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Winzer und Kommunen in Mainfranken auf dem Trockenen | BR24

© BR/Carolin Hasenauer

Weinreben am Hang über Würzburg.

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    Winzer und Kommunen in Mainfranken auf dem Trockenen

    Nein, es hat nicht genug geregnet. In ganz Unterfranken ist der Grundwasserspiegel erneut auf ein Minimum gesunken. Dabei ist das Grundwasser nicht nur für die Natur, sondern auch für unsere Trinkwasserversorgung entscheidend.

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    Ein alter Weinstock mit seinen bis zu zwölf Meter tiefen Wurzeln kann sich selbst am Grundwasser bedienen. Die jüngeren Lagen jedoch geraten bei der Trockenheit und Hitze im Juli in Unterfranken in extreme Wassernot. Dann müssen die Winzer ihre Weinberge selbst bewässern. "Damit die Rebe am Leben bleibt", erklärt Winzer Ludwig Knoll, Inhaber des Weinguts am Stein in Würzburg. Bisher hat er mit Grundwasser bewässert, das er aus genehmigten Brunnen erhält. Nachhaltig findet er das aber nicht. Deswegen rüstet er um.

    Speicherseen als nachhaltige Bewässerungstechnik

    Und zwar auf sogenannte Speicherseen. Mehrere hundertausend Kubikmeter Wasser können diese künstlich angelegten Seen fassen. Wasser, das aus dem Main abgepumpt wird, erklärt Daniel Heßdörfer von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau: "Der See wird in den Wintermonaten gefüllt, wenn der Main ohnehin viel Wasser hat. Und dieses Wasser wird im Sommer genutzt, um die Weinberge zu bewässern." Denn mit Grundwasser zu bewässern, das findet auch Heßdörfer alles andere als nachhaltig. So werden alternative Methoden künftig immer häufiger geplant und von der Bayerischen Staatsregierung gefördert. In Iphofen und Nordheim etwa sind dazu gerade die Machbarkeitsstudien abgeschlossen und es wird entschieden, wer den Zuschlag bekommt. Ein Pilotprojekt bei Thüngersheim dagegen zeigt schon im Kleinen, wie es geht. Solche Seen werden in heißen Klimazonen bereits seit vielen Jahren genutzt.

    Keine Verbote oder Einschränkungen geplant

    Nicht nur die Winzer und Landwirte brauchen Grundwasser. Kommunen beziehen daraus ihr Trinkwasser. Dafür reichen die Bestände zwar noch aus, sagt Herbert Walter vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg. Trotzdem appelliert er, "dass man mit dem knappen Gut Wasser sparsam umgeht. Der Rasen etwa verträgt mal den ein oder anderen Tag ohne Wasser." Für grundsätzliche Verbote oder Einschränkungen sieht Walter wie auch seine Kollegen beim Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen keine Veranlassung. Einzig einzelne Kommunen haben Empfehlungen ausgesprochen, wie etwa Bad Königshofen im Grabfeld (Lkr. Rhön-Grabfeld).

    © picture-alliance/dpa

    Bewässerung Weinberge Escherndorf Franken

    Grundwasser in Unterfranken besonders knapp

    Denn wie die neuesten Messwerte des Bayerischen Landesamts für Umwelt zeigen, ist der Grundwasserspiegel in ganz Unterfranken erneut auf ein Minimum gesunken: Von 17 Messstellen, die das tiefere Grundwasser anzeigen, liegen die Werte bei nur drei Messstellen im grünen Bereich. Denn die Regenfälle im Februar und Juni haben nur die oberen Bodenschichten erreicht, sind nicht versickert und zum Teil wieder verdunstet. Der Juli ist nun vor allem in Nordbayern zu trocken ausgefallen, sodass die Grundwasserstände gesunken sind.

    Zisterne oder Regenkanister für privaten Gebrauch

    Wer dennoch seine Beete gießen will: Ludwig Knoll etwa hat eine unterirdische Zisterne auf seinem Weingut eingerichtet. "Hier fließt das gesamte Dachwasser vom ganzen Haus rein - insgesamt 50.000 Liter passen hier rein!" Wer also nicht gerade einen ganzen Weinberg hat, braucht nicht gleich einen großen Speichersee. Am liebsten mögen die Pflanzen ohnehin das Regenwasser - weil weniger Kalk drin ist als im Leitungswasser. Das fängt man ganz einfach im Tank, der Regentonne oder Zisterne auf, die mit der Dachrinne verbunden sind.

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