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Winter im Allgäu: Tourismusboom trifft auf Fachkräftemangel | BR24

© BR/Katharina Reichart

Blick auf den Berggasthof Seeweg bei Oberstdorf

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Winter im Allgäu: Tourismusboom trifft auf Fachkräftemangel

Eingeschränkte Öffnungszeiten, reduzierte Speisekarten und Marketingmitarbeiter hinterm Tresen – vor allem jetzt im Winter zeigt sich der Fachkräftemangel bei Hotel- und Gaststättenbetrieben im Allgäu. Die Touristen sollen davon aber nichts merken.

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Eigentlich könnten die Hotel- und Gaststättenbetriebe im Allgäu zufrieden sein. Der Tourismus boomt, gerade in der Wintersaison kommen immer mehr Urlauber in die Region. Doch trotzdem wird die Arbeit für viele Betriebe immer schwieriger. Grund dafür ist der Fachkräftemangel.

Küchen- und Servicepersonal fehlt

Laut Ulrike Weber von der IHK Schwaben finden 75 Prozent der schwäbischen Hotel- und Gaststättenbetriebe über längere Zeit kein qualifiziertes Personal mehr. Vor allem an Küchen- und Servicepersonal fehlt es, aber auch die Besetzung der Rezeption sei schwierig. Größere Hotels können dies oft noch abfangen, indem etwa Mitarbeiter anderer Bereiche kurzfristig einspringen. Kleineren Gasthöfen bleibt oft aber nur, die Öffnungszeiten einzuschränken und Ruhetage einzuführen.

Oft finden Hotels nur Hilfskräfte

Über einen solchen Ruhetag denkt auch Wirtin Johanna Schall vom Berggasthof Seeweg bei Oberstdorf nach. Seit dem Sommer hat sie nach Personal gesucht, gefunden hat sie gerade mal drei Hilfskräfte.

"Ich müsste in der Küche stehen, ich müsste an der Theke sein, ich putze seit letztem Jahr selber die Zimmer und die Toiletten. Ich steh einfach im Winter jeden Tag da, weil entweder fehlt jemand oder es hat jemand frei und so geht das nicht weiter." Johanna Schall, Wirtin des Berggasthofs Seeweg bei Oberstdorf

Angebot bei Gaststätten und Hotels teilweise reduziert

Obwohl ihr Gasthaus direkt an der Piste liegt, muss Johanna Schall nun wohl einen Tag in der Woche zumachen. Außerdem vermietet sie nur noch die Hälfte der Zimmer und musste die Speisekarte reduzieren. Trotzdem kommt Johanna Schall langsam an ihre körperlichen Grenzen, denn Urlaubs- oder Ruhetage kann sie sich selbst nicht leisten. Und das ist nicht das einzige Problem, dass der Fachkräftemangel mit sich bringt.

"Man muss Leute einstellen, die man nicht einmal gesehen hat. Ich habe einen Kellner eingestellt, mit dem habe ich nur telefoniert. Ich habe nicht gewusst, was auf mich zukommt." Johanna Schall, Wirtin des Berggasthofs Seeweg bei Oberstdorf

Lange und unflexible Arbeitszeiten schrecken ab

Als Grund dafür, dass die Zahl der Fachkräfte und Auszubildenden im Gastgewerbe deutlich sinkt, sieht die IHK die langen und oft unflexiblen Arbeitszeiten. Laut Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH setzen viele Betriebe deshalb inzwischen auf Prämien und Belohnungssysteme, um Auszubildende zu finden oder diese an den Betrieb zu binden. Auf diese Art versucht es auch Dirk Steffen Sander, Hoteldirektor des Hotels Edita im Westallgäu.

"Ich muss dem Mitarbeiter heute was bieten können - ob das soziale Leistungen sind, geregelte Arbeitszeiten, dass sie Mitarbeitern von auswärts eine Personalwohnung stellen. Ein guter Mitarbeiter kann sich heute entscheiden, wo er hingehen möchte." Hoteldirektor Dirk Steffen Sander

Im Notfall muss aber auch im Hotel Edita die Marketingleiterin den Abenddienst an der Theke übernehmen. Johanna Schall vom Berggasthof Seeweg plant nun, ihr Stammpersonal das ganze Jahr über zu beschäftigen, um so keinen Ruhetag einführen zu müssen. Die Touristen sollen von der angespannten Lage erstmal nichts merken.