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Hungrige Rehe und Hirsche haben sich im Winter junge Bäume schmecken lassen. Das ist zwar ein natürlicher Vorgang, der sogenannte Verbiss gefährdet aber die bayerischen Wälder. Wie stark, das wird zurzeit mit einem bayernweiten Gutachten geklärt.

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Wie sehr schadet Verbiss den Bäumen? Große Inventur im Wald

Hungrige Rehe und Hirsche haben sich im Winter junge Bäume schmecken lassen. Das ist zwar ein natürlicher Vorgang, der sogenannte Verbiss gefährdet aber die bayerischen Wälder. Wie stark, das wird zurzeit mit einem bayernweiten Gutachten geklärt.

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Von
  • Katharina Reichart
  • Roswitha Polaschek

Es hat etwas von einer Sisyphus-Arbeit: Förster Thomas Schneid bewertet Bäumchen um Bäumchen. „Rotbuche, 122 Zentimeter, kein Verbiss; Fichte, einen Meter 20, Verbiss im oberen Drittel, Weißtanne kein Verbiss“, diktiert er seinem Helfer, der die Ergebnisse in einen Computer tippt. Der Leiter des Forstreviers Wertach im Oberallgäu macht diese Inventur, um herauszufinden, wie gut der Wald nachwächst oder ob die zarten Bäumchen durch Rehe oder Hirsche beschädigt worden sind. Das hänge unter anderem davon ab, welche Baumarten wachsen, sagt Schneid, Weißtannen zum Beispiel seien bei den Rehen besonders beliebt, weil sie wohl sehr schmackhaft sind und nicht so stachelig wie die Fichte.

Ob Rehe oder Gämse - zuviel Verbiss bedeutet mehr Abschüsse

Im forstlichen Gutachten, das alle drei Jahre erstellt wird, geht es aber nicht um einzelne Bäume, sondern um das Gesamtbild im Wald. Ist der Verbiss in einem Forstrevier zu groß, hat das Konsequenzen. Zum Beispiel müssen die Abschusspläne angepasst werden. Das heißt: Die Jäger müssen mehr Rehe sowie Hirsche und in den höheren Lagen des Allgäus auch Gämsen schießen. Die Jagd muss sein: Rehwild hat in Bayern keine natürlichen Feinde mehr.

Gemeinsame Wald-Inspektion fördert Akzeptanz des Gutachtens

Neben dem Förster sind deshalb auch Vertreter der Waldbesitzer und Jagdpächter bei der Waldinventur dabei. Gemeinsam werden die Bäumchen inspiziert und beurteilt. Für Georg Göker, Jagdpächter im Gemeinschaftsjagdrevier Moosbach ist das wichtig. Die gemeinschaftliche Bewertung fördere die Akzeptanz des Gutachtens, das unter Umständen später ja Folgen für die Jäger haben könnte, sagt er. Außerdem könnten Unstimmigkeiten gleich ausgeräumt werden.

Das Gutachten ist sehr aufwendig - aber notwendig

Die Erstellung des Gutachtens ist aufwendig. Allein im Zuständigkeitsbereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten, der sich vom Bodensee bis in die Allgäuer Hochalpen erstreckt, müssen Daten an über 500 Flächen erhoben werden. Pro Fläche müssen jeweils 15 Einzelbäumchen in Verbisshöhe, also ab einer Größe von etwa 20 Zentimetern, und fünf größere Bäumchen sowie fünf sogenannte Sämlinge, also noch ganz winzige Bäumchen, kontrolliert werden.

Doch die Arbeit muss sein, denn der Wald muss sich regenerieren. Aus oft reinen Fichtenwäldern müssen gesunde Mischwälder werden - mit Tannen, Buchen und Bergahorn. Damit das klappt, dürfen Wildtiere allerdings nicht zu viele junge Bäumchen fressen.

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