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Wie umweltfreundlich ist die Wasserkraft? | BR24

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Ein Staudamm in Augsburg. Umweltschützer kritisieren die Energiegewinnung aus Wasserkraft: Natürliche Lebensräume würden dadurch beschädigt.

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    Wie umweltfreundlich ist die Wasserkraft?

    Wasserkraft ist die älteste Form von Strom aus erneuerbaren Energien. In Bayern hat sie eine lange Tradition. Wasserkraft verursacht keine Treibhausgase. Trotzdem sind Umweltschützer nicht begeistert.

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    Für den Bund Naturschutz ist die Wasserkraft nicht die Lösung für die Energiewende – trotz der Klimakrise. "Wasserkraft ist ein großes ökologisches Problem", sagt Christine Margraf vom Bund Naturschutz. "Die Ursache für den Rückgang von sehr, sehr vielen Arten. Und die äußerst geringen Möglichkeiten, hier noch Strom zu gewinnen, stehen in keinem Verhältnis zu den ökologischen Schäden, die diese Ausbaumaßnahmen verursachen würden.“

    Wasser zu stauen, schadet Umwelt massiv

    Staudämme bilden eine Barriere, die die Wanderung von Fischen im Fluss verhindert. Außerdem unterbrechen sie die natürliche Flussabwärtsbewegung des sogenannten Geschiebes: Kies auf dem Flussgrund, in dem viele Fischarten laichen.

    Durch das Stauen wird außerdem die dynamische Schwankung des Wasserstands beendet, die natürliche Lebensräume wie Auwälder prägt. Weitere Kritikpunkte: reduzierte Fließgeschwindigkeiten, wärmeres Wasser, eine andere Wasserchemie. Außerdem, kritisiert der Bund Naturschutz, graben sich die kanalisierten Flüsse immer tiefer in den Boden ein.

    Wie Wasserkraftwerksbetreiber dagegenhalten

    Genau dagegen helfen Staudämme, kontern die Wasserkraftbetreiber, weil sie die Fließgeschwindigkeit der Flüsse verlangsamen. Flüsse wie die Donau wurden bereits im 19. Jahrhundert kanalisiert, um sie zu bändigen. "Ein Fehler der Vergangenheit, der sich heute kaum noch korrigieren lässt, weil entlang der Flüsse kaum jemand Flächen wieder hergeben will", argumentiert Frank Pöhler, Geschäftsführer von LEW Wasserkraft.

    Bis 2027 Fischtreppen an jedem Staudamm

    Betreiber wie die LEW erbrächten aus den Gewinnen durch die Stromerzeugung auch Leistungen für die Allgemeinheit. "Wasserkraft bedeutet Hochwasserschutz für die Bürger am Fluss und Reinhaltung der Gewässer", so Pöhler. Und: Die EU verpflichtet Wasserkraftbetreiber, ihre Anlagen fischfreundlicher zu gestalten. Bis 2027 müssen an jedem Staudamm Fischtreppen gebaut sein, die es den Tieren erlauben, an der Barriere vorbei zu kommen. LEW Wasserkraft muss dazu insgesamt 50 Millionen Euro investieren.

    "Wir haben die Hälfte schon geschafft: die Flüsse Wertach, Günz, Iller schon komplett durchgängig gemacht", sagt Pöhler. "In den nächsten Jahren werden wir den Lech und die Donau in Angriff nehmen. Wir stellen uns der Herausforderung und werden unsere Hausaufgabe auch erledigen.“

    Außerdem betont das Unternehmen LEW Wasserkraft, wie stark es sich um Partnerschaft mit Bürgern und Gemeinden entlang von Donau, Lech, Wertach und Iller bemüht. In EU-geförderten Projekten werden die Flussufer touristisch erschlossen und die Flüsse ökologisch aufgewertet, etwa mit begrünten Ufern an der Donau, wo früher Beton war.

    Vor allem Kleinwasserkraftwerke in der Kritik

    Der Bund Naturschutz ist davon freilich wenig beeindruckt – es handle sich um eine gesetzliche Verpflichtung, und die Wasserkraftwerksbetreiber hätten in den vergangenen Jahrzehnten schließlich reichlich Gewinne gemacht. Große Wasserkraftwerksprojekte etwa an der Donau oder im Allgäu hat der Bund Naturschutz dann auch in den letzten Jahren verhindert.

    Bleiben die vielen kleinen Wasserkraftwerke an bayerischen Flüssen und Bächen. "Die kleine Wasserkraft hat große Wirkung. Deshalb erhalten und ausbauen", lautet die Forderung der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern.

    Bund Naturschutz: Kleinwasserkraft besonders schädlich

    In den letzten Jahrzehnten wurden nach Angaben des Verbands 7.700 kleine Anlagen in Bayern abgebaut. Im Hinblick auf die Energiewende seien die übrigen zu erhalten bzw. sogar wieder auszubauen. Aber auch hier kommt Gegenwind von den Naturschützern. "Gerade die Kleinwasserkraft ist durch ihre flächige Wirkung ökologisch besonders desaströs", so Margraf. "Und wenn man sich anschaut: Der Beitrag zur Energiewende und zur Stromproduktion ist gerade da natürlich absolut marginal und vernachlässigbar."

    Die Zahlen geben dem Bund Naturschutz hier recht: Insgesamt 4.200 Wasserkraftwerke gibt es in Bayern. Die 113 größten davon produzieren mehr als 80 Prozent des Wasserkraftstroms. Die 3.483 kleinsten Anlagen zusammen stehen dagegen nur für 3,3 Prozent. (Quelle: Branchenverband VBEW)