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Wie sich Nürnberger Rettungskräfte vor Corona schützen | BR24

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Sie werden gerufen, wenn es zu Notfällen kommt: Herzinfarkt, Schlaganfall, aber eben auch bei Coronasymptomen. Rettungskräfte arbeiten an der medizinischen Front – wie geht das in Zeiten steigender Corona-Fallzahlen?

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Wie sich Nürnberger Rettungskräfte vor Corona schützen

Wenn ihr Arbeitstag beginnt, wissen sie nicht, was auf sie zukommt. Rettungskräfte müssen auf alles gefasst sein, um Menschenleben retten zu können. Neben der Patientenversorgung geht es vor allem um den Selbstschutz – vor allem während Corona.

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Von
  • Constanze Schulze

Die Frauen und Männer des Rettungsdienstes in Nürnberg werden gerufen, wenn ein Notfall eingetreten ist. Das kann alles Mögliche sein und natürlich auch jederzeit ein Corona-Fall. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist Selbstschutz wichtiger denn je. Denn nicht jeder der einen Notruf absetzt, gibt gleich zu, dass er Symptome hat, berichtet Gregor Demel vom Roten Kreuz in Nürnberg.

Desinfektion nach jedem Einsatz

Demel ist der Hygienebeauftragte des Rettungsdienstes. "Wir werden da mit Erkältungssymptomen konfrontiert oder unerklärlicher Atemnot und Fieber". Dann müssen die Helfer entscheiden, was zu tun ist und dabei auch immer darauf achten, dass sie sich selbst nicht anstecken.

Ihre Aufgabe ist es, dem Patienten bestmöglich zu helfen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass sie sich selbst und die nächsten Patienten schützen. Immer wieder liefern sie Corona-Verdachtsfälle ins Nürnberger Klinikum ein. Nach jedem Einsatz absolut entscheidend: Wagen und Material desinfizieren, den Innenraum lüften. Das heißt für die Rettungskräfte: Höchste Konzentration, immer im Kopf haben, was hat der Patient, was haben sie selbst berührt.

Schwere Corona-Verläufe – nicht nur bei Risikopatienten

Ein Einsatz jagt den anderen, berichtet Gregor Demel. Die Rettungs- und Notfallsanitäter seien maximal gefordert. "Wir haben jetzt seit einigen Wochen eine Zunahme des Stresspegels im Einsatzdienst und es ist momentan nicht abzusehen, dass es ruhiger wird." Sie helfen und transportieren Notfälle aller Art aber eben auch Menschen, die infiziert sind oder bei denen sich im Nachhinein herausstellt, dass sie sich angesteckt haben.

Bei den Nachbesprechungen ihrer Schichten tauschen sich die Rettungsteams aus, versuchen zu verarbeiten, was sie gesehen und erlebt haben. Schockierend sei für viele, wenn sie schwere Verläufe einer Covid19-Infektion sehen, berichtet Demel. "Diese Patienten durchleben einen starken Kampf, um richtig Luft zu bekommen, sie sind sehr abgeschlagen, haben Kreislaufschwierigkeiten. Die Patienten sind teilweise eingetrübt oder haben neurologische Symptome. Sie werden schwer wach und sind müde und kraftlos." Bei den schweren Verläufen handelt es sich dabei nicht nur um Risikopatienten.

Manche Patienten gefährden Rettungskräfte

Die Rettungsteams begleiten viele Einsätze. Natürlich steht nicht jeder Notfall im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Aber schon der nächste Notruf könnte von einem Infizierten kommen. Eine nervliche Belastung, aber auch ein Risiko für sie selbst. Wenn sie im Vorfeld wissen, dass sie auf einen Infizierten treffen, dann nur mit einer Schutzausrüstung. Neben Mantel und mehreren Lagen Handschuhen tragen sie dann auch eine FFP2-Maske.

Was sie wirklich fassungslos macht: Einsätze, bei denen Patienten, sie wissentlich gefährden und sich nicht an Hygieneregeln halten, etwa keine Maske tragen wollen. Das komme immer wieder vor, sagt Gregor Demel.

Apell an die Vernunft der Bevölkerung

Solche Vorfälle würden die Einsätze der Rettungskräfte erschweren und letztlich auch das Team gefährden. Für Ärger bleibe jedoch wenig Zeit. "Wenn wir von Patienten ohne Maske konfrontiert werden, die keinen Abstand einhalten dann ist das einfach gefährlich und da geht es um die gegenseitige Rücksichtnahme und um ein Bewusstsein für das bestehende Risiko. Das würden wir uns wünschen."

Ein Apell, der hoffentlich Wirkung zeigt, denn nur so lange sie auch weiter gesund bleiben, können die Rettungsteams anderen Menschen im Notfall helfen.

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