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Nach jahrelangem Leerstand auf dem Areal der alten Hauptpost in Nürnberg eröffnet dort nun ein Hotel. Dabei hat das Projekt mit viel Konkurrenz und der Corona-Pandemie zu kämpfen.

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Wie viele Betten denn noch? In Nürnberg eröffnet neues Hotel

Direkt neben dem Nürnberger Hauptbahnhof entsteht das "Tafelhof Palais“, eine Mischung aus Neubau und denkmalgeschütztem Gebäude. Hier hat nun auch ein neues Hotel eröffnet. Fraglich ist, ob Nürnberg ein weiteres Hotel derzeit braucht.

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Von
  • Eleonore Birkenstock

“Ich bin mir sicher, dass das Nürnberger Hotel das Juwel in unserem Hotelunternehmen sein wird“, sagt David Fattal, Hotelier aus Israel bei der Eröffnung seines neuesten Hauses namens “Leonardo Royal Nürnberg“. Der Unternehmer hat es regelrecht vom Pagen zum Konzernchef geschafft, mit inzwischen 217 Hotels der “Fattal Group“ in Europa und Israel.

Schwerpunkt Tagungen und Business

Das neue Hotel ist mit einem Neubau in den denkmalgeschützten Rundbau der alten Post aus den 1920er-Jahren neben dem Hauptbahnhof untergebracht, samt großflächiger Tagungsflächen, Co-Working-Räumen und 238 Suiten und Zimmern. Das Hotel sei auf Tagungen und Kongresse ausgerichtet, sagte Falk Bartels, der Geschäftsführer des "Leonardo Royal Nürnberg". Ein Ballsaal beziehungsweise Tagungsraum umfasst über 760 Quadratmeter. An einer Tagungsfläche dieser Größe habe es in der Vergangenheit gefehlt, so der Hotelleiter.

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Tagungsraum im neuen Hotel am Nürnberger Hauptbahnhof

Eröffnung in der Corona-Krise

Ab morgen empfängt das Hotel die ersten Gäste. Wegen der Corona-Krise sei der Start schwierig. "Ich befürchte es wird ein langer Weg werden“, so der Hotelchef Falk Bartels. Aber es gebe bereits Anfragen zu Tagungen, weil den Menschen der persönliche Kontakt fehle. Ein Großteil der Übernachtungen in Nürnberg machen Geschäftsreisende aus. Noch kommen die aber nur vereinzelt.

Keine Messen, keine Geschäftsreisenden in den Hotels

Den Hauptumsatz machen die Nürnberger Hotels im Winter und im Frühjahr, wenn so große Messen wie die Spielwarenmesse oder die BioFach stattfinden. Siebzig Prozent der Übernachtungen machen Geschäftsreisen- und Treffen aus, nur dreißig Prozent kommen als Touristen nach Nürnberg. Nürnbergs Tourismus-Chefin Yvonne Coulin spricht bei der Eröffnung des neuen Hotels in Nürnbergs Innenstadt deshalb von Licht und Schatten.

Verluste durch Corona-Krise

Das neue Hotel sei zwar ein schönes Hotel und der Start deshalb ein schöner Anlass, sagt die Tourismus-Chefin. Für sie hat die Neueröffnung aber Licht und Schatten: “Wir haben eine Corona-Krise. Wir Städte sind abhängig vom Geschäfts- und Messetourismus“, so Coulin. Aber anders als die Tourismusbranche würden viele Geschäftsreisende noch auf sich warten lassen. Im Rekordjahr 2019 zählte die Tourismus-Zentrale 3,6 Millionen Übernachtungen in Nürnberg. Im vergangenen Jahr waren es 1,6 Millionen. Darin eingerechnet ist das erste Quartal, in dem kurz vor dem ersten Lockdown noch die besucherstarke Spielwarenmesse stattfand.

Nürnberger Hotelgeschäft schon vor Corona schwierig

Ein weiteres Hotel am Nürnberger Hauptbahnhof. Damit bildet sich gewissermaßen eine Hotelkette auf einer Straßenseite – mit fünf Hotels nebeneinander. Insgesamt zählt die Stadt gut 20.000 Betten für Übernachtungsgäste. Daniela Hüttinger spricht in diesem Zusammenhang von Überkapazitäten. Sie ist Chefin des Hotels “Drei Raben“ und ist im Vorstand des Nürnberger Hotel- und Gaststättenverbands. Die Situation sei vor Corona schon schwierig gewesen, erklärt Hüttinger. “Wenn ich keine Messen und Kongresse habe, dann muss ich vom Tourismus leben“, sagt sie.

Stück vom Kuchen wird für die Kleinen kleiner

Als kleines Hotel müsse sie eine Nische finden, um ein Stück vom Kuchen des touristischen Geschäfts abzubekommen. In dem Preiskampf um die Gäste hätten die kleineren Hotels zudem die schlechteren Karten, weil die Kosten einen anderen Anteil ausmachten und somit höher seien als in einem großen Hotelunternehmen, zum Beispiel beim Personal.

Hotelbuchungen kommen langsam rein

Im "Hotel Drei Raben" fangen derzeit langsam wieder die touristischen Buchungen an, vor allem am kommenden Wochenende ist das Haus gut besucht. Daniela Hüttinger sieht das im Zusammenhang von Lockerungen bei Kulturveranstaltungen und Gastronomie. Trotzdem hofft die Hotel-Chefin, dass ab September wieder Messen starten können. “Das ist wichtig, dass schon bald das Signal gesetzt wird, dass Tagungen und Kongresse in Bayern und Nürnberg möglich sind.“

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