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Sibler: Mehr Normalität an Hochschulen im Wintersemester | BR24

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An den Unis und Hochschulen im Freistaat ist nach Angaben von Wissenschaftsminister Sibler (CSU) zum Wintersemester wieder mehr Präsenzlehre erlaubt.

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Sibler: Mehr Normalität an Hochschulen im Wintersemester

Bayerns Hochschulen sollen laut Wissenschaftsminister Sibler im Wintersemester ein Stück zurück zur Normalität: Es sollen mehr Präsenzveranstaltungen möglich werden. Der Gesundheitsschutz stehe aber an erster Stelle. SPD und Grüne üben Kritik.

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Der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) hofft im Wintersemester auf mehr Normalität an den Hochschulen im Freistaat. Sein Ziel sei, dass grundsätzlich "wieder mehr Lehrveranstaltungen im Präsenzbetrieb stattfinden", sofern es das Infektionsgeschehen zulasse, sagte Sibler heute in München. Völlige Normalität sei aber wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Die Lage in Ländern wie Israel, den USA und Brasilien lehre Demut. Es sei weiter Vorsicht geboten, deswegen müsse der Gesundheitsschutz an allererster Stelle stehen.

Für Präsenzveranstaltungen wird es dem Minister zufolge einen verbindlichen Rahmen geben: Maximal 200 Personen dürfen demnach daran teilnehmen. Während der Präsenzveranstaltungen müssten die Teilnehmer keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Innerhalb der Gebäude müssen Mund und Nase dagegen bedeckt werden, laut Sibler gilt das dort, "wo sich viele Menschen begegnen". Bei praktischen Übungen, beispielsweise in der Zahnmedizin, sei ein Mund-Nasen-Schutz ohnehin üblich.

Alle Teilnehmer einer Vorlesung werden erfasst

Zur Nachverfolgung von Infektionsketten müssen nach Angaben Siblers die Kontaktdaten von allen Teilnehmern einer Präsenzveranstaltung erfasst werden. Der Minister rechnet für das Wintersemester mit einem Nebeneinander von Online- und Präsenzlehre. Er sei sich sicher, dass die Hochschulen einen "gelungenen Mix" finden werden - "abgestimmt auf die Schwerpunkte der einzelnen Hochschule und mit Blick auf die Bedürfnisse ihrer Studentinnen und Studenten".

Das bayerische Kabinett hatte bereits am Dienstag beschlossen, die Wiederaufnahme des Präsenzbetriebs an bayerischen Hochschulen zum Wintersemester 2020/2021 zu ermöglichen. Nach der aktuellen Verordnung zum bayerischen Infektionsschutzgesetz sind nur spezielle Praxis-Übungen erlaubt, etwa in Laboren. Möglich sind derzeit auch kleinere Seminare mit bis zu 30 Teilnehmern, sofern sie nicht digital durchgeführt werden können.

Plan B: Digitales Wintersemester

Sollte die Zahl der Infektionen deutlich steigen, sind die Hochschulen laut dem Minister alle für ein erneutes digitales Semester gerüstet. Sibler zufolge könnte in diesem Fall auch das kommende Wintersemster nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet werden. Er hoffe das aber nicht, betonte der Wissenschaftsminister.

SPD: Konzept hat "wenig Substanz"

Die SPD im bayerischen Landtag hält die Pläne nicht für ausreichend. Zwar sei zu begrüßen, dass auch größere Veranstaltungen wieder in Präsenzlehre durchgeführt werden können, erklärte der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion, Christian Flisek. Darüber hinaus habe das Konzept aber wenig Substanz.

"Es kann nicht sein, dass am Ende die letzten im Glied, nämlich die Dozentinnen und Dozenten, diejenigen sind, die schwerwiegende Entscheidungen zu treffen haben", betonte Flisek. Stattdessen brauche es mehr Unterstützung - und zwar "zentral vom Ministerium".

Hochschulverband warnt: Räume fehlen

Ein anderes Problem sieht der Hochschulverband. Laut dem bayerischen Landesvorsitzenden Max-Emanuel Geis fehlen schlicht die Räume, um die Abstandsregeln in der Präsenzlehre zu garantieren. "Zweihundert Studierende sind unter Beachtung der immer noch geltenden Sicherheitsabstände kaum in einem normalen oder einem großen Hörsaal unterzubringen", betonte Max-Emanuel Geis, selbst Jura-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. So fasse etwa das Audimax in Erlangen 600 bis 700 Leute. "Aber unter Sicherheitsgesichtspunkten sind gerade mal 85 Plätze belegbar", sagte Geis dem BR.

Grüne: Verbindliche Vorgaben fehlen

Auch die Landtags-Grünen kritisieren Siblers Konzept. "Im Fall einer zweiten Welle befürchten wir, dass viele Studierende auf der Strecke bleiben", sagte die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Verena Osgyan. Ihr zufolge werden viele Studierende "Probleme mit Regelstudienzeiten, Prüfungen, BAföG und der allgemeinen Lernsituation bekommen". Deshalb braucht es laut Osgyan noch bis zum Start des Wintersemesters "verbindliche und konkrete Vorgaben und Planungen für Alternativszenarien" - etwa für Prüfungen und Staatsexamina.

Vorlesungszeit an Universitäten beginnt später

Tatsächlich verschiebt sich heuer die Vorlesungszeit an den bayerischen Universitäten um rund zwei Wochen, wie Wissenschaftsminister Sibler erläuterte. Sie werde vom 2. November bis 26. Februar dauern. Die Universitäten könnten die Vorlesungszeit aber um zwei Wochen verkürzen, wenn der Unterrichtsstoff gut vermittelt werden könne. Diese Regelung solle für mehr Flexibilität sorgen. Für die höheren Fachsemester in Humanmedizin, Molekularer Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie kann die einzelne Universität laut Ministerium beschließen, dass die Vorlesungszeit vom 12. Oktober bis 5. Februar dauert.

An den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen Hochschulen wird die übliche Vorlesungszeit vom 1. Oktober bis zum 25. Januar dauern. Eine Ausnahme bilden die Studienanfänger in zulassungsbeschränkten, grundständigen Studiengängen, die zentral vergeben werden. Für sie soll die Vorlesungszeit am 2. November beginnen und am 19. Februar enden.

Sibler: "Kein verlorenes" Sommersemester

Mit Blick auf das zurückliegende Sommersemester betonte Sibler, es sei "kein verlorenes Semester" gewesen. Auch bei den Prüfungen sei vieles erreicht worden. Zudem wolle man für die Zukunft die "Errungenschaften der Online-Lehre beibehalten".

Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Bayerische Landtag bereits Anfang Juni mit großer Mehrheit beschlossen, das Sommersemester 2020 nicht auf die Regelstudienzeit anzurechnen. Sibler betonte, dass sich die entsprechenden Fristen für die Studierenden automatisch verlängern. Das gelte auch für die Höchstbezugsdauer bei Bafög-Zahlungen.

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