BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wie Senioren versuchen, an einen Impftermin zu kommen | BR24

© BR

Impfhotlines in Bayern überlastet

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie Senioren versuchen, an einen Impftermin zu kommen

Die 116 117-Hotline für die Vergabe von Impfterminen ist überlastet. Wer doch in die Warteschleife kommt, muss lange auf einen Ansprechpartner warten. Manche Kommunen schicken Meldebögen, andere bieten eigene Telefonnummern für eine Terminvergabe an.

Per Mail sharen
Von
  • Claudia Grimmer

Für Senioren ist die derzeitige Impfterminvergabe eine anstrengende Sache. Es fängt schon damit an, dass viele der über 80-Jährigen keinen Computer haben und somit auf der empfohlenen Seite www.impfzentren.bayern selbst keinen Impftermin vereinbaren können.

Dem neuen bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zufolge haben sich dort aber bereits in den ersten Stunden gut 130.000 Menschen registriert. Es können sich bereits alle Impfwilligen anmelden, auch wenn sie nicht zur priorisierten Risikogruppe gehören. Dem Bayerischen Rundfunk berichteten mehrere Menschen, die sich online anmelden wollten, dass die Plattform zeitweise nicht erreichbar war. Anscheinend war das System überlastet.

© BR

Bayern hat seit Montag eine Anmeldeplattform für die Corona-Impfung - digital. Das stellt Bürger - vor allem ältere - mitunter vor Probleme: eine Mailadresse ist Voraussetzung. Aber auch mit der ist's nicht immer leicht ...

Telefonhotline: Dauerhaft in der Warteschleife

Inge Hartosch ist im Seniorenrat der Stadt Fürth. Sie betreut mit ihren Kollegen und Kolleginnen rund 30.000 über 60-Jährige. Viele haben versucht, über die bundesweite Nummer 116 117 an einen Impftermin zu kommen, doch sie steckten in der Warteschleife fest. Hartosch musste deshalb reihenweise Anfragen beantworten, was denn da los sei und wie die impfberechtigten Senioren jetzt an einen Termin kommen könnten.

"Angeblich soll es Briefe von der Stadt Fürth geben. Wie es dann aber damit weitergeht, weiß ich auch nicht genau", erzählt die Seniorenrätin. Eigentlich wollte die Interessensvertretung den älteren Menschen helfen, sich online um einen Termin zu kümmern, doch das würden die Mitglieder einfach personell nicht mehr schaffen. Zudem hat auch nicht jeder der Senioren eine E-Mail-Adresse. Das sei nur ein wirklich kleiner Bruchteil der über 70-Jährigen, erklärt Hartosch. Ratlosigkeit deshalb auch bei der Seniorenrätin in Fürth.

Die bundesweite 116 117-Servicenummer war am Dienstagmorgen am Rande der Kapazitätsgrenze. In Nordrhein-Westfalen und Hessen riefen so viele Menschen dort an, dass das System kurzzeitig zusammenbrach. Weil es eine deutschlandweite Nummer ist, kam es auch in Bayern zu einer Überlastung. Jetzt bittet die Kassenärztliche Vereinigung, dass die Impfwilligen sich direkt telefonisch an die Impfzentren wenden sollen.

Telefonnummern der Impfzentren schwer auffindbar

Es ist gar nicht so einfach die Telefonnummer eines Impfzentrums zu finden. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern verweist auf eine Unterseite der Website des bayerischen Gesundheitsministeriums. Dort befindet sich ein pdf-Dokument mit den Angaben.

Doch diese zu finden ist schwierig. Auffindbar ist sie zwar über eine Suchmaschinenabfrage unter dem Stichpunkt "Hotline-Impfzentrum-Bayern", doch bei der angegebenen Karte des Gesundheitsministeriums fehlen die Telefonnummern. Da derzeit noch wenig Impfstoff verfügbar ist, ist außerdem fraglich, ob die Zentren personell bereits so besetzt sind, dass sie ein größeres Anrufer-Aufkommen verarbeiten können.

Brauche Impftermin: Wer hilft?

Auch ein ambulanter Pflegedienst in Nürnberg verzweifelt langsam am System. "Alle Telefonnummern der Call-Center und das Bürgertelefon habe ich schon abtelefoniert, ohne Erfolg. Wir betreuen eine ambulante Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Ich will einfach nur wissen, wann denn ein mobiles Impfteam vorbeikommen könnte", erklärt uns die zuständige Dame des Pflegedienstes ihr Problem und schreibt es so auch an die zuständige Behörde. Doch von dort kommt keine Hilfe, sondern nur der Verweis auf eine Internetseite. Und damit auf eine weitere Nummer: Hier lautet die Hotline des Impfzentrums 0 61 02 / 20 82 55 92.

Unterschiedliche Vorgehensweise in den Landkreisen

Unklar ist auch, ob nun die persönlichen Anschreiben der einzelnen Kommunen an die über 80-Jährigen noch kommen oder nicht. Das Landratsamt Coburg verschickt jetzt Meldebögen. Bisher hatte das Landratsamt Coburg Impftermine ausschließlich über eine Telefonhotline vereinbart. War kein Impfstoff mehr vorhanden, wurde das den Anrufern per Bandansage mitgeteilt.

In Landshut können sich über 80-Jährige ab sofort telefonisch oder per Online-Formular für die Immunisierung vormerken lassen. Die entsprechenden Kontaktdaten sind in einem Schreiben, dass direkt an die Senioren geht, enthalten. Eine konkrete Terminvereinbarung sei dagegen noch nicht möglich, weil nach wie vor unklar ist, wann und in welchem Umfang der Bund die benötigten Impfstoffdosen liefern kann.

Auch das Landratsamt in Würzburg kämpft noch mit nachzuholenden Impfterminen. Grundsätzlich, so heißt es, werde bei der Buchung eines Impftermins immer ein Termin für die erforderliche zweite Impfung vergeben. Allen Personen, deren Impftermin in der vergangenen Woche abgesagt werden musste, sei nun angeboten worden, ihren bereits vereinbarten zweiten Impftermin als ersten Impftermin wahrzunehmen.

Das Landratsamt Nürnberger-Land lässt wiederum mitteilen, dass Interessierte per Telefon unter 116 117 oder 0221 98229703 einen Impftermin erhalten. Laut Landratsamt Deggendorf haben sich bereits über 3.500 Personen auf eine Warteliste der dortigen Behörde setzen lassen, dafür konnten sie sich bei der Telefon-Hotline des Landratsamts Deggendorf anmelden und vormerken lassen. Auch in Erlangen gab es dafür eine eigens eingerichtete Telefonnummer. Wie all die Termine von den verschiedenen Behörden nun zusammengeführt werden sollen, ist unklar.

Laut dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek stünden in den kommenden Wochen in Bayern 320.000 Impfdosen zur Verfügung. Die Hälfte soll allerdings für die zweite Impfung zurückgestellt werden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!