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Wie sinnvoll sind Wasserstoffzüge für Bayerns Schienen? | BR24

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Wasserstoff-Tanks: Kommt hieraus bald der Treibstoff für Bayerns Züge?

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    Wie sinnvoll sind Wasserstoffzüge für Bayerns Schienen?

    Züge mit Wasserstoffantrieb statt Dieselloks, so stellt sich der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz die Zukunft vor - zumindest auf den Strecken, bei denen die Elektrifizierung noch dauert. Doch wie realistisch und sinnvoll sind solche Pläne?

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    Der CSU-Landrat im Oberallgäu, Anton Klotz, fordert eine Teststrecke für Wasserstoffzüge auf den 40 Kilometern zwischen Kempten und Oberstdorf. Solche Züge könnten helfen, Dieselloks abzulösen, wenn die Elektrifizierung auf bestimmten Streckenabschnitten noch dauert, so seine Hoffnung. Wären solche Pläne umsetzbar und sinnvoll? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

    Sind Wasserstoffzüge schon irgendwo im Einsatz?

    Ja. In Norddeutschland ist ein solcher Zug schon im Linienverkehr zwischen Cuxhaven und Buxtehude im Einsatz. Allerdings ist das auch der bisher Einzige weltweit. Drei weitere Projekte in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen sind geplant.

    Wie steht die bayerische Staatsregierung zu dem Thema?

    CSU und Freie Wähler in Bayern haben in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, dass sie in Bayern eine Modellstrecke für einen Wasserstoffzug oder Hybridlösungen schaffen wollen - und die hätten natürlich viele Regionalpolitiker gerne bei sich. Interesse gibt es nicht nur im Allgäu, sondern zum Beispiel auch bei der Steigerwaldbahn. Vergangenes Jahr hat die Staatsregierung eine Liste beschlossen, wo sie in den nächsten Jahren auf der Schiene alternative Antriebskonzepte ausprobieren will. Für die Wasserstofftechnik sind dabei die Strecken Augsburg-Füssen sowie von Eichstätt-Bahnhof nach Eichstätt-Stadt vorgesehen - also weder der Steigerwald noch Oberstdorf.

    Könnten die Züge aus Norddeutschland auch in Bayern fahren?

    Eher nicht. Der Zug in Niedersachsen fährt mit Brennstoffzellentechnik und einem Tank mit gasförmigem Wasserstoff auf dem Dach. Der könnte theoretisch entweichen oder explodieren, deshalb ist es nicht ganz trivial, Züge mit gasförmigem Wasserstoff an Bord in Tunnels oder teilweise unter Oberleitungen fahren zu lassen. Die Strecken im Freistaat sind potenziell gefährlicher beim Einsatz dieser Technik. Bayern setzt deshalb auf Wasserstoff in flüssiger Form, gebunden in Spezialöl. So ist der Wasserstoff leichter und sicherer zu handhaben, man kann ihn zum Beispiel auch in Dieseltanks füllen. Das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg forscht an dieser sogenannten LOHC-Technologie und will sie künftig auch in Zügen ausprobieren. Aber bis es soweit ist, wird es noch ein paar Jahre dauern.

    Wie sinnvoll sind Wasserstoffzüge überhaupt im Vergleich mit elektrischen Zügen?

    Elektrozüge haben sich schon seit hundert Jahren bewährt. Und eine Studie im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft hat ergeben: Fast überall ist das Fahren mit Oberleitung auf Dauer nicht nur umweltfreundlich, sondern auch die wirtschaftlichste Lösung. Eine Oberleitung lohnt sich schon ab einem Stundentakt, wenn mehr als eine einzelne Triebzuggarnitur fährt. Und Strecken mit Oberleitungen sind auch keine Insellösung, es können auch Fernverkehrs- und Güterzüge fahren. Also eigentlich ist und bleibt die Oberleitung der Goldstandard im Eisenbahnverkehr. Die Schweiz zum Beispiel hat seit 1960 schon so gut wie alle Gleise elektrifiziert. In Bayern sind es unter 50 Prozent, und es ging Jahrzehnte lang nichts voran. Das soll sich jetzt ändern, auch durch Sonderförderprogramme des Bundes. Aus dem bayerischen Verkehrsministerium heißt es dazu: Würde man auf einer Strecke mit Wasserstoff fahren, würde sie in der Prioritätenliste für die Elektrifizierung nach hinten rutschen.