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Wie stabil sind Bayerns Brücken? | BR24

© Iris Rietdorf/BR

Wie stabil sind Bayerns Brücken?

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Wie stabil sind Bayerns Brücken?

Viele Brücken in Bayern stammen aus den 70er-Jahren und sind sanierungsbedürftig. Schwere Lkw, Streusalz, reißendes Flusswasser - all das setzt Brücken im Lauf ihres Lebens zu. Die Instandhaltung kostet viel Geld und Arbeit.

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In Bayern kümmert sich der Freistaat um 14.900 Brücken für Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen. Besonders der Schwerlastverkehr setzt ihnen zu.

Ein 40-Tonner belastet eine Brücke genauso viel wie 10.000 Pkw. Ältere Brücken sind für solche Kräfte nicht ausgelegt. Viele von ihnen wurden in den 1960er bis 1980er Jahren gebaut, also in einer Zeit, in der es generell weniger Verkehr gab und die einzelnen Fahrzeuge leichter waren. Das macht sich an ihrem Zustand bemerkbar.

Viele Sanierungen in den nächsten Jahren

Bei rund zwölf Prozent der vom Freistaat betreuten Brücken gibt es innerhalb der nächsten zehn Jahre Handlungsbedarf. Wie aus der Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen hervorgeht, wurden sie bei der regelmäßigen Brücken-Prüfung mit der Zustandsnote "größer 3,0" bewertet, wobei "4,0" die schlechtest mögliche Note ist. Damit liegt Bayern im Bundesdurchschnitt.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) warnt allerdings vor Panikmache. Selbst Brücken mit den derzeit schlechtesten Zustandsnoten seien längst nicht einsturzgefährdet. Jedoch stehen viele dieser Brücken naturgemäß kurz vor dem Ende ihrer Lebensdauer. Bei Bedarf wird die Bauwerksüberwachung intensiviert. Tempolimits, Begrenzung für die Tonnage von Lkw, Spurverengung oder sogar Fahrverbote entlasten sensible Brücken und gewährleisten so ihre Verkehrssicherheit.

💡 Wie werden Brücken geprüft?

Alle drei Jahre gibt es eine umfassende Zwischenprüfung, alle sechs Jahre eine sogenannte Hauptprüfung. Dabei werden dann auch wenig gut zugängige Teile der Brücke, wie z. B. die Unterseite oder im Wasser stehende Brückenpfeiler in Augenschein genommen. Die sogenannten Bauwerksprüfer sind spezialisierte Ingenieure, sie klopfen die Brücke Stück für Stück mit dem Hammer ab. So erkennen sie rechtzeitig Hohlstellen. Das Urteil dieser Experten entscheidet dann schlussendlich darüber, wo und in welchem Zeitraum es Sanierungsbedarf gibt, ob die Brücke verstärkt oder sogar erneuert werden muss. (Erklärt von Iris Rietdorf, BR24-Wissen)

Veränderte Baunormen verlangen teils Nachbesserungen

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Baunormen weiterentwickelt. Aus den Schadbildern der Vergangenheit und neuen Erkenntnissen zu Konstruktion und Bauweise hat man gelernt. Damit die Verkehrssicherheit auch beim heutigen Verkehrsaufkommen gewährleistet bleibt, werden sensible Brücken statisch nachgerechnet. Das kann bedeuten, dass Brücken verstärkt oder erneuert werden müssen.

Mehr Investitionen in den Erhalt

Um all diese Maßnahmen zu finanzieren, haben Bund und Freistaat Bayern ein Sonderprogramm "Brückenertüchtigung" aufgelegt. So wird dem Investitionsstau der Vergangenheit begegnet: Jährlich werden nun für Autobahnbrücken rund 250 Millionen Euro aufgebracht, wie das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr erklärte.

Für die Brücken auf Bundesstraßen sind es rund 86 Millionen Euro. Und in den Erhalt der Brücken auf Staatsstraßen werden inzwischen ca. 33 Millionen Euro investiert. Das sind rund 12 Prozent mehr als noch im Jahr 2017.

Was bringt der Brücken-TÜV?

Nach dem Unglück in Genua hat Verkehrsminister Scheuer einen "Brücken-TÜV" angekündigt, bei dem ein neuer "Traglastindex" etabliert wird. Das soll einen Vergleich der aktuellen Tragfähigkeit eines Bauwerks mit der aufgrund der gestiegenen Verkehrsbelastung erforderlichen Tragfähigkeit ermöglichen. Es ist ein ergänzendes Tool, das bei der Entscheidung "Sanierung oder Neubau" helfen soll.

Generell aber hat das nichts mit der Qualität der Brücken-Prüfungen nach DIN 1076 zu tun. Da nämlich geht es um Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit, also die Frage, wie stabil die Brücke ist und ob sie auch mittel – und langfristig noch ihren Dienst leisten kann.

© BR

Die Katastrophe von Genua hat auch bei uns in Deutschland zu einer Debatte über die Sicherheit der Brücken geführt. Allein in Bayern gibt es rund 140.000.