und U-Bahn führen mich dran vorbei oder unten durch. Kein Rad, kein Wochenmarkt, keine Rhabarbermarmelade, keine guter Start in den Tag.

    Radler haben zu wenig Platz in München

    Aber was machen wir denn nun mit der Münchner Fahrradhölle? Einfach los? Trotz Fußgängern, die plötzlich auf den Radlweg laufen, und Beifahrern, die die Autotür just in dem Moment aufmachen, wenn man vorbeifährt? Trotz Gedränge auf den Straßen? Sie haben Recht, für Fahrradfahrer ist zu wenig Platz. Das dürfte längst jedem klar sein. Langjährige Radfahrer kommen damit gut zurecht, sie fahren mit allen Sinnen.

    Platz schaffen für Fahrradverkehr

    Meine Lebensversicherung sind meine Erfahrung, meine absolute Aufmerksamkeit und meine Klingel. Ich habe verinnerlicht, was ich im Verkehrsgarten gelernt habe: "Schau dem Autofahrer in die Augen, damit Du siehst, ob er Dich gesehen hat." Neueinsteiger sind damit überfordert, bekommen Angst und lassen ihr Radl lieber wieder schnell stehen. Deshalb muss die Stadt in die Fahrradinfrastruktur investieren, dem Fahrrad Raum geben. Das ist eigentlich längst keine Frage mehr. Bis dahin: Klein anfangen, im Viertel, den Nebenstraßen, Parks. Die kurzen Wege machen schon viel aus.

    BMW und MAN: "Baut Radwegenetz aus."

    Sogar Lastwagen- und Autobauer haben erkannt, dass der Kollaps droht, wenn nichts passiert. Mit der Stadt haben sie eine Initiative gestartet. BMW und MAN haben dabei tatsächlich vorgeschlagen: Baut in München und im Umland das Radwegenetz aus. Das sagt ja wohl alles.