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"Wildes Wohnzimmer" in Weinzierlein bietet Wildtieren Schutz | BR24

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Eine besondere Wildblumenwiese steht derzeit in Weinzierlein im Landkreis Fürth in voller Blüte. Kornblumen, Disteln, Dill und Malven wachsen hier - ohne abgemäht zu werden. Landwirte, Jäger und Imker haben sich dafür abgestimmt.

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"Wildes Wohnzimmer" in Weinzierlein bietet Wildtieren Schutz

In Umweltschutz-Fragen sind vielerorts die Fronten verhärtet. Nicht so in Weinzierlein: Hier arbeiten Landwirte, Jäger und Imker seit Jahren zum Wohl der Natur eng zusammen. Das Ergebnis: Ein "Wildes Wohnzimmer" für Wildtiere.

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Auf einer Wildblumenwiese am Waldrand wiegen sich Kornblumen, Kerbel, Disteln, Dill und Malven im Wind. Bienen sammeln Nektar, Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte, alle möglichen Arten von Käfern und Flügeltieren summen und brummen. Die Wiese vor den Toren von Weinzierlein (Lkr. Fürth) ist ein Insektenparadies und bietet zugleich Wildtieren Schutz. Das wiederum verringert den Wildverbiss im Wald.

Weniger Rehe, aber mehr Wildverbiss

Herbert Stoll ist Jäger, allerdings einer, dem es nicht auf Trophäen ankommt. Er sorgt sich um die Wildtiere in seinem Revier. Seit er zwölf Jahre alt ist, geht der 48-Jährige in den Wald und hat festgestellt: Die Zahl der Rehe hat abgenommen. Zugleich aber nehme der Wildverbiss zu. "Die wenigen Rehe machen einen höheren Schaden als viele Rehe", hat Stoll beobachtet. Ein Grund dafür sei, dass die Rehe immer seltener in Ruhe am Waldrand äsen, also fressen können.

Jogger und Hunde lassen Rehen keine Ruhe

Sobald Jogger, Radler oder Spaziergänger mit Hunden vorbeikommen, ist es für die Tiere mit der Ruhe vorbei. Sie flüchten wieder in den Wald. So eine Flucht verbraucht viel Energie, und die holen sich die Rehe, indem sie an die Triebe junger Bäume gehen.

Eigentümer der "Wohnzimmer"-Fläche will Gutes tun

Zusammen mit vielen Verbündeten aus Weinzierlein hat Herbert Stoll deshalb am Waldrand ein "Wildes Wohnzimmer" geschaffen. Jäger, Landwirte, Forstwirte und Imker haben das Wohnzimmer gemeinsam eingerichtet. Wolfgang Meyer, dem die Fläche gehört, hätte auch an einen Landwirt verpachten können. Aber, sagt Meyer, "mir ging's darum, was Gutes zu tun". Pächter sind nun die Imker, die das Saatgut bezahlt und ihre Bienenstöcke dort stehen haben.

© BR/Karin Goeckel

Auch Malven blühen im "Wilden Wohnzimmer".

Meterhohe Blumen bieten Rehen ein Versteck

Manche Blumen und Gräser im "Wilden Wohnzimmer" wachsen so hoch, dass sich Rehe dahinter verstecken können. Das verringert bei den Tieren den Stress.

"Das ist ein ganz anderes Klima dahinter. Wenn hier auf dem Weg einer läuft mit dem Hund, und der Hund bleibt bei ihm, dann bleibt das Reh stehen und frisst weiter. Das ist eine Atmosphäre, die nicht zur Flucht verleitet, sondern Wohlfühlen vermittelt." Herbert Stoll, Landwirt und Jäger in Weinzierlein

Forstwirt muss junge Bäume nicht mit Zäunen schützen

Die Rehe müssen also nicht mehr in den Wald flüchten. Sie sind auch weniger als bisher gezwungen, die jungen Triebe im Wald zu fressen, um Energie aufzunehmen. Das wiederum freut Forstwirt Tobias Meyer, Eigentümer des Walds hinter dem "Wilden Wohnzimmer". Er muss nun keine Zäune in seinem Wald ziehen, um junge Bäume zu schützen. "Zaun ist Geld und Arbeit, und das nicht zu knapp". Deshalb ist auch ihm das "Wilde Wohnzimmer" ein großes Anliegen. Als Vorsitzender der Jagdpächter, also der Vereinigung der Landwirte, die Reviere an Jäger verpachten, hat er sich deshalb ebenfalls für das Projekt engagiert.

© BR/Karin Goeckel

Die Sonnenblumen im "Wilden Wohnzimmer" werden gern von Bienen besucht.

"Wildes Wohnzimmer" soll weiter wachsen

Schon bald soll das "Wilde Wohnzimmer" in Weinzierlein ausgebaut werden. Neben einer schon bestehenden Hecke soll Durchwachsende Silphie gepflanzt werden. Auch sie wird meterhoch. Ihre Blüten sind bestes Bienenfutter, sie liefert Energie für Biogasanlagen und wächst fünf Jahre lang nach. Ein Gewinn für Wildtiere, Landwirte und Imker also.

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