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Wie Rosenheim unter dem Image "Corona-Hotspot" leidet | BR24

© Picture-alliange /imagebroker / Raimund Kutter

Das Zentrum von Rosenheim

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Wie Rosenheim unter dem Image "Corona-Hotspot" leidet

Seit Wochen überschreitet Rosenheim regelmäßig den wöchentlichen Grenzwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Rosenheim gilt nicht nur in Deutschland als "Corona-Hotspot". Darüber wird international berichtet - mit Auswirkungen auf die Stadt.

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Die Weltpresse hat Rosenheim entdeckt. Die Stadt in Oberbayern macht Schlagzeilen als Corona-Hotspot.

"Untersagt" steht in der E-Mail an Martin Kupferschmied. "Aufgrund der aktuelle Infektionslage in Rosenheim hat unser Dienstherr die Reise untersagt", liest er vor. Dann lässt er die Hand sinken, in der er die gedruckte Mail hielt und blickt auf.

Nur knapp 60 Prozent der Betten belegt

Martin Kupferschmied betreibt ein Hotel am Rosenheimer Stadtrand, den Happinger Hof. Rund 140 Gäste haben hier Platz. Aber momentan sind nur knapp 60 Prozent der Betten belegt. Normal wären 90. Grund dafür seien auf der einen Seite die Restriktionen, die in Rosenheim in den vergangenen Wochen verschärft wurden. So wurden Hochzeiten abgesagt, weil die Teilnehmerzahl begrenzt wurde. Aber auf der anderen Seite sei da auch die Angst, sich bei Rosenheimern anzustecken, meint Kupferschmied.

"Wenn dann wieder so Schlagzeilen sind", erzählt er. "Dann denken wir an der Rezeption immer: ‚Oh Gott, was werden wir jetzt wieder für Stornierungen haben.‘" Denn in den vergangenen Wochen war die E-Mail nicht die einzige Absage. Auch eine Firma hat ihre Reise noch am gleichen Tag abgesagt: Ebenfalls wegen der Corona-Lage. Eine hat storniert und dann darum gebeten, die Stornierungsgebühren nicht bezahlen zu müssen. Darauf sei man nicht eingegangen, erzählt Kupferschmied. Verständnis für seine Situation fordert er doch auch.

Rosenheim seit Wochen als "Hotspot" in den Schlagzeilen

Rosenheim ist seit Wochen als sogenannter Hotspot in den Medien – und das nicht nur bundesweit, auch die "Financial Times" hat einen seitenlangen Bericht veröffentlicht. Wer nach Corona-Hotspot Rosenheim googelt, erhält 197.000 Ergebnisse. Aktuell hat sich die Situation zwar wieder beruhigt, aber in den vergangenen Wochen hat die Stadt immer wieder den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert der wöchentlichen Neuinfektionen von 50 pro 100.000 Einwohnern gerissen. Seit dem Frühjahr haben sich hier besonders viele Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Und diese Schlagzeilen scheinen zu beunruhigen.

Bürger aus "Corona-Hotspots" nicht erwünscht

Nicht nur Hotels berichten von Stornierungen. Auch Rosenheimer Bürgerinnen und Bürger haben Probleme. Ein Herr etwa berichtet dem BR, dass er und seine Frau den Urlaub in Rostock absagen mussten. Das Hotel durfte ihn nicht aufnehmen. Im Bundesland-Mecklenburg Vorpommern gelten Beherberungsverbote für Menschen aus jenen Gebieten, die die 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche überschreiten. Ähnliche Fälle soll es kürzlich auch in Memmingen und in Garmisch-Partenkirchen gegeben haben.

In Rosenheim ist dem BR außerdem der Fall eines Studenten bekannt, der keinen Job bekam, weil der Wert der 7-Tage-Inzidenz in Rosenheim erhöht war. Der Arbeitgeber habe die Sorge gehabt, dass eine mögliche Ansteckung auf ihn zurückfallen könne.

Warnung vor Alarmismus

Der Geschäftsführer der RoMed Kliniken, Jens Deerberg-Wittram, hält die Angst vor Rosenheim als Infektionsherd für übertrieben. Zwar sei das Coronavirus grundsätzlich - und nach wie vor - ein hochinfektiöses Virus und Respekt sei davor geboten. Doch er sehe Rosenheim nicht als Hotspot.

Von einem Hotspot, so Deerberg-Wittram, könne msan dann sprechen, wenn täglich neue Infizierte in die Kliniken kämen, die Ressourcen belasten würden und wenn die Patienten womöglich sogar intensiv- oder beatmungspflichtig seien. Davon sei Rosenheim momentan weit entfernt. In allen vier RoMed-Kliniken zusammen würden derzeit täglich zwischen null und drei Covid-19-Patienten behandelt.

Für Rosenheim sieht er zwar einen "relevanten Inzidenzwert". Allerdings stehe der auch damit in Zusammenhang, dass viel getestet werde. Außerdem, so Deerberg-Wittram, sage dieser Wert nichts darüber aus, wie gefährlich die Situation sei. Denn das sei sie in Rosenheim derzeit nicht.

© BR

Seit Wochen ist Rosenheim als sogenannter „Hotspot“ in den Medien. Hier hat die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen regelmäßig den Grenzwert von 50 pro 100.000 Einwohnern überschritten. Sogar international haben Medien berichtet.

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