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Wiedereröffnung der Läden

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Wiedereröffnung der Läden - Kaufrausch Fehlanzeige

Nach mehr als fünfwöchiger Corona-Pause haben in Bayern zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte wieder den Betrieb aufgenommen. Für den Großteil des Einzelhandels sollte der heutige Tag so etwas wie der Beginn der Rückkehr in die Normalität werden.

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Wochenlang hatten wegen der Corona-Pandamie viele Läden zwangsweise geschlossen. Seit heute durfte in Bayern auch in Geschäften wie Blumenläden, Modeboutiquen und Buchläden wieder eingekauft werden. Der große Ansturm blieb allerdings aus.

Buchhändlerin Julia Westfahl hat heute erstmals seit fünf Wochen wieder ihre Rollgitter hochgezogen. Schwer beschäftigt war sie, um ihren Laden auf den heutigen Tag vorzubereiten. Bodenmarkierungen mussten her, Bücherregale stehen nicht mehr so eng beieinander.

"Also, es fühlt sich ein bisschen an, als würde man sich für einen Krieg rüsten. Aber wir freuen uns sehr, dass wir wieder aufmachen können." Buchhändlerin Julia Westfahl

"Froh, wieder da zu sein"

Blumenläden, Modeboutiquen, Buchläden - rund achtzig Prozent aller Geschäfte in Bayern haben heute wieder den Betrieb aufgenommen. Drei Viertel der Läden in vollem Umfang, das restliche Viertel mit reduzierten Öffnungszeiten.

Auch Floristin Julia Glocharen hat ihren Blumenladen am frühen Morgen aufgesperrt: "Es ist jetzt natürlich schon eine Umstellung wieder im Kundenkontakt zu sein, auch mit den ganzen Beschränkungen. Man weiß nicht genau, wie funktioniert‘s für einen, wie wird’s von den Kunden angenommen. Aber prinzipiell sind wir natürlich froh, wieder da zu sein."

Kunden haben sich zurückgehalten

Der große Kundenansturm allerdings blieb heute aus. Gegenüber einem normalen Montag kamen nur rund halb so viele Kunden zum Einkaufen, der Umsatz lag - je nach Laden - bei knapp vierzig Prozent des Normalwertes, sagt der Geschäftsführer Handelsverband Bayern, Bernd Ohlmann. "Also man muss sagen, es war, wie erwartet, nicht das Gelbe vom Ei, die Kunden haben sich zurückgehalten, das hatten wir so mit eingeplant, es ist sowohl für den Handel, also auch für die Kunden ein Kaltstart von null auf hundert. Aber zumindest etwas Umsatz ist besser als gar kein Umsatz."

Auch größere Geschäfte dürfen bald wieder aufsperren

Immerhin: Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigte sich bei einem Besuch in einer Münchner Buchhandlung zufrieden damit, wie die Kunden die Sicherheits- und Hygienevorschriften einhielten.

"Wenn die Disziplin in der Bevölkerung so bleibt, bin ich der Überzeugung, dass weitere Öffnungen verantwortbar werden können", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Er zeigte sich zudem zuversichtlich, dass dies nicht mehr lange dauern werde.

Tatsächlich kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nur wenige Stunden später und nach einem Urteil des Verfassungsgerichts eine Korrektur der bayerischen Vorschrift an. Größere Geschäfte sollen öffnen dürfen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzen. Das Kabinett will die Vorschrift am Dienstag entsprechend ändern.

Öffnung nur unter strengen Auflagen

Für Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Bayerischen Handelsverbands, ein Schritt, der dringend nötig und vor allem lange überfällig war. Fünf Wochen lang waren die Geschäfte jenseits des täglichen Bedarfs geschlossen.

"Also es kommt wirklich keine Sekunde zu früh, wir haben sehnsüchtig darauf gewartet, dass endlich die Läden aufmachen können. Grade die kleineren Geschäfte, denen steht teilweise schon das Wasser bis zum Hals. Und bei denen war natürlich auch das Unverständnis und teilweise, muss man ehrlich sagen, die Wut groß, dass wir im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern erst eine Woche später öffnen können", so Ohlman.

Aufmachen dürfen die Geschäfte allerdings nur unter strengen Auflagen: Maskenpflicht, Abstandsregelung, begrenzte Kundenanzahl: Ein Kunde pro zwanzig Quadratmetern ist erlaubt. "Man merkt schon irgendwie wenn die Leute vorbeilaufen, dass die sich freuen", sagt Buchhändlerin Julia Westfahl, "aber das ist natürlich auch immer mit Vorsicht zu genießen, weil man eben nicht genau weiß, wie halten sich die Leute an die Bestimmungen, die für alle neu sind. Und wie sehr hat das einen Einfluss auf die Kaufkraft".

Die riesengroße Umsatzrakete jedenfalls wurde heute noch nicht gezündet.

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