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Windkraft in Bayerns Staatswäldern: Schwierige Standortsuche | BR24

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Mehr Windkraft in Bayerns Staatswäldern geplant

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Windkraft in Bayerns Staatswäldern: Schwierige Standortsuche

Ministerpräsident Söder will in den nächsten zwei bis drei Jahren 100 Windkraftanlagen auf den Flächen der bayerischen Staatsforsten bauen. Doch die Standortsuche könnte schwierig werden.

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Im Jahr 2018 wurden gerade einmal acht neue Windkraft-Anlagen in Bayern in Betrieb genommen. Umso ambitionierter klingen die Pläne der Staatsregierung: 100 neue Anlagen auf dem Gebiet der Staatsforsten in den nächsten zwei bis drei Jahren zu bauen.

101 Windräder in bayerischen Staatsforsten

Die Bayerischen Staatsforsten haben heute bereits 101 Windräder in Betrieb. Wo weitere Standorte sein könnten, muss das Ministerium erst noch erarbeiten. Ministerin Michaela Kaniber deutet an, dass es in den Mittelgebirgslagen noch Potentiale gebe.

Die umstrittene 10-H-Regelung soll nicht gelockert werden. Sie ist eine bayerische Sonderregelung, die festlegt, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Wohnbebauung mindestens seiner 10-fachen Höhe entsprechen muss. Die Regelung wurde 2014 eingeführt, und sollte Konflikte zwischen Windkraftgegnern und –Befürwortern befrieden.

💡 Was sind die Staatsforsten?

Die Staatsforsten sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Freistaats Bayern. Sie bewirtschaften den gesamten bayerischen Staatswald. Dieser ist insgesamt 808.000 Hektar groß, 2.700 Beschäftige kümmern sich um ihn. Es wachsen jedes Jahr 6,1 Millionen Kubikmeter Holz darauf.

Söder: "Bayern kein Wind-Land"

Allerdings ist die 10-H-Regelung nach Ansicht von Energieunternehmen und Naturschützern hauptsächlich verantwortlich dafür, dass in Bayern der Ausbau der Windenergiegewinnung so stark zurückgegangen ist. "Bayern ist nun mal kein Wind-Land, wir sind nicht die Küste. Und ich bin gegen eine Verspargelung der Landschaft", sagte Markus Söder im TV-Duell vor der Landtagswahl 2018.

Derzeit hat die Windkraft in Bayern einen Anteil von 5,4 Prozent. Das ist eher gering, wenn man bedenkt, welche Pläne Markus Söder im Jahr 2011 nach dem Atomunglücks von Fukushima hatte. Als Umweltminister forderte er damals, dass im Jahr 2021 zehn Prozent des Stroms in Bayern mittels Windräder gewonnen werden soll. Er wollte dazu die Genehmigungsverfahren vereinfachen und Windregionen identifizieren.

Söder will Kampf gegen Klimaerwärmung weiter führen

Doch die lokalen Widerstände gegen die Beeinträchtigung der Landschaft und die Geräusch-Emission führten zur 10-H-Regelung, und stoppten de facto den weiteren Ausbau. Offenbar will die Staatsregierung diese Konflikte mit Windkraftgegnern nicht neu führen. Söder betonte aber auch, dass der Kampf gegen die Erderwärmung auch dann weitergeführt werden müsse, wenn andere Themen gerade die Agenda bestimmen: "Nachhaltigkeit, zu der wir verpflichtet sind, ist eine Aufgabe, die wir jetzt angehen müssen. Diese Klimaherausforderung können wir nicht einfach den Kindern vor die Füße schmeißen."

Neue Proteste drohen

Wie diese Aufgabe konkret beim Thema Windkraftanlagen im Staatswald gelingen soll, soll das Landwirtschaftsministerium nun bis zum Herbst erarbeiten. Es dürfte aber schwierig werden, geeignete Standorte zu finden, die mindestens einen Kilometer von Siedlungen entfernt sind, mit einer guten Windlage und ohne zu große Eingriffe in den Wald zu erfordern. Denn sonst dürften wieder Proteste drohen: dieses Mal von Natur- und Vogelschützern.

Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz Bayern, Richard Mergner, sagte dem BR, zusätzliche Windräder könne er sich lediglich vereinzelt im Staatswald vorstellen. "Windkraft im Wald ist für uns die letzte Option, und wenn, dann nur dort, wo naturferne Fichten-Monokulturen stehen, wo ich vielleicht auch schon Freiflächen habe, die erschlossen sind von den Forstwegen."