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Wieder Rehe getötet: Hundehalter bringen Wild in Gefahr | BR24

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Unterwegs in der Natur, der Hund läuft frei. Für Tier und Halter ein Genuss – für Wildtiere aber eine Gefahr. Im Landkreis Garmisch-Patenkirchen zum Beispiel sollen seit Januar sechs Tiere von Hunden gerissen worden sein. Der Ärger ist riesig.

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Wieder Rehe getötet: Hundehalter bringen Wild in Gefahr

Unterwegs in der Natur, der Hund läuft frei. Für Tier und Halter ein Genuss – für Wildtiere aber eine Gefahr. Im Landkreis Garmisch-Patenkirchen zum Beispiel sollen seit Januar sechs Tiere von Hunden gerissen worden sein. Der Ärger ist riesig.

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In den vergangenen Tagen kam es in den Alpen immer wieder zu diesem Szenario: Nicht angeleinte Hunde reißen Rehe. Auch am Altherrenweg in Oberammergau mussten die Jäger Dominik Rödel und Anton Burkhard vor wenigen Tagen eine schlimme Entdeckung machen: Ein zu Tode gerissenes Reh. "Wir tun alles in unserem Betrieb, dass wir die Wildtiere über den Winter bringen können. Und wenn so etwas passiert, geht einem das natürlich an die Substanz."

Das Wild ist in diesem Winter besonders schwach, deshalb füttert Dominik Rödel die Tiere täglich. Sie finden sonst kaum Nahrung. Auf der Suche nach schneefreien Flächen kommen die Tiere sogar bis an die Wanderwege. Die Tiere fahren ihren Energiehaushalt herunter, sagt Rödel: "Jede Störung, jede Flucht für das Wild bedeutet auch einen unnötigen Energieverbrauch. Das kann zu Krankheiten oder im schlimmsten Fall zum Tod führen."

Hunde laufen selten an der Leine

Doch vielen Spaziergängern am nahen Altherrenweg ist das nicht klar. Sie halten eine Leine für überflüssig oder betonen, dass ihr Hund noch nie ein Wild gerissen habe. Wenige Kilometer weiter, am Hörnle bietet sich ein ähnlicher Anblick. Viele Skitourengeher lassen ihre Hunde freilaufen – trotz Leinenpflicht. Die Leine sei ja auch immer eine Gefahrenquelle beim Skitouren gehen, sagt eine Skifahrerin. Doch vor wenigen Tagen hat auch hier in einem Waldstück ein Hund ein Hirschkalb gerissen. Anton Degele, der Jagdvorsteher im Revier Bad Kohlgrub, ist alarmiert: "Die Wunden sind natürlich sehr, sehr heftig gewesen. Das Tier überlebt so in der Wildnis nicht." Ein Jäger musste das schwerverletzte Tier töten.

Jeder Hund hat einen Jagdtrieb

Doch nicht nur in den Bergen reißen Hunde Rehe. Auch bei Starnberg haben Hunde vergangene Woche zwei Rehe getötet. Trotz der vielen Vorfälle - offizielle Zahlen zu gerissenen Rehen gibt es in Bayern bisher nicht. Viele Besitzer unterschätzen ihren Hund, das ist die Erfahrung von Hundetrainerin Julia Neumaier. Auch mit der besten Erziehung lässt sich Hunden der Jagdtrieb nicht völlig austreiben. Laut Neumaier ist es oft der Zufall, der Hunde dazu bringt, zu jagen: "Hundebesitzer sind dann überrascht, dass ihr Hund, von dem sie es nie vermutet hätten, dann doch die Leidenschaft entdeckt." Für Wege durch die Natur empfiehlt Julia Neumaier, den Hund anzuleinen, auch eine Laufleine reicht.

In Oberammergau, oberhalb des Altherrenwegs fordern die Jäger jetzt ein Wildschutzgebiet. Im Winter müssen die Wanderer dann auf dem Weg bleiben und für Hunde gilt Leinenpflicht. Am Hörnle hat Jagdvorsteher Anton Degele ähnliche Pläne, er möchte damit ein Bewusstsein bei Freizeitsportlern schaffen: "Jede Bewegung in der Natur hat Folgen auf andere und die Wildtiere sind da der schwächste Partner."