BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wieso war das Erdbeben bis in den Raum Passau spürbar? | BR24

© BR

Das starke Erdbeben am Dienstag in Kroatien war auch im östlichen Teil Niederbayerns ungewöhnlich deutlich zu spüren. Das bestätigen jetzt auch Experten.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wieso war das Erdbeben bis in den Raum Passau spürbar?

Das starke Erdbeben am Dienstag in Kroatien war auch im östlichen Teil Niederbayerns ungewöhnlich deutlich zu spüren. Im Raum Passau wackelten Christbäume und Schränke. Experten bestätigen nun die Erderschütterungen in Niederbayern.

Per Mail sharen
Von
  • Martin Gruber
  • BR24 Redaktion

Das starke Erdbeben am Dienstag in Kroatien war in Ostbayern ungewöhnlich deutlich zu spüren. Das bestätigten Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Vor allem im Raum Passau hat das Beben viele Menschen aufgeschreckt.

Langsamer Wellentyp ist auch in großer Entfernung zu spüren

Laut Christian Bönnemann, dem Leiter des Seismologischen Zentralobservatoriums der BGR, seien die Auswirkungen des Bebens in Kroatien folgendermaßen zu erklären: Es habe sich um einen eher langsamen Wellentyp mit weniger Dämpfung gehandelt. Solche Wellen breiten sich an der Erdoberfläche aus und seien in einem großen Umfeld zu spüren.

"Insofern ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Erde wie im aktuellen Fall auch hunderte Kilometer entfernt noch bewegt. Und solche Oberflächenwellen können durchaus auch in größerer Entfernung noch Schäden an Gebäuden anrichten." Christian Bönnemann, Leiter des Seismologischen Zentralobservatoriums der BGR

Seismische Messstation in Haidmühle

Die BGR betreibt auch in Haidmühle im Kreis Freyung-Grafenau eine seismische Messstation, die mit mehreren Seismometern Daten von Atomwaffentests und Erdbeben auf der ganzen Welt sammelt. Patrick Hupe, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der BGR, sagte dem BR, dass die ersten Wellen des Bebens südlich von Zagreb etwa eine Minute danach in Haidmühle registriert worden seien, die zweiten Wellen etwa 30 Sekunden später. Die Ausbreitung der Erdbebenwelle fand in einer Geschwindigkeit von etwa sieben Kilometer pro Sekunde statt, sagt Hupe. "In Haidmühle hatten wir relativ starke Ausschläge und große Amplituden."

Erdbeben zwischen Passau und Bad Reichenhall stark spürbar

In Bayern war das Erdbeben im Raum zwischen Passau und Bad Reichenhall in Oberbayern stark zu spüren. Zahlreiche Zeugen schilderten dem BR, in sozialen Medien oder auf dem Portal www.erdbebennews.de ihre Erlebnisse. So berichten Leute aus Passau von wackelnden Wänden, Möbeln und Bildschirmen, über schwankende Christbäume und überschwappende Aquarien. Eine Frau aus Neuburg am Inn im Kreis Passau schreibt: "Auf einmal vibrierte und ruckelte das Bett. Der Kleiderschrank schwankte hin und her, Kleiderbügel fallen raus. Alles hat gewackelt."

Eine Frau aus Fürstenzell schilderte, der Weihnachtsbaum habe stark gewackelt. Bei der zweiten Welle habe es sich angefühlt, als würde sich das ganz Haus bewegen. Von Schäden an Häusern im Raum Passau ist nichts bekannt. Auch die Passauer Polizei hatte keine Einsätze oder Anrufe von besorgten Bürgern.

Immer mal wieder Erdbeben in Bayern

Dass in Bayern die Erde bebt, kommt immer wieder mal vor. Das nachweislich stärkste bayerische Beben passierte 1915 im Altmühltal. 1976 ließ das Beben im italienischen Friaul unter anderem in München die Wände wackeln. Und in Passau soll im Jahr 1348 die Erde ungewöhnlich stark gebebt haben. Damals sollen mehrere Häuser und Kirchen schwer beschädigt worden sein. Die Kirche St. Nikola so sehr, dass der Einsturz drohte und das Gotteshaus neu gebaut werden musste.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!