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Wie sinnvoll wäre ein Tempolimit in Bayern? | BR24

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Nach der Debatte um ein Tempolimit auf Autobahnen hat das Bundesverkehrsministerium ein für Mittwoch geplantes Treffen der Arbeitsgruppe zu mehr Klimaschutz im Verkehr abgesagt

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Wie sinnvoll wäre ein Tempolimit in Bayern?

Würde ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf bayerischen Autobahnen sinnvoll sein? Staatsregierung und ADAC sind sich einig: nein. Bei der Gewerkschaft der Polizei ist man anderer Meinung.

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Wenn Fahrer auf der Autobahn das Gefühl haben, dauernd abbremsen zu müssen, dann liegt das häufig an Staus und Baustellen. Denn laut Angaben der Bayerischen Autobahndirektionen haben derzeit nur 38,5 Prozent der Autobahnen in Südbayern eine dauerhafte oder temporäre Geschwindigkeitsbeschränkung. In Nordbayern sind es lediglich 25,1 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 30 Prozent.

Innenministerium hält allgemeines Tempolimit für unnötig

Das Bayerische Innenministerium liegt bei der Frage nach einem allgemeinen Tempolimit ganz auf Linie des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer: Feste Geschwindigkeitsbeschränkungen seien auf bayerischen Autobahnen nicht erforderlich, erklärt der Sprecher des Bayerischen Innenministeriums Michael Siefener.

Sinnvoll seien Tempolimits nur an unfallgefährdeten Stellen. Denn langsames Fahren führe selbstverständlich zu weniger Unfällen, mit weniger schlimmen Verletzungen.

ADAC sieht anderen Schwerpunkt

Der ADAC hält Tempolimits auf Autobahnen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit für unnötig. Unternehmenssprecher Johannes Boos bezieht sich auf Daten der "International Road Traffic & Accident Database", wonach die deutschen Autobahnen deutlich sicherer sind, als Autobahnen in Ländern mit einem generellen Tempolimit.

Das Problem sieht Boos an einer ganz anderen Stelle. Tatsächlich seien nämlich die Landstraßen der Brennpunkt in Sachen Verkehrssicherheit. "Dort haben wir knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten zu registrieren, bei nur 40 Prozent der gefahrenen Kilometer."

Gewerkschaft der Polizei hält Tempolimit für sinnvoll

Ganz anderer Ansicht ist der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Peter Schall. Er war lange Zeit stellvertretender Leiter der Verkehrsabteilung Oberbayern. Aus polizeilicher Sicht würde man Tempolimits begrüßen, so Schall. Er wisse aus Erfahrung, dass auf Strecken mit Tempolimit weniger Unfälle passieren. Der Verkehrsfluss sei dort homogener und es komme zu weniger unfallträchtigen Situationen, wie etwa Stauungen "aus dem Nichts". Sie entstehen, wenn ein Fahrzeug unvermittelt zum Überholen ausschert und das folgende Fahrzeug aus hoher Geschwindigkeit abbremsen muss.

Beispiel Irschenberg

Als Beispiel nennt Schall den Irschenberg: Als dort das Überholverbot für die Lastwagen aufgehoben wurde und dafür eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 120 Stundenkilometer eingeführt wurde, hätte man kein Problem mehr mit schweren Unfällen gehabt.

"Wir erwarten als Polizei, dass ein generelles Tempolimit Verkehrsunfälle reduziert und auch die Unfallfolgen. Weil es ist ein Unterschied, ob Sie sich beim Aquaplaning mit 160 Stundenkilometern überschlagen oder ob es, weil sie langsam fahren, gar nicht zum Aquaplaning kommt. 130 Stundenkilometer auf der Autobahn, da wird die Welt nicht untergehen, wenn das angeordnet würde."

Die einzige Schwierigkeit sieht Schall bei der Kontrolle eines generellen Tempolimits. Eine flächendeckende Verkehrsüberwachung sei personell fast nicht leistbar. Vor allem wegen der Nachermittlungen, wenn ein Fahrer angibt, er sei nicht gefahren oder er wisse nicht, wer gefahren sei.

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