Auch die Eis-Bar auf der "Oidn Wiesn" leidet am schlechten Wetter.
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Auch die Eis-Bar auf der "Oidn Wiesn" leidet am schlechten Wetter.

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Wiesn 2022: Schaustellern geht's "nass nei"

Wiesn 2022: Schaustellern geht's "nass nei"

Endlich trocken! Die Schausteller freuen sich über einen meist regenfreien Sonntag. Dieses Oktoberfest gehört wettermäßig zu den schlechtesten in der Erinnerung aller, die seit Jahrzehnten hier arbeiten. Besonders hart trifft's die Eisverkäufer.

Christian Seitz von der Eisbar ist seit 2015 mit seinem historischen Eiswagen auf dem historischen Teil des Oktoberfestes auf der Theresienwiese. Normalerweise seien schon fünf Tage Regen schlecht fürs Geschäft, aber dieses Jahr? Deswegen sitzt er nun auf 200 Packungen Bio-Eis und sucht einen Abnehmer. Per Facebook startete er einen Aufruf, um einen Gastronom zu finden, der ihm das Eis abkauft. Noch hat sich aber niemand bereit erklärt.

Seitz ist eigentlich Tischler und Restaurator aus Buxtehude und hat eine Leidenschaft für alte Fahrgeschäfte. Deshalb ist er auch mit einem historischen Eiswagen aus dem hohen Norden auf der "Oidn Wiesn". Glühwein ausschenken, wie die Festleitung ob der kalten Regentage erlaubt hat, wollte er aber nicht, auch weil es nicht zu seinem Geschäft passe.

Sonntags-Endspurt auf dem Oktoberfest

Regen, Regen nichts als Regen. Keiner auf dem Oktoberfest kann sich erinnern, jemals durchgehend so schlechtes Wetter gehabt zu haben. Und das schlägt sich auch auf die Zahlen nieder. Die Bilanz gibt es zwar erst am Feiertag , doch es werden weniger als 2019 sein.

Mittendrin geben die Schausteller ihr Bestes. Sabrina Häusinger arbeitet zum ersten Mal bei Stoibers Mandelbude und merkt, jetzt wo es trocken ist, kommen wieder mehr Menschen auf die Theresienwiese: "Ich glaub, die Münchenerinnen und Münchner kommen jetzt doch und sagen, die Wiesn nehmen wir doch nochmal mit."

Der Wiesn-Virus zum nahenden Ende

Auch Sabrina war krank letzte Woche: "Eine Mandelentzündung als Verkäuferin der Mandelhütte – schon irgendwie ironisch", schmunzelt sie. Wiesn-Grippe oder Corona, das nasskalte Wetter und diverse Viren hat viele ins Bett geschickt. In den Zelten immer wieder freie Tischen an den Plätzen, die eigentlich reserviert waren. Inwiefern das Oktoberfest ein Hot-Spot war, lässt sich noch nicht sagen.

Und dann gibt es noch den anderen Wiesn-Virus. Eine Art Liebeskummer, wenn das Oktoberfest zu Ende ist – auch davon reden die Schausteller hier. Paulina vom "Voodoo Jumper" ist auch traurig, wenn es morgen heißt : Aus is! Bis 23.30 Uhr gehen die Fahrgeschäfte.

Für Yvonne Heckl vom Verein Münchner Schausteller ist ein Traum in Erfüllung gegangen, dass das Oktoberfest überhaupt stattgefunden hat: "Die Leute, die den Weg zu uns finden, die haben Sonne im Herzen, die sind mit Spaß bei der Sache dabei und glücklich, dass überhaupt was geboten ist."

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"Menzel's Zugspitzbahn" steht seit Wiesnbeginn.

Zugspitzbahn steht seit Beginn still

Einer der tragischen Verlierer des Oktoberfestes ist "Menzel's Zugspitzbahn". Die durfte nämlich gar nicht starten. Der TÜV hatte Bauteile bei der Testfahrt beanstandet, die Zulassung verweigert und so konnte die Zugspitzbahn nicht in Betrieb gehen. Die Bauteile mussten aber erst bestellt werden und sind bis heute nicht gekommen. Deswegen steht das Fahrgeschäft immer noch und wird vermutlich auf der Wiesn 2022 nicht mehr fahren. Und ihr Betreiber bleibt auf hohen Kosten sitzen.

Regenponchos und Filzhüte

Pech bei dem Regenwetter hatten auch die Bedienungen in den Biergärten. Gerade mal zwei schöne Tage gab es, an denen die Plätze im Freien besucht waren – und die waren unter der Woche. In manch einem Biergarten vor dem Zelt stand mitunter viel Wasser. Angestellte bohrten Löcher in den Holzboden, damit der Regen abfließen konnte. An den Souvenirstandln liefen wettergemäß Regenponchos, Regenschirme und der Filzhut gut.

"Wenn der Regen kam, war es eine Katastrophe", meint eine Schaustellerin. Doch es wird besser. Zwischen Alpinabahn, Rotor und der Familienbahn "Fahrt um den Tegernsee" lösen am Sonntagmittag vor allem Familien ihre Fahrchips. Hier reden viele davon, dass es eine bayerische Wiesn gewesen wäre, wobei beim Auftakt in der ersten Woche auch viele Touristen aus Italien, Amerika, Neuseeland und mehr gekommen waren.

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Wetter trocken – Wiesn voll.

Wetter "nicht persönlich nehmen"

Nicht alle der Schausteller wollen eine Bilanz abgeben, manche schauen auch schon recht geschafft aus. Der Tenor aber ist: Immerhin hat die Wiesn überhaupt stattgefunden. Und: Wenn es geregnet hat, waren die Leute weg. Sprich: im Zelt oder auf dem Weg nach Hause. Aber in den Regenpausen kamen die Menschen wieder zum Karussellfahren.

Ab Dienstag wird das Wetter wieder schön. Pünktlich zum Abbau. "Das darf man nicht persönlich nehmen", meint ein Aussteller, "dafür ist dann auf der Auer Dult schönes Wetter!"

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