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Wie München gegen Ratten kämpft | BR24

© picture alliance / imageBROKER

Archivbild: Wanderratte auf einem Kanaldeckel

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    Wie München gegen Ratten kämpft

    Ratten sind klug und gerissen, sozial und kommunikativ, doch ihr Image bleibt schlecht. Schädlingsbekämpfer rücken an, um ihnen unter Straßen, in Altbauten und Kellern den Garaus zu machen - derzeit besonders oft in München.

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    Stefan Daniel wird schnell fündig - er zeigt auf weggeworfene Knochen. "Das zieht natürlich Ratten an. Da ist Knochenmark drin, und das wollen die Tierchen", sagt der Schädlingsbekämpfer. Das Isarufer in der Münchner Innenstadt sei ein Eldorado für Ratten. Im Sommer sowieso, wenn die Griller allerhand Leckereien zurücklassen, aber selbst jetzt im Winter: halbvolle Pizzakartons, weggeworfene Semmeln. All das lockt Ratten an, die ein feineres Näschen haben als Hunde.

    Bis zu einem Kilometer weit marschieren Wanderratten laut Daniel, um an Nahrung zu kommen. "Das sind soziale Tiere, sie leben im Verbund von bis zu 150 Tieren, haben sechs bis acht Junge im Jahr, zwei bis drei Würfe, drei Wochen Tragezeit - dann weiß man, was los ist, wenn die Nahrung stimmt." Und die stimmt. Der warme Sommer tat sein Übriges, deshalb kommen Schädlingsbekämpfer wie Stefan Daniel gerade mit der Arbeit kaum hinterher.

    Giftköder entlang der Isar

    Einmal pro Woche überprüft er entlang der Isar zwischen dem Deutschen Museum und der Wittelsbacher Brücke 350 Köder. Darin befinde sich ein Geschmacksträger sowie ein Wirkstoff, "der abtötend ist". Das Ganze sieht aus wie ein überdimensioniertes pinkes Spültab. Sicher verpackt in verschlossenen Köderboxen, die wiederum mit einem Stahlseil an einem Baum oder Zaunpfahl festgezurrt werden.

    Viele Ratten, aber keine Rattenplage

    Außergewöhnlich viele Rattenköder stehen momentan in München. Von einer Rattenplage könne man nicht sprechen, sagt der Schädlingsbekämpfer, es wäre aber rund um die Isar zu einer gekommen, hätte die Stadt ihn nicht beauftragt.

    "Wenn man mal am hellichten Tag Ratten laufen sieht, dann muss man etwas unternehmen, dann muss man wirklich sagen: Jetzt muss ein Schädlingsbekämpfer her.,Die Ratten hat man laufen sehen, und auch die Rattenlöcher waren da, es haben sich auch mehr Passanten beschwert. Und dann reagierte die Stadt München sofort." Stefan Daniel, Schädlingsbekämpfer

    Kinder und Tiere von Ködern fernhalten

    In der Nähe der ausgelegten Köder warnen viele rote Hinweisplakate die Passanten davor und rufen dazu auf, Kinder und Haustiere von den Kästen fernzuhalten und diese auch nicht zu berühren - auch wenn sich nicht alle daran halten.

    Daniel berichtet, eine ältere Dame sei von Passanten mehrmals fotografiert worden, während sie die Köderboxen in eine Hecke ausschüttete. Als sie darauf angesprochen wurde, sagte die Frau, sie wolle die Tiere schützen. "Da schütze ich doch keine Tiere, wenn ich das Gift irgendwo rumstreue", betont der Schädlingsbekämpfer. "Diese Dame hat jetzt eine Anzeige am Hals."

    Das ist kein Einzelfall. Ein großer, gesunder Hund wird nicht daran sterben, wenn er an dem herausgefallenen Gift schleckt, denn eigentlich ist die Zusammensetzung auf Ratten und Mäuse abgestimmt. Aber ein kleiner, geschwächter Hund muss dann sofort zum Tierarzt.

    Ratten übertragen Typhus und Gelbfieber

    Auf den roten Warnschildern hinterlässt Stefan Daniel deshalb seine Nummer. Es komme schon öfter vor, dass ihn besorgte Hundebesitzer oder Eltern anrufen, schließlich seien Ratten Krankheitsüberträger:

    "Da gibt's Typhus, Gelbfieber, und in Amerika ist festgestellt worden: Bis zu 72 Bakterien kann eine Ratte im Kot haben." Stefan Daniel, Schädlingsbekämpfer

    "Extrem interessant" für die Ratten ist an der Isar auch das im Winter leerstehende Kioskhäuschen von André Löwig. Wie seine Videoüberwachung zeigt, haben sich Ratten dort ungestört vergnügt und sogar einen Balken durchgenagt. Aber die Tiere können sich auch durch Blei und Beton nagen.

    "Die gehen da unten rein, da ist es wunderbar, da haben sie ihr Versteck, vielleicht schon einen Rattenbau, unterirdisch, den können sie 20, 30, 40 Meter tief graben. Da unten fühlen sie sich am wohlsten - und in Abwasserkanälen."

    Die Ratte, die aus dem Klo kam

    Die Horrorgeschichte von der Ratte, die über den Toilettendeckel ins Haus kommt, ist übrigens keine Mär.

    "Da wird irgend etwas saniert oder ein Kanal geht kaputt, und dann kommen sie eben vom Kanal auch mal die Toilette rauf. Und wenn dann die Leute in die Toilette Essen schütten, kann eine Ratte Monate später noch feststellen, von wo das Essen kommt. Und dann haben wir auch schon mal einen Rattenbefall gehabt unterhalb einer Badewanne im 5. Stock."

    Darum sollte man nie Lebensmittelreste in die Toilette oder Badewanne schütten. Auch nicht in die Natur werfen oder Knochen und Fleisch auf dem Komposthaufen entsorgen. Dass in den Großstädten schätzungsweise so viele Ratten wie Bewohner leben, hätten wir uns nämlich selbst zuzuschreiben, sagt Stefan Daniel.