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Wie notwendig ist die Schließung von Kindergärten und Schulen? | BR24

© Roland Mühlanger/picture alliance/APA

Kinder und Jugendliche wegen der Verbreitung des Corona-Virus zu isolieren halten die meisten Experten inzwischen für notwendig.

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Wie notwendig ist die Schließung von Kindergärten und Schulen?

Auch wenn Experten bisher uneinig waren: Inzwischen halten fast alle die Schließungen von Schulen und Kindergärten zur Eindämmung des Corona-Virus für sinnvoll. Viele appellieren zudem an die Solidarität in der Bevölkerung.

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Die Virologen sind inzwischen mehrheitlich der Meinung: Ja – eine Schließung der Schulen und Kindergärten ist sinnvoll und notwendig. "Schulschließungen in Bayern machen absolut Sinn", sagt Prof. Ulrike Protzer von der TU München. "Denn wir haben hier in Bayern sehr viele Menschen, die im Risiko-Gebiet Italien Urlaub gemacht haben und sich dort infiziert haben können. Und nur mit einer Schließung können wir eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern."

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Kekulé: Schulschließungen sind "alternativlos"

Bisher waren sich die Virologen in ihren Aussagen zu Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht einig. Auf der einen Seite waren die "Warner", wie Prof. Alexander Kekulé; Virologe am Uniklinkum Halle. Er hat schon vor Wochen "Corona-Ferien" gefordert. Die ab Montag geltende Schließung von Schulen und Kindertagesstätten in den meisten der deutschen Bundesländer hält er für "alternativlos".

Er argumentiert mit einer simplen Rechnung: Statistisch steckt ein mit dem Coronavirus Infizierter drei weitere Menschen pro Woche an. Das bedeutet dann eine Verdreifachung der Infizierten innerhalb von sieben Tagen.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Warnung vor Infektionslawine

Das Argument, dass die alleinerziehende Krankenschwester bei einer Schulschließung eventuell nicht mehr zur Arbeit kommen könne, lässt Kekulé also nicht gelten, denn wenn die Kinder der Krankenschwester nicht zuhause blieben, stecke das Kind seine Mutter an, und auch das nächste und übernächste Kind trugen die Infektion dann weiter. Man habe dann also statt einer ausgefallenen Krankenschwester nach einer Woche neun und nach einer weiteren Woche 27 arbeitsunfähige Krankenschwestern - und so weiter. "Dann haben Sie innerhalb von wenigen Wochen eine Infektionslawine, die Sie nicht mehr kontrollieren können“, so der Virologe und Epidemiologe. Der Schaden für die Infrastruktur sei dann um ein Vielfaches größer.

Virologe Drosten: Effekt durch Isolierung von Schülern ist gering

Auf der anderen Seite plädieren Virologen, wie Christian Drosten von der Berliner Charite, gegen generelle Schulschließungen, aber für "wohlüberlegte und notwendige Schließungen". Denn bisher gebe es keine stichhaltigen Argumente für einen drastischen Schritt – aber genügend Argumente, die abgewägt werden müssten.

Da Schulkinder ja nur 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sei der Effekt durch eine Isolierung dieser Gruppe gering. Und der Ausfall von Eltern in wichtigen Berufen, wie Krankenpflege-Personal oder bei der Feuerwehr, die dann zu Hause ihre Kinder betreuen müssen, deutlich schwerwiegender. Überhaupt, so Christian Drosten, gebe es im Umgang mit dem Coronavirus ein generelles Wissensdefizit. Stattdessen hält auch er einen "Mix" aus einem Stopp für Veranstaltungen und Schulschließungen, wo es Risiken gibt, für notwendig.

Veranstaltungen möglichst meiden

Nur eines ist sicher – die Ausbreitung des Virus scheint nicht mehr einzudämmen zu sein. Alles, was man jetzt noch tun kann, ist, die Verbreitung zeitlich zu strecken - und damit eine Überforderung des Gesundheitssystems und eine gute Betreuung der Erkrankten zu erreichen.

Prof. Protzer appelliert deshalb sehr an die Vernunft: "Meiden Sie Veranstaltungen, wägen Sie ab, ob Sie auf Konzerte, Feiern oder in eine Bar gehen. Nicht zum Eigennutz, sondern um eine weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen."

© BR24

Die Corona-Krise entwickelt sich zu einer der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Ab Montag bleiben auch in Bayern alle Schulen, Kitas und Krippen bis zum Ende der Osterferien geschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

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