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Winterschäden im Bergwald | BR24

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Wenn der Schnee schmilzt, kommen die Schäden zum Vorschein, die Sturm und Schneemassen im Wald angerichtet haben. Das viele frische Bruchholz ist im Wortsinne gefundenes Fressen für ein kleines, aber gefürchtetes Insekt: den Borkenkäfer.

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Winterschäden im Bergwald

Zuerst kam der Schnee, dann gab's die Stürme. Der Bergwald wurde in diesem Winter arg in Mitleidenschaft gezogen. Schnelle und kluge Forstarbeit ist nun das Gebot der Stunde.

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Ende März liegt Neuschnee auf der Südflanke des Grüntens bei Immenstadt. Späte Schneefälle sind in den Allgäuer Alpen zwar nicht ungewöhnlich, doch gerade heute kommt es unpassend für zwei Mitarbeiter der Bayerischen Forstverwaltung. Man komme "gar nicht ganz rauf", weil so viel Schnee liegt, sagt Jochen Kunz von der "Fachstelle für Schutzwaldmanagement", der sich mit seinem Revierleiter Max Bach an diesem Tag einen ersten Eindruck von den Winterschäden im Bergwald mach will.

Schäden durch Schnee, Wind - und Gefahr durch Käfer

Er wisse "von Windwürfen vom letzten Jahr" und erwarte "bei dem vielen Schnee und dem schweren Schnee, und dem oft starken Wind", dass da wohl auch noch mehr auf die Förster zukommt. Doch noch bevor die beiden an diesem Tag im Wald etwas zu sehen bekommen, gibt es etwas zu hören. Schon von weitem dringt der Lärm von Kettensägen durch den Wald.

Die Straße sei seit einigen Tagen endlich befahrbar, so Revierleiter Max Bach und der Waldbesitzer hat die Gelegenheit ergriffen, beschädigte Bäume so früh wie möglich zu entfernen. Auch weil ein altes Käfernest im Bestand sei, das "jetzt aufgearbeitet werden muss bevor die Käferzeit dieses Jahr wieder los geht."

Die Gefahr, dass der Borkenkäfer sich bei warmen Temperaturen schnell verbreiten kann ist in diesem Jahr besonders hoch, so Bach. Die vielen umgeworfenen Bäume in diesem Winter müssen möglichst schnell aus dem Wald gebracht werden, "um den Borkenkäfer das Brutmaterial zu entziehen."

Waldpflege: Eine Kunst für sich

Zeit ist für die Waldpflege ein wichtiger Faktor und es ist eine eigene Kunst, diese gefährliche Arbeit schnell zu verrichten. Denn zu den vielen geworfenen Bäumen, die eine perfekte Brutstätte für Borkenkäfer oder Buchdrucker-Käfer, der schlimmste Feind der Fichten, darstellen kommt noch eine Förster-Erkenntnis: Auf einen trockenen Sommer folgt ein Borkenkäferjahr - und das macht den Förstern Sorgen.

Im Bergwald: Schwierige Arbeitsbedingungen

Während in Talnähe noch Maschinen helfen können, ist in den alpinen Gipfelregionen des Schutzwaldes mühsamste Handarbeit im Steilgelände an der Tagesordnung.

Max Bach und Jochen Kunz erreichen eine freie Fläche, die wie eine Wunde im Bergwald schon von weitem sichtbar ist. Käferbefall und Sturmereignisse des vergangenen Jahres haben diese Schadfläche verursacht und der zurückliegende Winter hat die Situation hier oben noch verschärft. Eile ist geboten, um der Gefahr von Erosion entgegenzuwirken, denn die Fläche befindet sich oberhalb des Ortes Burgberg. Wenn dieser Bergwald nicht gesichert wird steigt die Gefahr von Lawinen und Steinschlag, die den Ort bedrohen. "Das versuchen wir jetzt zu verhindern, indem wir diese freie Fläche schnellstmöglich wieder aufforsten“, sagt der Förder Jochen Kunz.

Wiederaufforstung durch Wildtiere gefährdet

Insgesamt 10.000 Jungbäume sollen hier gesetzt werden, allesamt Leckerbissen für Reh, Gams und Rotwild. Das fragile Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Wildbestand zu erhalten ist ein ebenso schwieriges Unterfangen wie die Bejagung in solch unwegsamen Gelände selbst. Waldbesitzer und Jäger müssen hier eng zusammen arbeiten.

Fehlt die weibliche Sicht auf die Forstwirtschaft?

In dem betroffenen Waldgebiet, das Jochen Kunz und Max Bach an diesem Tag besuchen sind insgesamt 27 unterschiedliche Waldbesitzer verzeichnet. "Was hier auffällt ist, dass viele Waldbesitzerinnen eine ganz andere Denkweise und Herangehensweise haben. Da bleibt auch mal ein Totholz stehen. Das Wirtschaftliche steht nicht im Vordergrund, sondern die sehen den Zustand des Waldes als wichtig“, fällt Jochen Kunz auf.

Und vielleicht bietet im männerdominierten Forstbetrien diese weibliche Sicht auf die Dinge eine zeitgemäße Lösung für altbekannte Probleme? Denn der Wald ist so viel mehr als ein reiner Wirtschaftsfaktor. Er ist Schutz, er ist Erholung und er letztlich auch einfach nur schön.