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Symbolbild Kirchensteuern

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    Wie sich die Corona-Krise auf die Kirchenfinanzen auswirkt

    Die Corona-Pandemie führt zu höheren Ausgaben, sorgt aber auch für weniger Einnahmen durch Kirchensteuern. In den beiden großen Kirchen muss nun gespart werden.

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    Von
    • Irene Esmann

    Die Kirchensteuer ist die mit Abstand größte Einnahmequelle der Kirchen. Katholiken zahlten im Jahr 2018 knapp 6,5 Milliarden Euro an Kirchensteuern, bei den Protestanten waren es rund 5,8 Milliarden Euro. Sie ist direkt an die Einkommenssteuer gekoppelt. Sparen müssen beide Kirchen aber nicht nur wegen der Kirchensteuern, die künftig geringer ausfallen werden.

    In und durch die Corona-Pandemie fehlen den Kirchen auch Einnahmen wegen leer stehender Tagungshäuser und abgesagter Veranstaltungen. Hinzu kommen Verluste durch ausfallende Kollekten, geringere Mieteinnahmen sowie den Wegfall von Elternbeiträgen für Kindergärten und Schulen. Gut die Hälfte aller 27 katholischen Bistümer hat bereits Einsparungen angekündigt, auch in vielen der 20 evangelischen Landeskirchen beschäftigt man sich mit Nachtragshaushalten und Sparplänen. Allerdings lässt sich in der derzeitigen Lage schwer vorhersagen, wie groß der Ausfall bei der Kirchensteuer tatsächlich wird.

    Leere Bildungshäuser, Mitarbeiter in Kurzarbeit

    Andreas Beneker hat zwar noch keine Existenzängste, Sorgen macht er sich trotzdem. Er leitet das evangelische Bildungszentrum in Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge. Seit Mitte März steht es wegen der Corona-Pandemie leer. Keine Kurse, keine Tagungen, keine Seminare - einfach nichts. Viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit gehen. "Die Priorität hat natürlich, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben."

    Landeskirche spannt Rettungsschirm

    Gute Nachrichten gab es in dieser Woche zumindest vom Landeskirchenrat, dem Leitungsgremium der evangelischen Kirche in Bayern: Die Defizite sollen von einem Rettungsschirm aufgefangen werden. Er umfasst knapp 30 Millionen Euro; profitieren sollen auch die vielen diakonischen Einrichtungen, so Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. "Wir müssen klug mit dem Geld umgehen, das heißt, dass wir nicht besinnungslos Sparlisten schreiben, sondern dass wir genau überlegen: Welche Kirche der Zukunft wollen wir?"

    Heinrich Bedford-Strohm spricht von einer einladenden Kirche, einer, die nah bei den Menschen ist.

    Landeskirche rechnet mit Defizit von 131 Millionen Euro

    Die finanziellen Spielräume aber werden kleiner. Mit einem Defizit von 131 Millionen Euro rechnet die Landeskirche. Alleine an Kirchensteuern werde man dieses Jahr voraussichtlich fast 100 Millionen Euro weniger bekommen. Ein Minus von deutlich mehr als 10 Prozent. Der Grund: Je mehr Menschen in Kurzarbeit sind, desto geringer ist das Steueraufkommen. Hinzu kommt, dass auch die Wertpapiere derzeit weniger Ertrag bringen. Bedford-Strohm warnt dennoch vor Panik. Schließlich sei seit Jahren bekannt, dass das Geld für die Kirchen mittelfristig weniger wird - wegen des demographischen Wandels und weil immer mehr Menschen aus den Kirchen austreten. Die Coronakrise führe dazu, dass die Einschnitte jetzt drastischer seien, so Bedford-Strohm. "Aber wir haben mittelfristig schon ziemlich klare Schätzungen und deshalb sind wir auch schon seit Jahren darauf vorbereitet - das kommt uns zu Gute, dass uns das jetzt nicht überraschend trifft."

    So wurde im vergangenen Jahr zum Beispiel ein Plan vorbereitet, die Zahl der Stellen in der Landeskirche in den nächsten Jahren um rund 10 Prozent zu reduzieren. Verabschiedet ist er noch nicht - denn wegen Corona musste die Frühjahrssynode vom März 2020 verschoben werden.

    Klamme Kassen auch bei Katholiken

    Die Lage in der katholischen Kirche ist ähnlich, wenn auch von Bistum zu Bistum unterschiedlich. Aus dem vergleichsweise reichen Erzbistum München und Freising heißt es, man könne die Mindereinnahmen voraussichtlich gut kompensieren. Anders etwa im Bistum Würzburg: schon vor der Coronakrise musste der Finanzdirektor des Bistums Sven Kunkel wegen eines Haushaltslochs von 12 Millionen Euro sparen. Bauprojekte wie die Sanierung des Verwaltungsgebäudes des Bistums wurden verschoben. Wegen der Corona-Krise blieb dem Finanzdirektor nun nur noch die Haushaltssperre: "Es werden alle Sachausgaben und alle Projekte überprüft. Die E-Akte, die für eine weitere Digitalisierung sorgen soll, wird verschoben."

    Weniger Gäste, weniger Einnahmen

    Derweil bereiten sich die Angestellten im Bildungshaus Bad Alexandersbad auf die ersten Gäste seit Wochen vor. Hausleiter Andreas Beneker rechnet damit, dass die Nachfrage groß sein wird: "Wir müssen uns die Fragen, die durch die Corona-Krise aufgeworfen worden sind, vornehmen und auf den verschiedenen Ebenen behandeln."

    Trotzdem: Wegen der geltenden Abstandsregeln wird das Haus erst einmal nur kleinere Gruppen beherbergen. Und so dürfte es noch dauern, bis das Bildunsgzentrum wieder voll ausgelastet ist und sich auch finanziell einigermaßen selbst tragen kann.

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