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Windkraft-Studie: Mehr Abstand bringt nicht mehr Akzeptanz | BR24

© picture-alliance/dpa

Symbolbild Windkraft

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    Windkraft-Studie: Mehr Abstand bringt nicht mehr Akzeptanz

    Der Ausbau der Windkraft stockt deutschlandweit und noch mehr in Bayern. Die CDU will einen bundesweiten Mindestabstand von einem Kilometer zwischen Windrädern und Siedlungen. Aus Sicht von Wissenschaftlern ist das ein eher ungeeignetes Instrument.

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    Seit zwei Jahrzehnten forscht die Umweltpsychologin Gundula Hübner von der Universität Halle-Wittenberg zum Thema Akzeptanz von erneuerbaren Energien. Sie hat eine ganze Reihe von Untersuchungen gemacht über die Einstellungen von Anwohnern zur Windkraft und deren Erfahrungen. Und betont:

    "Die Akzeptanz für Windkraft ist hoch. Wir müssen nicht die Akzeptanz schaffen. Wir müssen eine gute Umsetzung schaffen." Gundula Hübner, Umweltpsychologin

    Studien: Auch vor Ort ist überall eine stabile Mehrheit für Windräder

    Mehr als 90 Prozent der Bürger befürworten den Ausbau erneuerbarer Energien, nur ein Achtel fühlt sich gestört von Windrädern. Diese Zahlen haben bundesweiten Umfragen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergeben. Gundula Hübner kann die Ergebnisse mit ihren Untersuchungen prinzipiell bestätigen. Sie befragt direkt Anwohner in der Nähe von Windenergieanlagen, hat eine Reihe von Studien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA gemacht. "Wir sehen konstant, dass sich die Mehrheit der Anwohner und Anwohnerinnen für die Anlagen ausspricht", sagt Gundula Hübner. Die Menschen, die gegen die Anlagen sind, seien in der Minderheit - auch wenn teilweise 30 oder wie in einem Fall bis zu 40 Prozent dagegen seien. "Aber die Mehrheit ist positiv eingestellt."

    In Bürgerversammlungen und auch bei Bürgerentscheiden zeige sich freilich häufig ein anderes Bild. Das liege daran, dass die Windkraftgegner aktiver sind, sagt die Forscherin. Die Anti-Windkraft-Aktivisten seien häufig ältere Menschen mit größerem Zeitbudget. Junge Familien beispielsweise würden durch die etablierten Formen der Bürgerbeteiligung oft nicht erreicht.

    Drei bis zehn Prozent gestört von Windrad-Geräuschen

    Ein weiteres Ergebnis: Wenn die Windräder erstmal gebaut sind, verblassen viele Befürchtungen, die vorher geäußert wurden – etwa zum Thema Lärm und Immobilienpreise. Es gebe allerdings Anwohner, die auch auf sehr leise Geräusche mit Stress reagierten. Betroffen seien relativ wenige, je nach Studie mal unter drei Prozent, meist um die fünf und maximal zehn Prozent der Anwohner. Deutlich mehr würden angeben, dass sie durch Verkehr oder landwirtschaftliche Maschinen gestört werden.

    Abstand irrelevant für erlebte Belästigungen

    Durch technische Änderungen an den Windrädern sei zum Teil Abhilfe möglich – etwa durch eine Veränderung der Windradgeometrie, die die Geräusche so beeinflusst, dass sie weniger stören. Mindestabstandsregeln seien jedoch ungeeignet, um Anwohner mit dieser Energieform zu versöhnen, betont die Professorin:

    "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Abstand und der Akzeptanz. Und noch wichtiger: Es gibt auch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Abstand und den erlebten Belästigungen." Gundula Hübner, Umweltpsychologin

    Dass es für die Häufigkeit von erlebten Belästigungen irrelevant sei, wie weit die Anwohner vom Windrad entfernt wohnen, wirke zunächst paradox. Es zeige jedoch, dass bestehende Immissionsschutzrichtlinien ausreichen, wenn sie beachtet werden.

    Fairer Planungsprozess führt zu mehr Akzeptanz

    Was allerdings helfen könne für die Akzeptanz von Windrädern sei ein fairer Planungsprozess vor Ort, in den möglichst viele Bürger einbezogen werden, sagt Hübner. Und wenn die Gemeinde auch etwas von den Windrädern habe, zum Beispiel durch eine Gewinnbeteiligung.

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