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Bildrechte: BR/ Carolin Hasenauer

In der Gemeinde Altertheim (Lkr. Würzburg) haben Bürgerinnen und Bürger eine Genossenschaft gegründet, um klimafreundliche Windräder zu bauen. Neben viel Bürokratie erschwert ihnen vor allem die sogenannte 10 H-Regel die Arbeit.

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Windkraft: Unterfranken will hoch hinaus

Windenergie spielt derzeit mit mehr als 50 Prozent Anteil die tragende Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Eine unterfränkische Gemeinde will den Weg mitgehen. Die 10H-Regelung sorgt allerdings noch für Gegenwind.

Von
Carolin HasenauerCarolin Hasenauer
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200 Meter ragt das Windrad in der Nähe von Altertheim (Lkr. Würzburg) in die Höhe. Optisch und technisch unterscheidet es sich nicht von den anderen, die hier auf der Anhöhe stehen. Doch es ist das einzige in diesem Windpark, das von einer Bürger-Genossenschaft finanziert wurde. Einer der Vorsitzenden der Bürger-Energie Altertheim ist Herbert Friedmann: "Der Wind ist für alle da und wir wollen ihn nutzen. Wir wissen, dass wir aus der fossilen Energie aussteigen müssen. Der Energieverbrauch wird sich verdoppeln. Natürlich ist das irgendwo auch Idealismus – aber wir sind fst Rentner, wir machen das für unsere Enkel."

In Unterfranken steht ein Viertel er bayerischen Windräder

Ein Viertel aller Windkraftanlagen in Bayern steht in Unterfranken. Die meisten dieser 258 unterfränkischen Windräder drehen sich in der Region Würzburg. Insbesondere der kommunalen Bauleitplanung und den Gemeinden kommt eine besondere Rolle für den Ausbau der Windkraft in Bayern zu.

Bürger-Windrad kommt Gemeinde zugute

Herbert Friedmann hat vor fast zehn Jahren gemeinsam mit anderen Ortsansässigen die regionale Energie-Genossenschaft gegründet. 185 Mitglieder zählt sie – die Hälfte sind Bürger aus Altertheim. Als regionaler Betreiber mit Sitz in der Gemeinde, landen Gewerbesteuereinnahmen und Grundstückspacht wieder bei den Bürgerinnen und Bürgern – eigentlich eine tolle Sache!

Hohe Investitionskosten und etwa fünf Jahre Bauzeit

Doch nicht ohne Risiko: Bis zu viereinhalb Millionen Euro kostet es, bis so ein Windrad steht und ans Stromnetz angebunden ist. "Wenn man das Fundament hat, den Kranstellplatz, eine Zuwegung und Netzanbindung, dann kann man das Windrad hin schrauben. Das sind die Einzelkomponenten", sagt Karsten Schuster. Er ist Regionalvorsitzender für Unterfranken beim "Bundesverband Windenergie". Gut fünf Jahre kann es dauern, bis sich das Windrad dann dreht.

Zahlreiche teure Gutachten nötig

Ganz zu Beginn müssen aber erstmal etwa zehn Gutachten eingeholt werden – allein das Umweltschutz-Gutachten kann bis zu 100.000 Euro kosten und mehrere Monate in Anspruch nehmen. In Altertheim waren die Gutachten alle schon eingeholt. Doch mittlerweile ist ein neuer Anlagentyp auf dem Markt. Technik und Höhe wurden optimiert. Für die Bürger-Genossenschaft bedeutet das im schlimmsten Fall: Alles auf Anfang.

Alles auf Anfang im schlimmsten Fall

"Wir müssen klären, inwieweit wir das ganze Planungsverfahren erneut durchziehen müssen mit Bürgerbefragung und so weiter. Oder ob der Gemeinderatsbeschluss ausreichen würde, zu sagen: Wir stimmen dem neuen Windrad, das halt sieben Meter höher ist, zu. Und es müsste die öffentliche Befragung nicht mehr stattfinden, was ja neben den Kosten auch Zeit beansprucht", erklärt Alfred Grimmer, der die Bürger-Energie Alterheim mitgegründet hat.

Uneinigkeit über 10H-Regelung in Staatsregierung

Und ein weiterer Punkt sorgt bei dem Projekt für Gegenwind: die sog. 10H-Regel. Die gilt in Bayern seit 2014 und besagt, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächste Wohnsiedlung entfernt sein muss. Während die CSU weiter daran festhält, sprechen sich nicht nur Umweltverbände gegen diese Abstandsregelung aus, auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern hat kürzlich erst gefordert, die 10H-Regel abzuschaffen.

Friedmann: 10H ergibt keinen Sinn mehr

Für Herbert Friedmann aus Altertheim wäre das nur logisch: "Die 10H-Regelung ist zu einer Zeit entwickelt worden als die Anlagen 60 Meter hoch waren – da hat das Sinn gemacht. Heute ist eine Anlage 250 Meter hoch." Zweieinhalb Kilometer wären da nötig bis zum nächsten Ort – undenkbar, sagt Friedmann: Zwischen den Gemeinden liegen selten die nötigen fünf Kilometer Abstand. Deshalb hat die Gemeinde diese sogenannte 10H-Regelung rechtmäßig umgangen, indem sie die geplanten Windräder im Flächennutzungs- und Bebauungsplan festgeschrieben hatte. "Nur da mussten wir exakt den Maschinentyp festlegen. Wir befürchten jetzt, dass alles wegen dieser Festlegung neu gemacht werden muss, weil es die Maschinen heute nicht mehr gibt."

Bürger-Energie Altertheim hofft auf 2024

Die große Frage in Zukunft ist: Wie sollen im relativ dicht besiedelten Bayern solch große Anlagen gebaut werden, ohne Konflikte zwischen Anwohnern und Betreibern zu provozieren? Friedmann und sein Kollege hoffen jetzt, dass der Gemeinderat den Planungen zustimmt und die Energie-Genossenschaft in Altertheim in zwei bis drei Jahren die erste Kilowattstunde einspeisen kann.

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